Bei Krankheit und Gewerbeabmeldung kann die freiwillige Arbeitslosenversicherung helfen

Eins sollte von vornherein klar sein: Wer unter keinen Umständen in die Arbeitslosigkeit oder ein Angestelltenverhältnis zurück gehen möchte, der braucht sich um die Arbeitslosenversicherung keine Gedanken zu machen. Das betrifft in der Regel die Existenzgründer, die eine todsichere Geschäftsidee haben oder bereits viele Aufträge, über eine große Zahl an Stammkunden oder Abnehmern verfügen. Die Existenzgründung ist in diesen Fällen so gut wie gesichert, so dass eine zusätzliche finanzielle Absicherung durch eine freiwillige Arbeitslosenversicherung nicht mehr nötig ist. Alle andern Gründer können noch bis zum 31.12.2010 unmittelbar und parallel zur Existenzgründung bei der Arbeitsagentur einen Antrag auf freiwillige Weiterversicherung stellen. Der Antrag kann zusammen mit dem Antrag auf Gewährung eines Gründungszuschusses gestellt und abgegeben werden.

Voraussetzungen für die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit

Nicht jeder Unternehmer darf sich versichern, genau genommen nur Existenzgründer, so dass eine nachträglicher Abschluss der Versicherung für bereits selbständige nicht möglich ist. Für Existenzgründer gelten darüber hinaus folgende Mindestvoraussetzungen:

  • Es muss eine selbständige oder gewerbliche Tätigkeit von mindestens 15 Stunden pro Woche aufgenommen und angemeldet werden
  • der Selbständige hat während der letzten zwei Jahre mindestens 12 Monate Arbeitslosenbeiträge gezahlt oder
  • Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld I, Krankengeld, Mutterschaftsgeld erhalten

So lange haben Sie für den Antrag

Zeit Für alle Personen, die sich in Zukunft selbständig machen wollen gilt die 1 Monats Frist, d.h. innerhalb eines Monats nach dem Beginn der unternehmerischen Tätigkeit muss der Antrag gestellt sein.

Was kostet die Arbeitslosenversicherung?

Derzeit schlägt die freiwillige Arbeitslosenversicherung mit monatlich 70,35 EUR (82,95 EUR West) zu buche. Für Gründer gibt es eine Sonderregelung, sie zahlen im Jahr der Gründung und im darauffolgenden Jahr nur den halben Beitrag. (§ 345b, § 434w SGB III) Stand: Beitragsjahr 2014

Wie kann der Existenzgründer die freiwillige Arbeitslosenversicherung für sich nutzen?

Wie der Name schon durchscheinen lässt, sichert die staatliche Arbeitslosenversicherung den Existenzgründer und später den selbständigen Unternehmer gegen das Risiko einer drohenden Arbeitslosigkeit ab. Notwendigerweise muss der Gründer erst 12 Monate in die freiwillige Arbeitslosenversicherung einbezahlt haben, um einen neuen Anspruch auf ALG I entstehen zu lassen. Jedem Jungunternehmer muss dabei bewusst sein, das der Existenzgründerzuschuss i.d.R. nach 9 Monaten abläuft. Die restlichen 3 Monate muss der Unternehmer in der Selbständigkeit mit keinen oder nur geringen Geldeingängen überbrücken. Der Unternehmer kann also im Falle der Geschäftsaufgabe seine Arbeitslosigkeit bei der zuständigen Arbeitsagentur melden und wird somit wieder in den Pool der Arbeitssuchenden aufgenommen. Positiv dabei, er hat wieder Anspruch auf Arbeitslosengeld. So kann der ehemalige Selbständige eine gewisse Zeit nach der Geschäftsaufgabe finanziell überbrücken.

Welche Gründe können zur Arbeitslosigkeit führen?

Die Gründe können, ebenso wie bei einem Arbeitnehmer verschieden sein. Eine mangelnde Rentabilität oder Wirtschaftlichkeit des Unternehmens sind ebenso wie gesundheitliche Probleme des Unternehmers Gründe für eine Gewerbeabmeldung und somit der Inanspruchnahme der Arbeitslosenversicherung. Selbst psychische oder private Probleme des Gründers gepaart mit der Unvereinbarkeit seines gewerblichen Handelns sind Gründe, um die Arbeitslosigkeit einzuläuten, so die Bundesarbeitsagentur für Arbeit auf unsere Anfrage hin.

Müssen die Gründe der Arbeitslosigkeit durch den Selbstständigen nachgewiesen werden?

Freilich ist eine lapidare Begründung nach dem Motto: "Ich habe keine Lust mehr auf diese Tätigkeit." eine sehr fragliche und nicht zu akzeptierende Begründung der Gewerbeabmeldung und somit der Inanspruchnahme der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Triftige gesundheitliche Gründe oder gar eine bevorstehende Operation, welche eine Fortführung der unternehmerischen Tätigkeit nicht zulässt, werden wohl ohne Frage von der Bundesagentur für Arbeit akzeptiert. Unsere Recherche hat darüber hinaus ergeben, dass ein Arbeitspapier der Bundesagentur für Arbeit kein besonderes Feld für die Angabe von Gründen der Inanspruchnahme der gesetzlichen Versicherung vorsieht.

So nutzen Sie die Arbeitslosenversicherung auch für den unvorhergesehenen Krankheitsfall

Somit müssen wir unsere Eingangsthese geringfügig ändern und stellen fest, dass die Arbeitslosenversicherung nicht nur für Existenzgründer mit durchaus verständlichen und biologisch normalen Existenzängsten eine sinnvolle Absicherung darstellt, sondern auch Existenzgründer mit gesundheitlichen Problemen eine zusätzliche Sicherheit für die Zukunft bietet.

Wie reagieren die Krankenkassen im Fall der Nutzung der Arbeitslosenversicherung?

Sollte der Existenzgründer gesundheitlich bedingt die Arbeitslosenversicherung nutzen, um etwa eine Operation in Ruhe über sich ergehen lassen zu können, erhält er innerhalb der ersten sechs Wochen seiner Krankheit Arbeitslosengeld. Sollte der Genesungsprozess über sechs Wochen hinausgehen, zahlt danach die Krankenkasse wie bei jedem anderen Arbeitnehmer auch Krankengeld. Somit kann der Existenzgründer mit der freiwilligen Arbeitslosenversicherung auch einen komplizierten gesundheitlichen Eingriff finanziell überbrücken, da das oben beschriebene Krankengeld nichts mit dem freiwilligen Krankengeld während der unternehmerischen Tätigkeit zu tun hat.

Fazit

Für alle Existenzgründer, die keine finanzielle Absicherung im Vorfeld schaffen oder bilden können, bietet sich die freiwillige gesetzliche Arbeitslosenersicherung an, um nicht nur die drohende wirtschaftliche Pleite abzusichern, sondern um zudem einen persönlichen gesundheitlichen Kollaps zu begegnen. So kann zur Krankenversicherung ein sehr preisgünstiger und zuverlässiger Schutz auf staatlicher Basis genutzt werden.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

Gründerlexikon
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