Am von Torsten in Studien geschrieben und am 04.01.2020 um 04:12 aktualisiert
Gründungsquote

Warum gründen deutsche Wissenschaftler so selten?

Obwohl Deutschland einer der besten Forschungsstandorte ist, gründen dort lediglich 5% der Wissenschaftler. In Estland sind es 19%. Woran liegt das schwache Ergebnis in Deutschland? Eine Studie der Technischen Universität München untersuchte die Frage und kam zu ersten Ergebnissen: Oft scheitert es an Teamgeist, Pragmatismus und Soft Skills.

Eine Schul Tafel, auf der die folgende Worte stehen: Perfection is Stagnation
Sind deutsche Wissenschaftler zu perfektionistisch?
© geralt / pixabay.com

Garching bei München, 14. Oktober 2019 - Im globalen Wettbewerbsbericht 2018 des Weltwirtschaftsforums belegt Deutschland Platz 1 bei der Innovationsfähigkeit. Eigentlich gute Voraussetzungen für eine hohe Gründungsrate, oder? Das dreijährige Forschungsprojekt der Technischen Universität München, das von der Joachim Herz Stiftung gefördert wird, untersucht, wie aus WissenschaftlerInnen GründerInnen werden und welche Einflüsse positiv bzw. negativ auf diesen Prozess einwirken.

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Das hat das Forscherteam herausgefunden:

  1. Mangelnde Gruppendynamik
  2. Pragmatismus statt Perfektionismus
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Mangelnde Gruppendynamik

Oft haben Wissenschaftler zwar eine innovative Technologie parat, aber ihnen fehlt die Marktkenntnis, um das Potenzial für eine Kommerzialisierung zu beurteilen. Darum wird empfohlen, dass sie sich möglichst früh Menschen mit entsprechender Erfahrung ins Boot holen.

Das Forschungsteam hat allerdings festgestellt, dass das Problem nicht nur in mangelnden Kenntnissen liegt, sondern eben auch an der Gruppendynamik. Oft können sich die Gründerteams nicht auf eine Vorgehensweise bzw. Vision des Produkts einigen. Nicola Breugst, Professorin für Entrepreneurial Behavior am Entrepreneurship Research Institute der Technischen Universität München schlussfolgert deshalb: "In der Konsequenz dürfen sich universitäre und andere Einrichtungen der Gründungsförderung nicht nur auf die Vermittlung von Technologie- und Marktkenntnissen konzentrieren, sondern sollten auch Soft-Skill-Kurse etwa rund um teamorientiertes Coaching als wichtige Komponente für eine effektive Gründungsförderung anbieten.“

Pragmatismus statt Perfektionismus

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Die potenziellen Gründer sollten sich von ihren hohen wissenschaftlichen Ansprüchen verabschieden. Denn oftmals ist eben die wissenschaftliche Denkweise ein Hindernis bei der frühen Erprobung der Marktfähigkeit des Produktes. Ein wichtiger Grundsatz bei Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen ist nämlich, dass nur ausgereiftes Wissen die Basis für Entscheidungen und Handeln sein sollte. Dabei sollten Gründer eigentlich nicht mit der Veröffentlichung warten, bis das Produkt "perfekt" ist. Stattdessen sollten sie so früh es geht, möglichen Kunden auch nicht völlig ausgereifte Prototypen präsentieren. Nur so können sie früh von deren Feedback profitieren. Prof. Dr. Dr. Holger Patzelt, Professor für Entrepreneurship am Entrepreneurship Research Institute der Technischen Universität München empfiehlt deshalb: "WissenschaftlerInnen sollten zudem vom Pragmatismus in Gründungsunternehmen lernen, indem sie sich trauen, auch mit unfertigen Prototypen (Vorgründungsphase) mögliche Zielgruppen und wichtige Stakeholder zu konsultieren."

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