Die Unternehmergesellschaft eine alternative zur Limited?

Vom Bundestag endlich beschlossen und doch nicht so, wie ursprünglich gedacht - Deutschland hat eine neue Rechtsform. Ehemals diskutierte man über die so genannte 10.000 Euro GmbH, also der kleinen Schwester derGesellschaft mit beschränkter Haftung.

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Statt einem Stammkapital von 25.000 EUR sollte der Gründer nur 10.000 EUR aufbringen müssen, um die Gesellschaft zu gründen. Seit der neuen Unternehmergesellschaft (UG) ist ganz und gar nur ein einziger Euro nötig. Auch die Gründungsmodalitäten, der Gründungsaufwand und die Gründungskosten sind sehr viel geringer als bei der „normalen“ GmbH. Durch erhebliche Vereinfachungen ist tatsächlich nur ein Euro notwendig, um das Stammkapital, was gleichzeitig auch das Haftungskapital der Gesellschaft darstellt, aufzubringen.

Beschränkte Haftung

Die Gesellschaft trägt als Rechtsformzusatz die Bezeichnung „UG (haftungsbeschränkt)“, woran der Fachmann schon ein erstes Problem erkennt, denn die Gesellschaft haftet nicht wie bisher mit mindestens 25.000 EUR sondern eben nur mit einem einzigen Euro. Da erkennt schnell jeder Gläubiger, dass es sehr viel risikoreicher ist, mit einer solchen Gesellschaft Geschäfte zu machen. Dem Gesellschafter, also dem Existenzgründer muss in dieser Situation klar sein, dass er selbst mit seinem Privatvermögen über die fehlende Haftung der Gesellschaft hinaus haftet muss.

Geteilte Meinungen in der Politik

Die einen reden von einem Imageschaden für Deutschland, andere begrüßen diesen Schritt, wieder andere befürchten durch die Unternehmergesellschaft einen Anstieg des Missbrauchs und steigender Betrugsfälle. Auch der Anstieg der Insolvenzfälle und der Firmenpleiten wird prognostiziert.

Niedrige Gründungskosten

Sehr vorteilig für Existenzgründer ist die niedrig angesetzte Hürde zur Gründung der Kapitalgesellschaft. Mit Gründungskosten von maximal 150 EUR kann der Gründer eine notarielle Beurkundung erhalten. Unternehmen mit nicht mehr als drei Gesellschaftern und einemGeschäftsführer können das Gründungsverfahren durch Verwendung eines vorgeschriebenen Musterprotokolls und einer Musteranmeldung beim zuständigen Handelsregister vereinfachen.

Gewinne werden einbehalten und angespart

Im Gegensatz zur GmbH müssen bei der UG Teile des erzielten Gewinns so lange einbehalten werden, bis ein Stammkapital von 25.000 EUR angespart wurde. So darf nur 75% des Gewinns an die Gesellschafter ausgeschüttet werden, die verbleibenden 25% werden zum Stammkapital von 25.000 EUR angespart. Ist dieses Ziel erreicht, kann die Unternehmergesellschaft in eine gewöhnliche GmbH umgewandelt werden.

Insolvenzvorschriften verschärft

Der Gesetzgeber verschärft mit den neuen Vorschriften zum Insolvenzrecht die Regelungen zum Liquidierung bzw. Auflösung der Gesellschaft. Damit soll auch der Missbrauch bei der Übernahme einer Gesellschaft eingedämmt werden. So dürfen künftig Straftäter keine Gesellschaft übernehmen. Die so genannten „Firmenbestattungen“ sollen durch die Reform des Insolvenzrechts verhindert werden. Bei der Firmenbestattung kann der Konkurs nicht durchgeführt werden, weil z.B. die Gesellschaft gar nicht mehr erreichbar ist.

Fazit

Damit stellt die Gründung einer Mini-GmbH, der Unternehmergesellschaft, eine echte Alternative zur Gründung einer englischen Limited dar, da nun auch in Deutschland mit einem sehr niedrigen Stammkapital und extrem einfachen und günstigen Gründungskosten eine Kapitalgesellschaft gegründet werden kann. Auch die Sprachbarrieren bei der Gründung einer Limited sowie die landestypischen Regelungen und Gesetze Großbritanniens entfallen nun bei der Gründung einer deutschen Unternehmergesellschaft. Es bleibt also weiterhin spannend und interessant, wie sich die Deutsche 1 Euro GmbH entwickelt, welche Vorteile, Synergien oder auch Probleme sie mit sich bringt.



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