Am von Torsten in kurz notiert geschrieben und am 14.10.2019 um 18:32 aktualisiert
Zeitverschwendung

Wie die Arbeitsagentur mit der Zeit & dem Geld von Existenzgründern verfährt

Heute wollen wir Ihnen eine neue Arbeitsamt-Geschichte aus unserer langjährigen Erfahrung als Gründerberater heraus erzählen. Häufig unterstützen wir Existenzgründer dabei, einen Antrag auf die Weitergewährung des Gründungszuschusses zu stellen. Doch das ist nicht etwas so einfach, wie man meinen könnte.

Agentur für Arbeit
Wenn Sie Zeitverschwendung suchen, dann sind Sie bei der Agentur für Arbeit genau richtig.
© Matthias Bozek / pixelio.de

Erfurt, 01. November 2018 - Der erste Antrag auf die grundsätzliche Gewährung des Gründungszuschusses ist ja im Prinzip eine einfache Sache. Es werden die erforderlichen Unterlagen eingereicht, die notwendigen Zahlen nachgewiesen und schon ist der Antrag genehmigt – schließlich hatte der Gründer bisher einen Rechtsanspruch darauf (aktuelle Änderung, siehe Artikel „Der Gründungszuschuss wird zur Ermessensleistung").

Nicht so einfach ist es hingegen bei der Verlängerung des Gründungszuschusses – hierauf hat der Gründer nämlich keinen Rechtsanspruch. Die Weitergewährung ist rein optional und der Gründer ist im Endeffekt von der Willkür des Sachbearbeiters der Arbeitsagentur abhängig.

Nutzlose Unterlagen und Zeitverschwendung überall

Eine einheitliche Antragstellung kann man bei der Weitergewährung des Gründungszuschusses gepflegt vergessen, denn jeder Sachbearbeiter hat hier seine eigenen „Richtlinien“, wie der Antrag aussehen soll und vor allem, welche Unterlagen eingereicht werden müssen. So hatten wir beispielsweise schon Fälle, in denen Gründer unter anderem folgende Unterlagen vorlegen mussten:

  • einen Aufsatz über das Geschäft, welche Entwicklung der Gründer erwartet, geplante Werbe- und Marketingmaßnahmen usw.
  • Nachweise über geplante Werbemaßnahmen, z. B. Flyer, Visitenkarten, Briefpapier, die gedruckt wurden

Besonders der zweite Punkt ist sehr prekär, denn es gibt ja durchaus auch Unternehmer, die entweder a) gar nicht werben müssen, weil sie ohnehin genügend Arbeit haben, oder b) einfach nicht mit gedruckten Medien werben. Sie mussten diese Nachweise dennoch vorlegen können und mussten dementsprechend eigens für diesen Zweck Flyer oder Briefpapier drucken lassen. Wir finden: Einfach hirnrissig!

Auch diese Aufsätze sind höchst interessant. Die wenigsten Gründer sind in der Lage, einen solchen „Geschäftsbericht“ selbst aufzusetzen und müssen daher einen Teil des Geldes, das sie durch die Weitergewährung des Gründungszuschusses überhaupt bekommen würden, in einen teuren Berater investieren, der sie dabei unterstützt. Ob diese Berichte dann letzten Endes tatsächlich auch gelesen werden, lassen wir einmal lieber dahingestellt sein. Es scheint, als ginge es nur darum, die Gründer zu gängeln und zu schikanieren.

Vergangenheit? Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern…

Ein Gründer, der die Gewährung des Gründungszuschusses beantragen will, war ja bereits ein gutes dreiviertel Jahr selbstständig. Es liegen also bereits Erfahrungswerte vor, ob sich das Unternehmen tragen kann, ob die Preise richtig kalkuliert sind, ob sich genügend Kunden für das Angebot interessieren usw. Doch interessieren sich die meisten Sachbearbeiter überhaupt nicht für Erfahrungswerte. Sie fordern lieber wieder eine Rentabilitätsvorschau für die Zukunft an und lassen sich erneut in die Tasche lügen (siehe unser Artikel: „So fälschen Sie am besten Ihre Rentabilitätsvorschau“).

Selbst ist der Gründer

Übrigens: Nachtragen tut dem Gründer in diesem Fall niemand etwas. Die Sachbearbeiter der ARGE halten es meist nicht einmal für erforderlich, die Gründer darauf aufmerksam zu machen, dass es die Möglichkeit der Weitergewährung überhaupt gibt. Wenn ihm nicht zufällig das Formular über den Weg läuft (haha!), bemerkt er diese Möglichkeit wahrscheinlich gar nicht. Aber selbst wenn, ist es letzten Endes eine rein willkürliche Entscheidung, ob der Gründungszuschuss weitergewährt wird. Worauf soll man sich eigentlich noch verlassen können? Auf die Arbeitsagentur auf jeden Fall besser nicht!

Dazu passende Artikel:

vg wort pixel
gründungszuschuss einkommen

Gründungszuschuss: Ein hohes Einkommen darf nicht zur Ablehnung führen

Bezieher von Arbeitslosengeld I, die ein eigenes Unternehmen gründen möchten, können einen Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit beantragen. Dabei handelt es sich um eine Kann-Leistung. Der Gründer in spe hat kein Recht auf diese Leistung. Allerdings dürfen die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit die Anträge auch nicht aus jedem beliebigen Grund ablehnen. Auch für sie gelten Vorschriften.

Skelett vor dem Arbeitsamt

Gründungszuschuss vor dem Aus?

Bezieher von Arbeitslosengeld I, die sich selbstständig machen möchten, können einen Zuschuss vom Staat erhalten, den Gründungszuschuss. Die Bewilligung des Gründungszuschuss ist jedoch vom Arbeitsamt abhängig. Aktuelle Zahlen zeigen dramatisches: Steht der Gründungszuschuss vor dem Aus?

Hand liegt auf 5 Sternebewertungen

Das heiße Geschäft mit gekauften Google oder Amazon Bewertungen

Authentische Bewertungen von Nutzern bzw. Kunden bilden mittlerweile die Grundlage für den Kaufprozess. Wer bei Amazon zu einem Produkt überwiegend negatives Feedback findet, wird sich vermutlich nicht für das Angebot entscheiden. Genau das Gleiche gilt auch in die andere Richtung. Viele positive Bewertungen führen eher zum Kauf. Unsere Redaktion ist diese Woche auf Portale gestoßen, welche solche Google-Bewertungen gegen kleines Entgelt anbieten.

Text: Weiterbildung

Bildungspraxis bei der ARGE

Die meisten wissen vielleicht bereits, wie das Thema Weiterbildung bei der Arbeitsagentur gehändelt wird. Arbeitslose, die als nicht vermittelbar gelten, werden in Bildungsmaßnahmen bei Bildungsträgern gesteckt, die für sie kaum relevant sind. Wir vom Gründerlexikon waren früher für einige Bildungsträger als Dozenten tätig und haben dabei teilweise Schockierendes erlebt.

Kredite für Selbstständige in der Coronakrise

Günstigerprüfung: Onlinekredit oder KfW Kredit für Selbstständige in der Coronakrise

Die Coronakrise wird für so manchen Unternehmer auch nach der Lockerung des Shutdowns noch lange anhalten. Zwar gibt es Soforthilfen, jedoch sind diese nicht für jedes Unternehmen ausreichend und geeignet. Erst recht nicht, wenn die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt sind. Viele Selbstständige werden daher nicht umhinkommen, ein Darlehen aufzunehmen. Das Gründerlexikon hat daher in diesem Artikel den KfW-Schnellkredit dem konventionellen Online-Kredit gegenübergestellt.

Wer trägt Versandkosten beim Umtausch

94% aller Online-Händler übernehmen Versandkosten beim Umtausch

Wer online kauft und die bestellte Ware umtauschen möchte, hat dabei wesentlich mehr Rechte als ein Verbraucher, der direkt im Laden etwas kauft. Für Online-Händler spielt der After-Sales-Prozess, zum Beispiel in Form von Umtausch und Rückabwicklungen, eine wesentliche Rolle bei ihrer Unternehmensplanung. Eine Studie zeigt, was Online-Unternehmer ihren Kunden über das gesetzliche Widerrufsrecht hinaus gewähren.