Am von Torsten in Urteile geschrieben und am 13.07.2020 um 10:08 aktualisiert
eBay-Verkäufe

Private eBay-Verkäuferin wehrt sich gegen Einstufung als gewerbliche Händlerin

Eine Sammlerin erzielte über 5 Jahre hinweg Einnahmen von ungefähr 370.000€ durch den Verkauf von Gegenständen bei eBay – aus Sicht des Finanzamts gewerbliche Einkünfte. Auch das Finanzgericht Hessen teilt diese Auffassung und begründet die Entscheidung damit, dass die Sammlerin als gewerbliche Händlerin auftrat und Gewinnerzielungsabsichten verfolgte.

Eine Computertastatur eines Notebooks, auf deren Eingabetaste ein Warenkorb abgebildet ist
Mit welchen Gegenständen die Sammlerin wohl gehandelt hat, um auf solche Beträge zu kommen?
© athree23 / pixabay.com

Hessen, 19. August 2019 – Die Sammlerin hatte auf Ebay im Zeitraum von 2009 bis 2013 durch circa 3000 Auktionen den oben genannten Betrag eingenommen. Aufgrund dieser Zahlen ging das Finanzamt davon aus, dass es sich bei den Verkäufen um eine nachhaltige Tätigkeit handelte und die Sammlerin eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgte. Deshalb erließ das Finanzamt Einkommen- und Umsatzsteuerbescheide ebenso wie Gewerbesteuermessbeträge. Außerdem ging das Finanzamt von Betriebsausgaben von 30% der Betriebseinnahmen aus, da die eBay-Nutzerin keine Gewinnermittlungen vorlegen konnte. Gegen diese Entscheidung reichte die Verkäuferin Klage ein.

Hinweis: Anfang des Jahres berichteten wir bereits über einen ähnlichen Fall, bei dem es um die Frage ging, ob der Verkäufer einer gebrauchten Uhr als Gewerbetreibender zählt.

Finanzgericht Hessen stuft die Verkäufe ebenfalls als gewerblich ein

Zur Entscheidung im Fall der Sammlerin zog das zuständige Finanzgericht in Hessen unter anderem Kriterien wie die Intensität der Tätigkeit, die Höhe der Einnahmen, das planmäßige Handeln und die Warenvielfalt im Angebot der Sammlerin heran. Als nicht entscheidend sah das Gericht den Fakt an, dass die Sammlerin ausschließlich im Internet verkaufte und kein Ladenlokal führte. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Entscheidung des Finanzamts korrekt war, weil die Sammlerin tatsächlich Gewinnerzielungsabsichten verfolgte und wie eine gewerbliche Händlerin am Markt auftrat. Im Gegensatz zum Finanzamt rechnete das Finanzgericht jedoch mit einem Ausgabenanteil von 60% der Einnahmen.

Sammlerin legt Revision beim Bundesfinanzhof ein

Mit dieser Entscheidung wollte sich die eBay-Verkäuferin nicht zufrieden geben und legte Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) ein. Die Entscheidung des BFH steht noch aus. Eine klare Entscheidung des Bundesfinanzhofs könnte in jedem Fall mehr Klarheit in die steuerliche Behandlung von eBay-Verkäufen bringen.

Finanzgericht Hessen, Urteil vom 19. Juli 2019, Aktenzeichen: 2 K 1835/16
Bundesfinanzhof, Aktenzeichen X R 26/18 (anhängig)

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