Große Spannen beim Vergleich der Ausbildungsvergütungen

Das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts, eine Einrichtung der Hans-Böckler-Stiftung, hat im Jahr 2010 die Tarifverträge zu den Ausbildungsvergütungen in verschiedenen Berufssektoren unter die Lupe genommen. Nun wurden die Ergebnisse in Düsseldorf vorgestellt.

Insgesamt brachte die Studie zu Tage, dass es tatsächlich bundeseinheitliche Tarifverträge für bestimmte Ausbildungsberufe gibt. Daneben wurde jedoch deutlich, dass bei gewissen Sparten mittlere bis sogar hohe Diskrepanzen bestehen. Diese sind nicht nur berufsspezifisch definiert, sondern lassen auch ein West-Ost sowie ein Süd-Nord Gefälle erkennen.

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Berufssparten mit annähernder Bundeseinheitlichkeit

Von den regionalen Unterschieden bei den Ausbildungsvergütungen bleiben die Metall- und Elektroindustrie relativ unberührt. Die größte Diskrepanz wurde in diesen Feldern bei 78 Euro ermittelt. Am wenigsten verdienen Auszubildende dieser Zweige in Nordrhein-Westfalen mit 962 Euro. Geringfügig mehr wird es beim Spitzenreiter Baden-Württemberg, wo die Azubis 984 Euro im Monat bekommen.

Unwesentlich größer ist die Vergütungsdiskrepanz in der Chemieindustrie. Zwischen 853 Euro in Schleswig-Holstein und 934 Euro in Nordrhein-Westfalen liegen die Ausbildungsvergütungen. Die Differenz beträgt lediglich 81 Euro.

Die Spanne wird größer: Mittlere Vergütungsdiskrepanzen

Wenn von Ungerechtigkeit bei den Ausbildungsvergütungen die Rede ist, so können Einzel-, Groß- und Außenhandel sowie die Verarbeitungsindustrie von Holz und Kunststoff ansatzweise mitreden.

Denn als Auszubildender im zuletzt genannten Bereich stehen in Berlin und Brandenburg 186 Euro weniger auf dem monatlichen Gehaltszettel als in Baden-Württemberg, wo 799 Euro die Regel sind.

Nicht ganz so dramatisch verhält es sich beim Einzelhandel. Hamburg ist hier Vergütungsspitzenreiter und lässt sich seine Azubis 893 Euro im Monat kosten. In Mecklenburg-Vorpommern werden 171 Euro weniger gezahlt.

Auch im Groß- und Außenhandel bildet Mecklenburg-Vorpommern mit 681 Euro das Schlusslicht. Für die gleiche Ausbildung bekommt man in Hessen 850 Euro.

Vergütungsdiskrepanz par Excellence

Am erstaunlichsten erscheint bei der Studie des Tarifarchivs, dass innerhalb eines Berufszweigs tatsächlich regionale Vergütungsunterschiede von mehreren 100 Euro existieren.

So überrascht das Transport- und Verkehrsgewerbe mit wahrhaftigen 338 Euro Differenz, die zwischen Thüringen und Hamburg liegt.

Ein ähnliches Bild auch in der Gastronomie. Obwohl es sich bei beidem um touristische Hochburgen handelt, erhalten Auszubildende im Restaurant- oder Hotelgewerbe in Bayern 770 Euro, während auf den Ostseeinseln 507 Euro die Regel sind.

Bundeseinheit: Vorbildliche Regelungen

Als vorbildlich im Sinne der regionalen Gleichberechtigung konnte die Studie der Hans-Böckler-Stiftung einige Berufssparten entdecken, die an bundeseinheitliche Tarifverträge gebunden sind. Bei Banken und Versicherungen, Bahn, Post und Telekom sowie in der papierverarbeitenden Industrie ist es finanziell egal, an welchem Standort man seine Ausbildung absolviert.



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