Finanzierung eines Onlineunternehmens

Vor dem Erfolg eines jeden Unternehmens, so auch eines Onlineshops oder allgemein beim Onlinehandel, steht die korrekte Finanzierung und der damit verbundene Finanzplan der Firma.

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So finanzieren Sie ihr Unternehmen

Sie als Existenzgründer müssen sich über die Anschaffungen von Waren, Produkten oderBetriebs- undGeschäftsausstattung usw. Gedanken machen. Zu welchen Preisen bekomme ich die Ausstattung? Kann ich meineLiquidität positiv beeinflussen, indem ich zunächst gebrauchte Ausrüstung erwerbe, aber gleichzeitig nicht minderwertige Gegenstände kaufe? Wir möchte Ihnen mit dem 9. Teil unserer Reihe einige Tipps und Hinweise zum Thema Finanzierung des eigenen Onlinehandels geben.

So sieht die Mindestausstattung eines Onlinehandels aus

Sie benötigen auf jeden Fall einen leistungsfähigen PC. Dabei kommt es nicht auf eine besondere Marke, Soundkarte oder Grafikkarte an, vielmehr ist die Geschwindigkeit des Gerätes ihr Wettbewerbsvorteil. Der Computer muss auch nach dem Öffnen von mehreren Programmen schnell bedienbar sein und reagieren. Daher sollte man nicht am Prozessortyp oder am Arbeitsspeicher sparen.

Darüber hinaus ist ein rückenschonender Packtisch unverzichtbares Accessoires. Den kann man übrigens auch selber bauen, sofern man etwas handwerklich begabt ist. Daneben benötigen Sie auf jeden Fall einen Abstellplatz / Lager sowie ein Faxgerät, was auch die Funktion eines Kopierers beherrschen sollte. Das reicht für den Anfang, ein hochwertiger Kopierer kann später nachgekauft werden. Neben Verpackungsmaterial, Füll- und Dämmstoffen, sollten Sie auch eine geeignete Software zum Erstellen von Lieferscheinen, Rechnungen oder Gutschriften haben.

Investitionsbedarf schätzen

Die obige Zusammenstellung ist selbstverständlich abhängig von der detaillierten Sparte des Onlinehandels. Wer mit Autoersatzteilen handelt, wird sicher ein größeres Lager benötigen als ein Softwareonlineshop. Nichts desto trotz sollte man die nötigen Investitionen in etwa schätzen können. Obige Anschaffungen könnte man mit ca. 3.000,- EUR inkl. Umsatzsteuer beziffern. Bei dieser Schätzung wird jedoch ohne Eigenleistungen wie die Selbstherstellung des Packtisches kalkuliert.

Anschaffung vor der Not

Wir empfehlen nicht gar zu viel unmittelbar bei der Existenzgründung anzuschaffen, das schont den Geldbeutel und spart nebenbei noch Zeit. Etwas vage aber kostenoptimiert ist der Ansatz, die Dinge erst dann zu kaufen, wenn Sie mehr als einmal wirklich benötigt werden. So kauft man einen Kopierer für ca. 1.000,- EUR erst dann, wenn das Faxgerät einfach überlastet ist. Das Faxgerät ist deshalb nicht überflüssig geworden, es wird ja noch zum Faxen eingesetzt, so dass die Anschaffungen auf keinen Fall zu Fehlinvestitionen werden. Durch den Kauf eines Kopierers werden allerdings die variablen Kosten des Onlineunternehmens enorm gesenkt, da in der Regel Faxtoner wesentlich teurer sind als die Toner eines hochwertigen Kopierers.

Wozu Zeit für die Finanzierung verschwenden?

Diese Frage stellen sich aus unseren Erfahrungen mehr als 80% der Existenzgründer. „Ich kaufe das einfach und los geht´s.“ Aber genau das ist der falsche Weg, denn durch unüberlegte Investitionen werden Dinge gekauft, die zum Zeitpunkt der Existenzgründung nicht relevant sind. Derartige Investitionen können auf einen späteren Zeitpunkt verlagert werden. Somit spart sich der Gründer Zeit für Recherche, Preisvergleiche und Kostenvoranschläge. Darüber hinaus noch Investitionskosten, wie Zinsen für kurzfristige Kredite oder ähnliche Finanzierungskosten. Der Zeitpunkt der Investition ist daher von größter Bedeutung. Nicht zuletzt besteht immer die Gefahr, dass angeschaffte Büro- oderGeschäftsausstattung gar nicht benötigt wird, da das Geschäft ja erst anläuft, die Geräte also nicht ausgelastet oder gar nicht genutzt werden. Kosten und Nutzen müssen also im Verhältnis stehen, oder Kaufen Sie sich gleich einen LKW für 100.000,- EUR wenn Sie umziehen wollen? Sicher nicht.

Das aller wichtigste ist die vollständige Dokumentation

Was beinhaltet dieser Schritt?

Um einen Finanzplan und damit den Finanzierungsbedarf zu ermitteln ist es notwendig, die Anschaffungskosten der Waren und Gegenstände zusammenzutragen. Sie holen sich also von verschiedenen Firmen, Herstellern und Lieferanten Kostenvoranschläge zu den Ausstattungsgegenständen sowie dem Warenbestand Ihrer neuen Firma. Aufgrund dieser Angebote erhalten Sie zunächst einen ersten Überblick zum Investitionsvolumen der Unternehmung. Wählen Sie mit Ihrem Sach- und Fachverstand nicht die günstigsten sondern die besten Angebote aus, denn nicht immer ist das Günstigste auch das Beste für Ihre Existenzgründung. Bedienen Sie sich dabei der Hilfe des Internets und lesen Sie Produktempfehlungen und Kundenrezessionen. In einigen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, einen Prüfbericht der Stiftung Warentest zu kaufen und danach eine Kaufentscheidung abzuleiten.

Das Ergebnis der Prüferei

Sie erhalten eine Auswahl von Anbietern, welche Ihnen bei der Erstausstattung Ihrer neuen Onlinefirma zur Seite stehen. Ganz nebenbei haben Sie von jedem dieser Firmen auch einen schriftlichen Kostenvoranschlag erhalten, worauf Sie sich im späteren Verlauf stützen und berufen können.

Ermittlung des gesamten Kapitalbedarf

Nun können Sie diese Angebote zusammenrechnen und erhalten den Kapitalbedarf Ihrer Existenzgründung. Der Kapitalbedarf setzt sich also aus allen Ausgaben zusammen, welche im Rahmen ihrer Existenzgründung entstehen. Dazu gehören vor allem die Erstausstattung des Lagers mit Ware. Dazu sei nur so viel gesagt, ein Lager ist betriebswirtschaftlich gesehen immer ein Kostenfaktor, der für die Firma zusätzlichen Aufwand darstellt. Folglich kann man sagen: „Je größer das Lager desto höher die Verkaufspreise.“ Auf ein Lager ganz zu verzichten wäre allerdings auch falsch, da somit keinerlei Handlungsspielraum bei der Abwicklung der Bestellungen gegeben ist. Und genau das ist im Onlinebereich einer der entscheidendsten Faktoren. Der Kunde darf gar nicht merken, dass er online bestellt hat. Die Auslieferung muss also rasend schnell gehen, keine langen Wartezeiten oder Lieferzeiten. Daher ist ein Lager notwendig. Zum Kapitalbedarf gehören auch alle anderen Ausstattungsgegenstände der Firma, Personalkosten und auch die anfänglich fehlende Liquidität auf demGeschäftskonto. Also stets etwas Sicherheit und Puffer in Form von Geld einplanen. So rutschet Ihr Geschäftskonto nicht mit der ersten Bezahlung von Rechnungen ins Minus. Das verhindert die teureren Dispo- oder Kontokorrentzinsen und Gebühren der Bank. Zum Kapitalbedarf sollten auch die privaten monatlichen Verbindlichkeiten, wie Miete, Heizung oder private Versicherungen gerechnet werden. Erst dann ist der Kapitalbedarf des Existenzgründers vollständig.

Erstellung der Finanzierungsplanung

Nachdem Sie nun wissen, was Ihre Existenzgründung kostet, müssen Sie darlegen, wo Sie das notwendige Geld für all die Anschaffungen und Ausgaben her nehmen. Und genau das geschieht über die Finanzierungsplanung. In diese Planung werden private Geldgeber, wie Freunde, Verwandte, Bekannte, Eltern oder die eignen Ersparnisse aufgenommen. Aber auch fremde Geldgeber, wie Banken oder beteiligte Unternehmen sind zu erfassen. Am Ende der Aufstellung muss der Finanzierungsbetrag mindestens so hoch sein, wie der zuvor ermittelte Kapitalbedarf. Besser noch, es entsteht ein Finanzierungsüberschuss, dann sind Sie auf der sicheren Seite und erleben nach dem Kauf von Kopierer & Co. keine bösen Überraschungen.

Zu der Finanzierung des Onlinehandels können selbstverständlich auch öffentliche Gelder, Zuschüsse oder Existenzgründerdarlehen genutzt werden. Auch diese Mittel müssen in der Finanzierungsplanung auftauchen. Zum Thema Fördermittel konnten Sie im vorhergehenden Teil einige Hinweise und Informationen lesen.

Musterbeispiel zum Finanzplan in EUR

Kapitalbedarf

Betrieblicher Kapitalbedarf
Summe

Privater Kapitalbedarf
Summe

Summe Kapitalbedarf

Finanzierung

Eigenkapital
    Bereits vorhandene Ausstattung
    Bargeld
    Sparkonto/Bausparkonto
Summe Eigenkapital

Privates Darlehen
Fördermittel/Förderkredit
Fremdkapital der Bank

Summe

Überdeckung Finanzierung

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