Einstellung von Auszubildenden ohne Ausbildungsreife – Lösungsansätze

Die DIHK fragte tausende Unternehmen, wie sie auf die mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgängern reagieren würden. Das Schaubild zeigt die wichtigsten Reaktionsmöglichkeiten. Viele Unternehmen arbeiten mit gezielter Förderung durch Nachhilfeunterricht – betriebsintern und -extern. Auch ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagentur werden in Anspruch genommen.

Bild: DIHK

Nachhilfe-Angebote

Der betriebsinterne Unterricht bzw. Nachhilfe ist eine gute Möglichkeit, um die verschiedenen Auszubildendenindividuell zu fördern – individueller als es in öffentlichen oder staatlichen Förderprogrammen möglich wäre. Jeder Auszubildende kann sich während dieser Zeit mit dem Themenblock beschäftigen, der ihm am meisten Probleme bereitet. Der Unterricht kann sehr praxisorientiert gestaltet werden.

Nachhilfe-Angebote können aber auch von außen in Anspruch genommen werden. Man spricht dabei von „ausbildungsbegleitenden Hilfen“, die häufig von den Arbeitsagenturen oder gemeinnützigen Vereinen angeboten werden. Solche Förderprogramme finden Sie am leichtesten, indem Sie sich mit dem Ausbildungsberater der zuständige ARGE kurzschließen. Auch eine Nachfrage bei der zuständigen HWK oder IHK kann nützliche Adressen zustande bringen.

Alternative Ausbildungsberufe

Es gibt in einigen Branchen Ausbildungsberufe, die weniger umfangreich sind als andere. So gibt es beispielsweise im Bereich der Metallverarbeitung die 3,5-jährige Ausbildung zum Industriemechaniker sowie die 2-jährigen Ausbildungsberufe Maschinen- und Anlagenführer und Teilezurichter. Wenn Sie einen Bewerber haben, dem Sie die recht anspruchsvolle Berufsausbildung zum Industriemechaniker nicht zutrauen, können Sie ihm zunächst einen Ausbildungsplatz in einer 2-jährigen Ausbildung anbieten. Die Abschlussprüfung ist wesentlich leichter und der Auszubildende kann einen Abschluss erreichen. Wenn er hier entsprechend gute Ergebnisse erzielt und den Wunsch verspürt, noch aufzusatteln, kann er die restlichen 1,5 Jahre der Ausbildung zum Industriemechaniker absolvieren und die Prüfung ablegen. Eine ähnliche Konstellation finden wir beispielsweise im Einzelhandel mit den Berufen Verkäufer (2 Jahre) und Kaufmann im Einzelhandel (3 Jahre) vor.

Durch solche Ausbildungsberufe bieten Sie jungen Leuten einerseits die Chance, eine Ausbildung mit anerkanntem Abschluss zu absolvieren, und sichern sich gleichermaßen Ihren Fachkräftenachwuchs von morgen.

Mentoren-/Paten-Programme

Sie können die Auszubildenden auch unterstützen, indem Sie ihnen Mentoren oder Paten an die Hand geben. Paten könnten beispielsweise die Auszubildenden im dritten Lehrjahr sein, die sich im Unternehmen schon auskennen. Sie haben nicht nur die Aufgabe, sie in das Unternehmen einzuführen und beispielsweise mittags mit ihnen in die Kantine zu gehen, sondern sind auch erster Ansprechpartner bei Problemen. Ein solches Vertrauensverhältnis kann einem vorzeitigen Abbruch einer Ausbildung vorbeugen.

Ausbildungsplätze unbesetzt lassen

Wenn Sie keine dieser Maßnahmen ergreifen möchten, aber auch den Stress mit etwas schwierigeren Auszubildenden vermeiden wollen, bleibt Ihnen fast nichts anderes übrig, als Ihre Ausbildungsplätze unbesetzt zu lassen. Doch ist dies wirklich des Rätsels Lösung? Wohl eher nicht. Dadurch bleiben nämlich nicht nur Ihre Kapazitäten in der Lehrwerkstatt ungenutzt. Ihnen fehlt auch die Arbeitskraft der Lehrlinge. Und zusätzlich sieht es dann mit dem Fachkräftenachwuchs von morgen schlecht aus.

Fazit

Sie müssen nicht warten, bis der Top-Kandidat schlechthin kommt – ergreifen Sie stattdessen lieber die Möglichkeit, sich Ihren Top-Kandidaten selbst nach Ihren eigenen Wünschen zu formen. Mit den angesprochenen Maßnahmen und einer guten Menschenkenntnis kann es Ihnen durchaus gelingen, aus einem kleinen Rohdiamanten einen fähigen und zuverlässigen Mitarbeiter zu „schleifen“.

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