Am von Torsten in Urteile geschrieben und am 18.11.2019 um 14:41 aktualisiert
Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Häusliches Arbeitszimmer kann an Auftraggeber vermietet werden

Wer ein Zimmer vermietet, erzielt in der Regel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Handelt es sich jedoch beim Vermieter um einen Gewerbetreibenden, der an einen Auftraggeber vermietet, so werden die Einnahmen den Einkünften aus Gewerbebetrieb zugerechnet, urteilte das BFH. Das hat Folgen für die Absetzbarkeit der Ausgaben in Verbindung mit dem Zimmer. Diese sind dann nämlich nur noch eingeschränkt absetzbar.

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München, 01. Juni 2017 - Ein Ehepaar bewohnt gemeinsam ein Einfamilienhaus. Die Frau ist nebenbei als Selbstständige tätig und erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb indem sie für einen Professor Gutachten schreibt. Davon abgesehen, ist sie außerdem noch im Angestelltenverhältnis für diesen Professor tätig.

Das Ehepaar vermietete ein Arbeitszimmer an den Professor für zunächst 100 DM und später 100 Euro im Monat. Das vermietete Arbeitszimmer war jedoch nicht komplett räumlich abgetrennt vom privat genutzten Teil des Hauses. Die Eheleute machten innerhalb mehrerer Jahre negative Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung in Höhe von mehreren tausend Euro geltend. Diese kamen vorwiegend durch anteilige Afa (Abschreibungen), Schuldzinsen und Nebenkosten zustande. Das Finanzamt dagegen setzte die Mieteinnahmen als gewerbliche Einkünfte an und versagte den Abzug der Ausgaben.

BFH Urteil: Vermietung mit gewerblichem Charakter

Die Richter des Bundesfinanzhofs gaben dem Finanzamt Recht, wie Haufe in einem aktuellen Artikel berichtet. Die Einnahmen sind den gewerblichen Einkünften der Frau zuzurechnen - und nur der Frau. Zur Begründung hieß es, dass der Mietvertrag so eng mit dem Gewerbebetrieb verknüpft ist, dass der ohne dem Betrieb gar nicht denkbar wäre.

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Konkret heißt das: Würde die Frau nicht als Selbstständige für den Professor arbeiten, hätte sie das Arbeitszimmer in ihrem Haus nicht an ihn vermietet. Angenommen, der Professor würde jemand anders für seine Gutachten beauftragen, käme eine Vermietung nicht in Betracht. Daher kann die Vermietung zu recht als Teil der gewerblichen Tätigkeit gesehen werden (Urteil BFH vom 13. Dezember 2016, Aktenzeichen X R 18/12).

Abzugsverbot der Ausgaben aus mehreren Gründen

Des Weiteren versagten die Richter des BFH dem Abzug der Ausgaben als Betriebsausgaben. Dabei wurden gleich mehrere Gründe genannt. Zum Einen muss das häusliche Arbeitszimmer ganz klar vom privaten Teil des Hauses abgegrenzt sein. Dabei genügt es jedoch nicht, wenn die Abgrenzung nur angedeutet wird. Sie muss aus festen baulichen Elementen bestehen. Eine “spanische Wand” zum Beispiel würde nicht genügen. Doch daran fehlte es hier. Die Trennung von privater und gewerblicher Nutzung war nicht ausreichend gegeben.

Das zweite Argument ist vielleicht noch bedeutender. Ein Gewerbetreibender, der ein häusliches Arbeitszimmer an einen Auftraggeber vermietet kann nie die Ausgaben als Betriebsausgaben geltend machen. Hintergrund ist der: Der Gewerbetreibende darf nämlich schon für seine Betriebsstätte unbeschränkt Raumkosten als Betriebsausgaben ansetzen. Bei diesem häuslichen Arbeitszimmer handelte es sich aber nicht um eine Betriebsstätte. Diese Einkünfte unterliegen damit dem Abzugsverbot des § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG.

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