Wie und wo kann ich eine Ausübungsberechtigung beantragen?

Eine Ausübungsberechtigung ist erforderlich, um eine selbständige Tätigkeit in einem zulassungspflichtigen Gewerbezweig aufzunehmen. Eine Ausübungsberechtigung ist damit eine Ausnahmevorschrift von dem grundsätzlich geltenden Meisterzwang. Für eine erfolgreiche Antragstellung ist dabei Folgendes zu beachten:

1. Sie haben einen Gesellengrad erreicht

Durch eine Ausübungsberechtigung können Sie zwar dem Meisterzwang entkommen, nicht aber der Gesellenprüfung. Eine bestandene Gesellenprüfung ist damit eine grundlegende Voraussetzung für die Vergabe einer Ausübungsberechtigung.

2. Sie wollen kein Gewerbe betreiben, das von der Ausübungsberechtigung ausgenommen ist

Für Berufszweige, in denen ein besonderer Kompetenzstand verlangt und erwartet werden kann, werden keine Ausübungsberechtigungen vergeben. Solche Berufe sind:

  • Hörgeräteakustiker

  • Augenoptiker

  • Zahntechniker

  • Schornsteinfeger

  • Orthopädietechniker

  • Orthopädieschuhmacher

Die selbständige Ausübung dieser Berufe ist ausschließlich mit einem Meistertitel möglich.

3. Sie verfügen über mindestens 6 Jahre Berufserfahrung - die Ausbildung nicht eingerechnet

Für die Erteilung einer Ausübungsberechtigung für die selbständige Tätigkeit ist ausreichende Berufserfahrung in dem Handwerk von großer Bedeutung. Damit beweisen Sie Ihr handwerkliches Können und Ihre fachlichen Fähigkeiten, die Sie auf dem praktischen Weg - also abseits der Meisterausbildung - erworben haben.

4. Sie verfügen über mindestens 4 Jahre Berufserfahrung in leitender Position

Eine Ausübungsberechtigung berechtigt Sie zum selbständigen Führen eines handwerklichen Betriebs ohne Meisterprüfung. Um diese Ausübungsberechtigung zu erhalten, sollten Sie deshalb ganz besonders zeigen können, dass Sie die Führungsfähigkeiten und die dazu erforderlichen Kenntnisse bereits auf dem praktischen Weg erworben und in Ihrem Beruf erfolgreich eingesetzt haben. Zur Ausübung leitender Position gehört insbesondere:

  • Mitarbeiterführung

  • Betriebsplanung

  • Erledigung der kaufmännischen und rechtlichen Verwaltungsaufgaben

5. Sie sollten die vorgesehene Antragsform beachten

Liegen alle oben genannten Bedingungen vor, sollten Sie einen Antrag auf die Erteilung der Ausübungsberechtigung stellen. Die Antragsform können Sie direkt oder online bei der zuständigen Handwerkskammer erhalten.

Wichtig: Die Antragsformulare der einzelnen Kammern unterscheiden sich leicht in ihrer Form und Gestaltung. Bitte achten Sie daher darauf, dass Sie auch das Online-Formular direkt von der Website Ihrer Handwerkskammer bekommen.

Opens external link in new windowBeispiel Antragsformular

Auch wenn Sie den Antrag nicht online stellen möchten, ist es zu empfehlen, das Formular möglichst frühzeitig herunterzuladen und alle Punkte durchzulesen. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass die verlangten Informationen oder die einzureichenden Unterlagen Sie nicht überraschen werden. Lesen Sie auch unseren Artikel Opens internal link in current windowKammermitglied werden!

6. Sie sollten den Antrag sorgfältig ausfüllen

Eine vollständige und korrekte Beantwortung aller Fragen ist für die Antragsbearbeitung von entscheidender Bedeutung. Sie sollten sich daher zum Ausfüllen der Unterlagen Zeit nehmen. Im Antrag sollten insbesondere folgende Informationen angegeben sein:

  • Daten zur Person An dieser Stelle geben Sie Ihre allgemeinen Daten - Name, Geburtsdatum, Adresse, Staatsangehörigkeit, Familienstand und sonstige Kontaktdaten - an.

  • Daten zum beruflichen und persönlichen Werdegang In diesem Abschnitt beschreiben Sie in allen Einzelheiten Ihre gesamte Ausbildung, Ihre bisher erreichten Abschlüsse und die einzelnen Berufserfahrungen. Sehr wichtig sind im Weiteren die Angaben zu dem angestrebten Betrieb, den Sie nach dem Erhalt der Ausübungsberechtigung führen möchten. Die Frage danach, ob Sie bereit wären, eine Kenntnisprüfung abzulegen, sollte unbedingt mit "ja" beantwortet werden. Die Prüfung kann im Einzelfall ausschlaggebend für die Entscheidung der Behörde über die Ausstellung der Ausübungsberechtigung sein.

Opens external link in new windowWeitere Informationen

7. Sie sollten sich an die zuständige Behörde richten

Zuständig für die Vergabe der Ausübungsberechtigung ist Ihre örtliche Handwerkskammer. Diese nimmt den Antrag entgegen, prüft die vorliegenden Voraussetzungen und trifft letztendlich die Entscheidung über die Ausstellung der Ausübungsberechtigung im Einzelfall.

8. Sie können sich für eine Online-Antragstellung entscheiden

Ziehen Sie es vor, den Antrag online einzureichen, sollten Sie darauf achten, dass Sie neben dem eigentlichen Antrag auch eine Erklärung zu Ihrer Identität oder die Kopie Ihres Ausweises beifügen. Wie eine Erklärung zur Identität aussieht und ob diese in Form eines zusätzlichen Formulars beigefügt werden soll, unterscheidet sich von Kammer zu Kammer. Ein Beispiel finden Sie unter folgendem Link: Opens external link in new windowErklärung zur Identität

9. Sie sollten dem Antrag qualifizierte Nachweise beilegen

Collage zum Thema Ausübungsberechtigung: Meisterbrief, Gesellenbrief, Facharbeiterbrief, auch der von der DDR liegen wie ein Fächer übereinander

Für eine schnelle und erfolgreiche Antragsbearbeitung sind fundierte Nachweise über Ihre bisherige Ausbildung und Ihre Berufserfahrung erforderlich. Für die Ausbildung - einschließlich der weiteren qualifizierenden Lehrgänge - reichen die ausgestellten Zeugnisse. Zum Nachweis der Berufserfahrung - insbesondere in der leitenden Funktion - sollten Arbeitszeugnisse des jeweiligen Betriebs vorgelegt werden. In den Arbeitszeugnissen müssen Ihre einzelnen Aufgaben und Ihre speziellen Verantwortungsbereiche ausführlich dargestellt werden. War die Betriebsorganisation oder die kaufmännische und rechtliche Verwaltung bei der bisherigen beruflichen Tätigkeit nicht erforderlich, können diese Fähigkeiten durch den Besuch der qualifizierenden Lehrgänge der Handelskammer erworben werden. Die ausgestellten Zeugnisse der Handwerkskammer müssten dann dem Antrag vorgelegt werden.

10. Sie sollten eine Kenntnisprüfung ablegen

Bei einer Kenntnisprüfung werden theoretische Kenntnisse des Handwerks getestet. Für manche Berufszweige bieten die einzelnen Handelskammern spezielle Vorbereitungskurse an. Es ist daher anzuraten, sich bei der zuständigen und bei den örtlich naheliegenden Handelskammern nach solchen Angeboten zu erkundigen. Auch wenn die Vorbereitungskurse gebührenpflichtig sind und Sie Ihren fachlichen Kenntnisstand von sich aus immer aktuell halten, ist es sehr zu empfehlen, an einem Vorbereitungskurs teilzunehmen. Neben den aktuellen Regelungen bereiten die Kurse Sie ganz besonders auf die üblichen und häufigen Prüfungsfragen vor. Dies kann für Sie während der Prüfung eine große Hilfe sein.

11. Wie hoch sind die Kosten der Antragstellung?

Die Antragstellung ist gebührenpflichtig. Die Höhe der Gebühren variiert je nach Handelskammer. Grundsätzlich ist jedoch von einer Bearbeitungsgebühr in Höhe von etwa 300 Euro auszugehen. Die Kosten der Kenntnisprüfung liegen üblicherweise im Rahmen zwischen 60 und 150 Euro. Für die Vorbereitungskurse können etwa 100 bis 200 Euro verlangt werden. Die Höhe der jeweiligen Gebühren unterscheidet sich je nach Berufszweig und der jeweiligen Handelskammer.

12. Fazit

Liegen bei Ihnen die allgemeinen Voraussetzungen - wie eine abgeschlossene Gesellenprüfung und die erforderliche Berufserfahrung - vor, bietet die Ausübungsberechtigung einen guten Weg zu einem eigenen Betrieb. Der zeitliche Aufwand und die Kosten sind im Vergleich zu der Meisterausbildung verschwindend gering. Der Vorteil, den Sie durch die Ausübungsberechtigung erhalten, ist die eigene berufliche Unabhängigkeit.

Häufig gestellte Fragen zur Weiterbildung in Existenzgründung:

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

Gründerlexikon
Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!
-Anzeige-
Meine Checkliste
Zu viele Schritte?