Am von Torsten in Urteile geschrieben und am 29.08.2019 um 12:37 aktualisiert
Betriebsausgaben

Arbeitszimmer darf nicht der größte Raum der Wohnung sein

So manch ein Unternehmer macht es sich dann doch zu einfach. Der größte und angenehmste Raum, z.B. das Wohnzimmer, wird einfach als Arbeitszimmer deklariert und schon können die Kosten dafür als Betriebsausgabe angesetzt werden. Aber ganz so einfach ist das Ganze doch nicht. Wenn ein Selbstständiger dann nur 20 Tage im Jahr dort verbringt, muss sich ja regelrecht der Verdacht aufdrängen, dass es sich hier nicht nur um ein Arbeitszimmer handelt.

arbeitszimmer muss angemessen sein
© walshbro / pixabay.com

Karlsruhe, 23. Dezember 2016 - Ein Unternehmer hatte das größte und schönste Zimmer im Haus zu seinem Arbeitszimmer deklariert: 37qm² groß, Kachelofen mit umlaufender Bank, großer Tisch zur Bewirtung von vielen Gästen, Zugang zum Balkon und von dort eine wunderbare Aussicht. Und das Zimmer wurde betrieblich im ganzen Jahr an nur 20 Tagen für “Coaching-Sitzungen” genutzt. Das zuständige Finanzamt sah dieses Arbeitszimmer dann doch für völlig übertrieben an, wie steuertipps.de berichtet. Daher wurde der Betriebsausgabenabzug gestrichen. Die Beamten vermuteten eine nicht unerhebliche private Mitnutzung des Zimmers. Dieser Verdacht muss sich einem ja regelrecht aufdrängen. Denn schließlich eignet sich dieses “Arbeitszimmer” auch als Aufenthaltsraum im Winter oder eben als Wohnzimmer. Oder falls Besuch ansteht, dann wird dieses Zimmer sicherlich nicht für die Gäste “gesperrt” werden.

Arbeitsraum muss dem Arbeitsumfang angemessen sein

Der Unternehmer ging trotzdem vor Gericht. Das Finanzgericht bestätigte die Entscheidungsfindung des Finanzamtes. Der Unternehmer ließ das trotzdem nicht auf sich sitzen und ging vor den Bundesfinanzhof. Doch auch hier sahen die Richter kein Verhältnis zwischen Arbeitsumfang und Größe des Arbeitszimmers. Die Richter berücksichtigten dabei auch die Zeiten für Vor- bzw. Nachbereitung, Kundenakquise und anderes mit. Und da der Raum nur an 20 Tagen für die eigentliche Geschäftstätigkeit genutzt wurde, verbleibt eine private Nutzung von bis zu 300 Tagen im Jahr. Dieses Ausmaß und auch die Größe bzw. Ausstattung des Arbeitszimmers war dann auch für die Richter zu viel (BFH Urteil vom 22. März 2016 - Az. VIII R 24/12).

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