Am von Torsten in Urteile geschrieben und am 29.08.2017 um 08:22 aktualisiert
Häusliches Arbeitszimmer

Mehrere Arbeitszimmer: Höchstbetrag nur einmal absetzbar

Wer mehr als ein häusliches Arbeitszimmer nutzt, kann den Maximalbetrag von 1.250 Euro für die Betriebskosten nur einmal von der Steuer absetzen. Das geht aus einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs hervor, in der die Münchner Richter festhalten, dass die Abzugsbegrenzung personen- und nicht objektbezogen ist.

Unternehmer im häuslichen Arbeitszimmer
Der Höchstbetrag für's häusliche Arbeitszimmer ist personenbezogen.
© StockSnap / pixabay.com

München, 28. August 2017 – Neben seinem Anstellungsverhältnis als Dozent betätigte sich der Kläger selbstständig als Vortragsredner und Seminarleiter. Da er sowohl in West- als auch in Ostdeutschland tätig war, unterhielt er zwei verschiedene Wohnungen, in denen er je ein Arbeitszimmer zu Vorbereitungszwecken nutzte. Für das Arbeitszimmer im Westen machte er bei der Steuererklärung einen Betriebskostenabzug von 1.783 Euro geltend, für das andere Arbeitszimmer im Osten setzte er 791 Euro ab.

Das Finanzamt ließ lediglich den ersten Abzug zu und beschränkte ihn auf den gesetzlichen Höchstbetrag. Damit war der Kläger nicht einverstanden. Nach erfolglosem Einspruch klagte er auf Anerkennung des Abzugs für sein Arbeitszimmer im Osten. Sowohl das Finanzgericht Rheinland-Pfalz als auch der Bundesfinanzhof lehnten sein Begehren ab.

Abzug für Arbeitszimmerkosten auf 1.250 Euro begrenzt

§ 4 Abs. 5 Nr. 6b des Einkommensteuergesetzes (EStG) verbietet im Grundsatz den Abzug der Betriebskosten für ein häusliches Arbeitszimmer. Die Vorschrift macht allerdings eine Ausnahme, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist. In diesem Fall lässt sich der gesamte Aufwand von der Steuer absetzen, sofern das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist. Ansonsten ist der Betriebskostenabzug auf 1.250 Euro begrenzt.

Maximalbetrag personenbezogen, nicht objektbezogen

Die Arbeitszimmer des Klägers waren unbestrittenermaßen nicht Mittelpunkt seiner Vortrags- und Seminartätigkeit. Zu klären war, ob der Höchstbetrag von 1.250 Euro pro Steuerpflichtigen oder pro genutztes Arbeitszimmer gilt. Der Bundesfinanzhof hat sich für die erste Variante entschieden. Das Gericht ist zwar der Meinung, die Abzugsmöglichkeit beschränke sich nicht auf ein einziges häusliches Arbeitszimmer. Wenn das Gesetz verlange, dass kein anderer Arbeitsplatz vorhanden sei, meine es einen außerhäuslichen Arbeitsplatz.

Der abziehbare Betriebsaufwand darf jedoch, so die Münchner Richter, insgesamt den jährlichen Höchstbetrag von 1.250 Euro nicht überschreiten. Das Gesetz lege die Abzugsbegrenzung in typisierender Weise fest. Der maximale Abzug hänge folglich nicht von individuellen Besonderheiten wie der Zahl der genutzten Arbeitszimmer ab. Nach bundesverfassungsgerichtlicher Rechtsprechung sei eine typisierende Begrenzung des Kostenabzugs für häusliche Arbeitszimmer zulässig, weil das Finanzamt deren tatsächliche Nutzung nicht überprüfen könne.

BFH, Urteil vom 09.05.2017, Az. VIII R 15/15

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