Am von Ruben in Urteile geschrieben und am 10.10.2019 um 17:19 aktualisiert
Online Händler

Sofortkauf statt Auktion: eBay Händler kann zurücktreten

Wurde bei einem eBay Handel versehentlich der Sofortkauf mit einem Euro aktiviert anstatt eine Online Auktion mit Startgebot 1 Euro, so kann der eBay Händler den Kaufvertrag wirksam anfechten. Selbst wenn bereits ein Kunde den Kauf getätigt hat. Das Amtsgericht München entschied, dass der Händler keinesfalls Schadenersatz leisten muss.

Irrtum beim eBay Verkauf
Mal ehrlich: Was für ein Mensch muss man sein, um hier den eBay Händler zu verklagen?
© KlausHausmann / pixabay.com

München, 01. Februar 2018 - Ein erfahrener eBay Händler stellte über die Plattform einen Koffer zum Kauf ein. Der Neuwert lag nach seinen Angaben zwischen 300 und 700 Euro. Geplant war, den Koffer im Rahmen einer Auktion zu versteigern. Das Startgebot sollte bei einem Euro liegen. Doch anstatt eine Auktion zu starten, bot er den Koffer versehentlich zum Sofortkauf von einem Euro an. Ein Nutzer sah das Angebot und nahm es an.

Der Online Händler meldete sich unmittelbar per Mail beim Käufer und entschuldigte sich bei ihm, dass es sich um ein Versehen handelte und erklärte ihm die Situation. Der Nutzer trat vom Kaufvertrag zurück und verklagte den Händler auf Schadenersatz.

Richter geben Händler Recht

Die Richter des Amtsgericht München gaben letztlich dem Online Unternehmer Recht. Sie erklärten, dass der Händler den Kaufvertrag wirksam angefochten hatte. Die E-Mail die er dem Kläger schickte sowie seine Erklärung klangen glaubwürdig. Zudem überzeugte sich das Gericht, dass die Buttons auf eBay tatsächlich so angeordnet sind, dass eine Verwechslung zustande kommen kann. Vor allem, wenn der Händler für einen Moment abgelenkt ist.

Zudem verändert eBay regelmäßig die Anordnung der Buttons und die Optik der Seite, sodass selbst erfahrene Online Händler den Überblick verlieren und sich mal irren können.

Richtige juristische Terminologie nicht erforderlich

Einen weiteren wichtigen Grundsatz erklärten die Richter, indem sie urteilten, dass das auch dann gültig sei, wenn der Händler nicht die exakten juristischen Begriffe benutze. Dieser hatte in seiner E-Mail von “Fehler” anstatt einem “Irrtum” gesprochen und von einer “Annulation” statt “anfechten”. Doch die Erklärung des Händlers ist einleuchtend und nachvollziehbar. Das Berufungsgericht lehnte eine Berufung des Klägers ab.

Dennoch hätte dem Händler eine gute Rechtsberatung sicherlich auch nicht geschadet.

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