Kommunikation in Krisenzeiten

Frühwarnsysteme diverser Art sollen helfen, Unternehmer rechtzeitig auf Krisenherde aufmerksam zu machen, damit im Fall der Fälle schnell reagiert werden kann - am besten bereits bei strategischen Fehlern. Sie stellen die erste Stufe dar und lassen noch genügend Zeit für die Erstellung von Maßnahmen und deren Umsetzung. Geht es um Erträge und Erfolge, wird es bereits kritischer, die Reaktion wird tiefer greifen und muss schneller vorgenommen werden. Befinden Sie sich bereits in einer Existenzkrise, geht es ums Ganze und meist nur noch um die Finanzen. Doch brauchen Sie auch ein neues Geschäftsmodell oder innovative Ideen, um Banken und Versicherungen zu überzeugen, dass Kredite, Stundungen und Nachlässe Ihnen wieder auf die Beine helfen werden.Insgesamt ist es daher immer gut, nicht nur auf die eigenen Überlegungen und reine Statistiken zu setzen, sondern sich Menschen - Mitarbeiter und andere Unternehmer - ins Boot zu holen. Über die Möglichkeit der Frühwarnsysteme lesen Sie hier ausführlich nach: ...

Jammern ist der falsche Weg

Ist die Krise eingetreten, geht es darum, wem Sie wie viel und welche Details erzählen. Eine sinnvolle Kommunikation läuft unter den drei Regeln Echtzeit, Offenheit und Wahrheit ab. Manchmal kann ein wenig Jammern helfen, um beispielsweise einen Geschäftspartner zu günstigeren Konditionen oder die Mitarbeiter zu Lohnverzichten zu bewegen; doch insgesamt fahren Sie damit nicht gut, denn wer Jammern zur Taktik erhebt (wie es auch vorkommt), hat einen nur mäßig respektablen Ruf. Jammern können Sie sich nur leisten, so widersinnig das auch scheint, wenn Sie fest im Sattel sitzen und jedermann Sie braucht und Ihre Produkte oder Dienstleistungen haben will. Ist die Krise da, müssen manchmal harte, vor allem aber klare Entscheidungen her. Das Jammern verstellt Ihnen selbst den Blick auf das Wesentliche, es kostet unnötige Energie.Das heißt, Sie müssen jetzt festlegen, wie Sie die Krise kommunizieren. Reden Sie unbedingt wahr, zeitnah und offen, aber weder zu viel noch zu wenig: Jeder bekommt genau die Informationen, die er oder sie für die Zukunft braucht. Ihr Vorgehen hängt natürlich von dem Grad der Krise ab (Grad I bis III; siehe auch das Modell der Früherkennungstreppe) sowie von Ihrem Gegenüber.

Grad I: Strategiekrise

Sie reden vor allem mit engen Mitstreitern. Noch ist alles recht einfach, es muss kein Drama um Veränderungen gemacht werden. Lieferanten, Geschäftspartnern und selbst etlichen Mitarbeitern kann offen und kreativ eine relativ sanfte Veränderung bekannt gegeben werden. Es ist meist recht einfach, Haus und Umfeld dafür zu begeistern. In Sachen Zielgruppe wird eine neue Werbestrategie gefahren, der Öffentlichkeit werden die Neuerungen nur präsentiert, aber nicht unbedingt genauer erklärt.

  • Geht es um die Zukunftsvision für Ihr Unternehmen, sind Sie selbst sowie eventuelle Mitinhaber gefragt. Sie sind als GmbH-Geschäftsführer sogar gesetzlich verpflichtet, sich um den Weg und die wirtschaftliche Absicherung der Gemeinschaft zu kümmern. Hier stellen sich Fragen wie: Wo wollen wir in einem Jahr und in fünf Jahren stehen? Stimmt die Strategie nicht, muss eventuell das ursprüngliche Fernziel korrigiert werden.
  • Zum Thema Produkte müssen Sie sich fragen, ob die Qualität der Materialien und deren Verarbeitung stimmen, ob Ihre Preispolitik die richtige ist und wann Sie welche neuen Produkte anbieten möchten. Wo liegt das Alleinstellungsmerkmal, wodurch heben Sie sich von der Konkurrenz ab? Warum sollte jemand Ihr Produkt kaufen wollen?
  • Eng damit verknüpft ist der Blick auf die Kunden. Vielleicht bewerben Sie die falsche oder eine zu große Zielgruppe. Regionale, geschlechtliche, religiöse, alters- und bildungsmäßige sowie soziale Faktoren geben den Ausschlag, wer für Ihre Angebote infrage kommt. Kundengruppen ändern sich rasch, demografische und digitale Einflüsse sind nur zwei Beispiele für Umstände, die zu Veränderungen führen. Bleiben Sie dran! Sie brauchen neue oder veränderte Produkte, um weiterhin Umsatz zu machen. Ihre Marketingstrategie muss angepasst, Ihre Werbung aufgefrischt werden. Das ergeht erfolgreichen Häusern nicht anders, sie reagieren nur rechtzeitiger und marktkonform. Das muss auch Ihr Ziel sein.

Grad II: Erfolgskrise

  • Neben Mitinhabern müssen Sie mit Führungskräften und der Buchhaltung reden. Statistiken müssen erneut überprüft werden, damit Sie mit gesicherten Ergebnissen arbeiten können.
  • Führende Mitarbeiter müssen befragt und angewiesen werden, wie es weitergehen soll. Strategien werden am besten gemeinsam entwickelt.
  • Sie reden mit dem Steuerbüro, eventuell für Kurzkredite auch mit den Banken. Diese wollen dann allerdings auch erfolgversprechende Konzepte hören.
  • Bestellen Sie überflüssige Kostenverursacher ab, ob Abos oder Dienstleistungen. Hier müssen Sie nichts weiter erklären.
  • Vielleicht müssen Sie Zusatzleistungen wie Essensgeld kürzen, zumindest vorübergehend. Eine offene Kommunikation ist die beste Lösung, denn Mitarbeiter, die Bescheid wissen, hetzen nicht, sondern arbeiten für den kommenden Erfolg. Es geht nach offiziellen Untersuchungen viel Arbeitszeit mit internen Diskussionen verloren, wenn Mitarbeiter verunsichert sind. Dies vermeiden Sie, indem Sie in einer großen Runde den Ist-Zustand und Ihre (kompetente) Lösung vorstellen. Stellen Sie die Gemeinschaft heraus, sagen Sie deutlich, dass harte Arbeitstage vor Ihnen allen liegen. Animieren Sie die Mitarbeiter dazu, eigene Ideen vorzuschlagen - nur sinnvoll ausgearbeitete, versteht sich. Sie haben schließlich keine Zeit zu verschenken.

Grad III: Existenzkrise

  • Sie stehen am Abgrund und haben kein Konzept? Dann reden Sie zunächst mit den Menschen, die Ihnen am ehesten helfen können: Finanzgeber wie Ihre Banken, Coaches und Ratgeber wie Steuerbüro, Kammern, Betriebsberater und vertrauensvolle Freunde, die selbst Unternehmer sind.
  • Überlegen Sie, ob Ihr Unternehmen überhaupt noch zu retten ist. Wenn ja, erarbeiten Sie einen Plan und stellen ihn den Mitarbeitern vor - parallel dazu müssen Sie eventuell einschneidende Maßnahmen wie Teilverkäufe des Hauses, Stellenabbau, Produkteinschränkung, einen Umzug oder ähnliche Maßnahmen klar verständlich kommunizieren.
  • Wenn Sie in Insolvenz gehen und/oder schließen und/oder komplett verkaufen, verzichten Sie auf umständlich lange Erklärungen. Sie können kurz sagen, dass Ihr Plan schiefgegangen ist, dann erläutern Sie die Notfallmaßnahmen. Die Mitarbeiter sollten rechtzeitig informiert werden, da sie sich neue Jobs suchen müssen, auch brauchen Sie einen Sozialplan.
  • Mit Lieferanten und anderen Geschäftspartnern müssen Sie gegebenenfalls Stundungen, Ratenzahlungen und andere Regelungen vereinbaren; laufende Produktionen müssen eventuell gestoppt werden.
  • Ihren Kunden erzählen Sie normalerweise zuletzt davon, dass Ihr Haus schließt. Sorgen Sie dafür, dass möglichst viele offene Rechnungen noch an Sie bezahlt werden.
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