Liquidität – eine planbare Größe

Existenzgründer haben häufig in ihrer Gründungsphase das Problem, das zwar anfängliche Investitionen finanziert wurden, jedoch das Geld für das laufende Geschäft nicht vorhanden ist. So fällt es dem Gründer dann schwerer, Material, Waren oder Mieten pünktlich zu bezahlen. Die Folge sind Mahnungen, Mahngebühren und -zinsen. Diese Aufwendungen belasten die angeschlagene Liquidität des Unternehmens zusätzlich.

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Aber was ist überhaupt Liquidität eines Unternehmens?

Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, dass die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens Liquidität darstellt und somit die Fähigkeit künftig fällige Verbindlichkeiten zahlen zu können. Liquidität bekommt man nicht rein zufällig, sondern sie muss vorsätzlich geplant und kontrolliert werden. Zunächst ist dazu die möglichst exakte Ermittlung der künftigen Ein- und Auszahlungen nötig. Diese Daten müssen nach ihrer Fälligkeit sortiert werden. In einer so genannten Liquiditätsrechnung kann dann über einen Zeitraum von 12 Monaten eine Liquiditätsplanung vorgenommen werden. In dieser Planung werden unabhängig von handels- oder steuerrechtlichen Hintergründen die tatsächlichen Zu- und Abflüsse des Unternehmens aufgezeichnet. Zur optimalen Planung zählt auch die Analyse künftig anfallender Kosten. So zum Beispiel ist es notwendig Produktionsvorhaben hinsichtlich Material- oder Personalaufwand planen und somit für die Liquiditätsrechnung berücksichtigen zu können. Darüber hinaus sollte der Existenzgründer auch einmalige Zahlungen, wie beispielsweise jährlich fällige Versicherungsbeträge oder jahresendfällige Zinsbelastungen, bei der Planung nicht vergessen. Ein bedeutender Faktor der Liquiditätsrechnung und -planung stellt die Überwachung der Zahlungsziele dar. Der Unternehmer muss bei der Liquiditätsplanung die ihm eingeräumten Zahlungsziele, aber auch die von ihm gewährten Zahlungsziele berücksichtigen. Nur so ist eine korrekte, zeitlich richtig eingeordnete Erfassung der Zahlungsein- und ausgänge möglich. Bei umsatzsteuerpflichtigen Existenzgründern muss in der Liquiditätsplanung auch die Umsatz- bzw. Vorsteuer beachtet werden, da diese dem Unternehmen ebenfalls ab- bzw. zufließt und somit die Liquidität beeinflusst.

Was kann ein Unternehmer tun, um seine Liquidität zu verbessern?

Zunächst besteht die Möglichkeit, einen Kontokorrentkredit bei der Hausbank zu beantragen. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass dieser nur für eine kurzfristige Überbrückung der Zahlungsfähigkeit genutzt werden soll. Existenzgründer sollten nach der Finanzierungsregel handeln und langfristiges Vermögen nur durch langfristiges Kapital finanzieren. DasAnlagevermögen eines Unternehmens (PKW, Maschinen, Grundstücke oder Gebäude) sollte also durch Eigenkapital oder langfristiges Fremdkapital finanziert werden. Kontokorrentkredite sind für solche Finanzierungen ungeeignet, da sie nicht auf derartige Laufzeiten konzipiert wurden und dem Unternehmen somit teuer zu stehen kommen. Eine Liquiditätslücke kann auch durch dem Leasing geschlossen werden. Durch das Mieten von Betriebsmitteln ist eine Darlehensaufnahme nicht nötig. Darüber hinaus können auch steuerliche Vorteile das Leasing für Unternehmer attraktiver machen. Allein die Tatsache viele Forderungen gegenüber seinen Kunden zu haben macht ein Unternehmen nicht reich. Es ist notwendig diese Forderungen in Barvermögen umzuwandeln. Für diese Zwecke existiert das so genannte Factoring. Dabei werden Forderungen gegen eine Gebühr von anderen Firmen gekauft. Derartige Angebote sollten jedoch von einem Fachkundigen geprüft werden.

Vorkehrungen treffen, um nicht in eine Liquiditätsfalle zu geraten

Da seit einiger Zeit die Zahlungsmoral von deutschen Unternehmen stetig sinkt, ist das Vorhaben eines Existenzgründers, seine Liquidität zu verbessern nicht unbedingt leicht. Der Existenzgründer sollte vor dem Eingehen einer geschäftlichen Beziehungen die Liquidität des Geschäftspartners prüfen. Dies kann über die Hausbank oder so genannte Inkassounternehmen geschehen. Die Zahlungsbereitschaft der Kunden kann über die Gewährung eines Skontos erhöht werden. Es sollte stets ein konkretes Zahlungsziel auf den Rechnungen vermerkt sein. Die regelmäßige Überwachung der Zahlungsein- und ausgänge gehört ebenso zu den Voraussetzungen einer ordentlichen Liquiditätsplanung wie die Einrichtung eines funktionierenden Mahnwesens.

Die eigene Liquidität überprüfen

Um die Liquidität eines Unternehmens zahlenmäßig überprüfen zu können, ist die Berechnung von Liquiditätsgraden nötig. Liquiditätsgrade können in drei Stufen gegliedert werden. Die Liquiditätsgrade ermittelt sich folgendermaßen, wobei die kurzfristigen Verbindlichkeiten alle Schulden eines Unternehmens mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr darstellen.

Liquidität 1. Grades

flüssige Mittel (Bank, Kasse)
---------------------------------------   x 100%   
kurzfristige Verbindlichkeiten

Die Liquidität 1. Grades sollte bei 30 bis 50 % liegen, sodass im besten Fall die Hälfte der kurzfristigen Verbindlichkeiten des Unternehmens durch Kassen- und Bankbestände abgedeckt werden können.

Liquidität 2. Grades

flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen
--------------------------------------------------------   x 100% 
kurzfristige Verbindlichkeiten

Der zweite Grad der Liquidität sollte deutlich größer als 100 Prozent sein. In dieser Stufe werden neben den Barmitteln auch die eigenen Forderungen berücksichtigt.

Liquidität 3. Grades

gesamtes Umlaufvermögen
---------------------------------------   x 100%
kurzfristige Verbindlichkeiten

Der letzte Grad der Liquidität sollte über 200 % liegen, was jedoch nur bei Unternehmen sinnvoll erscheint, welche Vorratsvermögen besitzen. So zum Beispiel ein Großteil der eBay – Händler. Anhand der Liquiditätsgrade des Unternehmens, kann festgestellt werden, ob die Liquidität der Firma ausreichend ist oder verbesserungswürdig.



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