Am von Torsten in Buchführung und Steuererklärung geschrieben
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Spendenbescheinigungen

Umsatzsteuer bei Sachspende: Finanzamt zwingt Unternehmer zu spekulieren

Vor allem im Lebensmittelbereich gibt es Unternehmer, die Lebensmittel, welche kurz vor dem Verfallsdatum stehen, an gemeinnützige Organisationen spenden. Doch leider macht das Finanzamt solche Spenden nicht gerade einfach. Eine Verfügung der Oberfinanzdirektion Niedersachsen zwingt Unternehmer jetzt sogar zur Spekulation, wenn Sachspenden getätigt werden.

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© Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Hannover, 22. Juni 2016 - Auch Sachspenden, die ein Unternehmer tätigt, unterliegen der Umsatzsteuer. Interessant ist natürlich die Frage nach der Bemessungsgrundlage, das heißt, auf welcher Basis die Umsatzsteuer berechnet wird. Die Oberfinanzdirektion Niedersachen hat Ende 2015 eine Verfügung erlassen, dass die Bemessungsgrundlage nicht der Einkaufspreis bzw. die ursprünglichen Anschaffungskosten sind, schreibt der Bund der Steuerzahler im Heft "Steuerzahler" (Ausgabe 06/16 S. 123). Die Oberfinanzdirektion ist der Meinung, dass die Bemessungsgrundlage ab sofort der fiktive Einkaufspreis zum Zeitpunkt der Spende darstellt. Das gilt selbst für Gegenstände, die der Unternehmer selbst hergestellt hat, obwohl das ein eindeutiges Verlustgeschäft für ihn bedeutet.

Wie wird fiktiver Einkaufspreis berechnet?

Eine Frage bleibt offen: Wie wird der fiktive Einkaufspreis berechnet? Muss sich der Unternehmer einen Kostenvoranschlag geben lassen und diesen Preis als fiktiven Einkaufspreis nehmen? Wie soll er das denn in Zukunft zum Beispiel bei einer Steuerprüfung nachweisen, was damals der fiktive Einkaufspreis war? Soll es für alle denkbaren Waren eine Liste geben, ähnlich der Afa-Tabelle? Die Fragen bleiben bis heute unbeantwortet.

Unternehmer kann nur spekulieren

Unternehmer, die aus sozialen oder ethischen Gründen zum Beispiel Lebensmittel spenden möchten, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum näher rückt oder Frischwaren Mängel aufweisen, müssen dabei eine ganze Menge beachten. Der Unternehmer muss jetzt spekulieren, ob der Preis in Zukunft nach oben geht - dann müsste er für die Sachspende in Nachhinein noch mehr Umsatzsteuer zahlen. Oder ob der Preis nach unten tendiert - dann würde er weniger Umsatzsteuer zahlen müssen. Es ist schon fast wie an der Börse: Das Finanzamt zwingt Unternehmer zur Spekulation über zukünftige Preise.

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