Korruption als Hemmnis für eine Existenzgründung in Vietnam

Vietnam ist ein wirtschaftlich aufstrebendes Land in Asien. Umso interessanter wird Vietnam auch für die Existenzgründung Deutscher im Ausland. Während die Zahl der in Vietnam lebenden Ausländer derzeit noch gering ist, wird sie laut Prognose in den nächsten Jahren erheblich steigen.

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

Neben Spezialisten für staatliche Institutionen und Non Government Organizations sind derzeit besonders Angestellte ausländischer Konzerne in Vietnam vertreten. Doch auch die Selbständigkeit wird in Vietnam mehr und mehr interessant. Ausländer sind als Investoren in Vietnam generell gerne gesehen.

Selbständigkeit in Vietnam ist möglich

Die Selbständigkeit von Deutschen in Vietnam ist möglich. Seit Doi Moi, der wirtschaftlichen Erneuerung, hat sich Vietnam verpflichtet, ausländische Firmen und Arbeitgeber willkommen zu heißen und bei der Existenzgründung zu unterstützen. Vietnam benötigt ausländisches Kapital und vor allem Wissen. Viele Länder in Asien sind deswegen an Deutschen interessiert. Selbständigkeit in Vietnam ist jedenfalls möglich, aber mit ungeheurem Zeit- und Nervenaufwand verbunden. Theoretisch kann jeder sich selbständig machen, allerdings schützt die vietnamesische Regierung den heimischen Markt. Es muss ersichtlich sein, dass die Gründung wirtschaftlich für Vietnam relevant ist und gleichzeitig Vietnamesen keine Arbeitsplätze verloren gehen. 

Eintragung in der zuständigen Provinz

Die Eintragung erfolgt beim Department for Planning and Invest der jeweiligen Provinz. Notwendig ist ein Businesslan und ein Finanzplan. Als Gründungskapital sind 50 000 – 100 000 US-Dollar vorgesehen, je nach Schätzung des jeweiligen Amtes. Hinzu kommen weitere Gebühren für das Immigration Bureau. Alle Papiere müssen in Vietnamesisch vorgelegt werden. Insofern man kein Vietnamesisch spricht, ist auch ein Dolmetscher zu beauftragen. Selbständigkeit ist noch kein Alltag in Vietnam und die vietnamesischen Behörden reagieren sehr restriktiv bei der Selbständigkeit von Ausländern. Die meisten derzeit in Vietnam lebenden Ausländer haben weder Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis noch eine Firmenlizenz. Nachdem die ersten Hürden überwunden wurden, müssen nun weitere Papiere erbracht werden. Der erste und wichtigste Schritt ist das Einholen einer Investlizenz, die das ganze Unternehmen erst ermöglicht. Danach sind Satzung und polizeiliches Führungszeugnis sowie Steuerunbedenklichkeit im Heimatland nachzuweisen.

Realität in Vietnam

Selbständigkeit in Vietnam ist kein sehr lukratives Unternehmen. Das massive Mauern der Behörden, die enorme Bürokratie und die hohe Korruption durch Beamte und Polizei erschweren wirtschaftliche Aktivitäten und ersticken jeden Gewinn im Keim. Hinzu kommt, dass es für Existenzgründer aus dem Ausland kaum lukrative Sparten gibt. Lediglich der Tourismus-Sektor und die Wirtschaftsberatung ließen sich anführen. Der rechtliche Schutz ist mangelhaft bis kaum existent – bei juristischen Problemen unterliegen Existenzgründer in den meisten Fällen. Der vietnamesische Lohnsektor ist sehr niedrig. Dienstleistungen von Ausländer kann sich ein Vietnamese überhaupt nicht leisten. Der Mindestlohn liegt derzeit bei 1,2 Millionen Dong (ca. 45 Euro). Viele Vietnamesen verdienen real sogar weniger. Mit hohen Einnahmen oder gar Gewinnen ist bei dieser Lohnkapazität kaum zu rechnen. Dies macht das Überleben als Selbständiger sehr gefährlich.

Wirtschaftsaussichten Vietnam 

Die Wirtschaftsaussichten für Vietnam sind in den nächsten Jahren nicht mehr so gut wie in den letzten zehn Jahren. Eine Abschwächung des Wachstums, ein Sinken der Touristenzahlen sowie auch der Investitionen schwächt die vietnamesische Wirtschaft. Vietnam wird ein Billiglohnland bleiben und auch die Abschottung gegenüber Ausländern wird sich nicht lockern. Einmal in Vietnam getätigte Investitionen sind verloren – und können bestenfalls in Deutschland abgeschrieben werden.

Selbständigkeit in Vietnam lohnt sich derzeit aufgrund der rechtlichen Lage und auch der wirtschaftlichen Situation nicht.

Und es wird sich daran auch in den nächsten Jahren nichts ändern. „Doing Business“ in Vietnam ist für Ausländer sehr schwierig. Besonders die Kommunikationsschwierigkeiten, aber auch Behördenwillkür und die hohe Korruption in diesem Land haben bereits viele im Ausland scheitern oder verzweifeln lassen. Hinzu kommt ein ungenügender rechtlicher Schutz, der Ausländer gegen Unwägbarkeiten des vietnamesischen Alltags kaum absichert. Existenzgründung in Vietnam ist derzeit noch ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.



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