Der Morphologische Kasten als Problemlöser

Eine Möglichkeit, um ein neues Produkt oder Projekt umzusetzen, besteht im Morphologischen Kasten mittels der morphologischen Analyse. Diese Variante unterstützt vor allen Dingen das rationale Denken, das insbesondere Ingenieure und Techniker in Unternehmen bevorzugen. Der Begriff „Kasten“ ist jedoch etwas irreführend, da man sich darunter im Allgemeinen etwas Dreidimensionales vorstellt. Anders sieht es dagegen bei der tatsächlichen Anwendung aus, denn der Morphologische Kasten ist eher eine zweidimensionale Lösung, eine Art Tabelle.

Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Er eignet sich insbesondere dann, wenn neue Produkte oder Produktvariationen entwickelt werden sollen, aber auch, wenn es gilt, neue technische Verfahren zu entwickeln. Da diese Aufgaben sehr komplex sind, ist es wichtig, erst einmal etwas Ordnung in die einzelnen Schritte zu bringen. Hier setzt der Morphologische Kasten an, der von dem Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky entwickelt wurde.

Aufbau des Morphologischen Kastens

Wie bereits erwähnt, ist der Morphologische Kasten als zweidimensionales Tableau aufgebaut, das aus einer X- und einer Y-Achse besteht, ähnlich einer Tabelle. Die X-Achse stellt zeitgleich eine Art Vorspalte dar, in der die Gestaltungselemente oder die Merkmale eines Problems dargestellt werden. Auf der Y-Achse werden dann verschiedene Ausführungsmöglichkeiten oder Ausprägungen dargestellt.

Das Ziel des Morphologischen Kastens besteht nun darin, auf der Y-Achse alle nur denkbaren Problemlösungen darzustellen und diese miteinander zu kombinieren, sofern möglich. Dadurch ergibt sich ein optimales Ergebnis, da verschiedene Ansätze miteinander kombiniert wurden.

Beginn der Problemlösung

Wie sich bereits beim Aufbau des Morphologischen Kastens zeigt, beginnt die Arbeit mit der klaren Definition eines Problems, welches in die Vorspalte eingetragen wird. Das Problem muss hier jedoch bereits in verschiedene Einzelprobleme aufgegliedert werden, um auf der Y-Achse die entsprechenden Lösungsmöglichkeiten für die Einzelprobleme darstellen zu können.

Danach werden die Parameter festgelegt, die die Einzelprobleme beschreiben, und an dieser Stelle beginnt die Schwierigkeit beim Morphologischen Kasten. Denn diese Parameter müssen unabhängig voneinander sein. Das bedeutet, dass sie möglichst allgemeingültig sein müssen, um so verschiedene Kombinationsmöglichkeiten zu erhalten.

Sinnvoll, um unabhängige Parameter zu erhalten, ist die Struktur-Funktions-Analyse. Je mehr unabhängige Eigenschaften bereits in der Vorspalte aufgeführt werden, umso mehr Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich auch.

Erst dann kann die eigentliche Problemlösung angegangen werden, für die verschiedene Ausführungen gesucht werden. Dabei sollte keine der Ideen vorschnell kritisiert werden. Denn oftmals sind Einzellösungen für ein Problem nicht unbedingt das Optimum, durch die Vielzahl der einzelnen Lösungen ergibt sich jedoch in Kombination eine praktikable und sinnvolle Lösung. An erster Stelle steht also die Ideensammlung, wie ein Problem gelöst werden kann.

Danach erst folgt die Auswertung der möglichen Kombinationen, aus denen dann die Kombination ausgewählt wird, die einerseits praktikabel, andererseits auch für das spezifische Problem sinnvoll ist.

Umsetzung immer in kleinen Gruppen

Um wirklich sinnvolle Ergebnisse mit dem Morphologischen Kasten zu erhalten, muss die Umsetzung in möglichst kleinen Gruppen erfolgen. Maximal zwei bis drei Teilnehmer sollten eine Gruppe bilden. Dabei ist zu beachten, dass die Teilnehmer das fachliche Know-how in der Problemstellung besitzen, aber genauso, dass sie schon einige Male mit dem Morphologischen Kasten gearbeitet haben. Die korrekte Anwendung dieses Systems zur Ideenfindung bedarf schließlich einiger Übung.

Wichtig bei der Anwendung des Morphologischen Kastens ist es vor allem, dass das Problem ausreichend beleuchtet wurde, um entsprechende Lösungen zu erhalten. Klar ist jedoch ebenso, dass entweder die kreative Ader auf der Strecke bleibt oder sich die Gruppen scheuen, sehr viele verschiedene Lösungsvarianten in Betracht zu ziehen. In einigen Fällen sind die Ergebnisse deshalb nur mittelmäßig. Die Teilnehmer sind jedoch dennoch oftmals zufrieden, weil keine radikalen Veränderungen stattfinden müssen. Trotzdem sollte versucht werden, möglichst viele unterschiedliche Ansätze zu finden, um so das Optimum herauszuholen.
 



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