Wie und wo kann ich eine Ausübungsberechtigung beantragen?

Eine Ausübungsberechtigung ist erforderlich, um eine selbständige Tätigkeit in einem zulassungspflichtigen Gewerbezweig aufzunehmen. Eine Ausübungsberechtigung ist damit eine Ausnahmevorschrift von dem grundsätzlich geltenden Meisterzwang. Sie ist für Altgesellen in Form der Altgesellenregelung geschaffen worden.

Was sind Altgesellen und die Altgesellenregelung?

Der Begriff des Altgesellen stammt aus der Handwerkssprache und wurde ursprünglich für den ältesten Gesellen einer Werkstatt verwendet.

Mit der Novellierung der Handwerksordnung (HwO) Ende 2003 wurde der Begriff wieder aufgegriffen. Die sogenannte Altgesellen-Regelung wurde erlassen, um die handwerksrechtliche Beschränkung des Berufszugangs zu einem zulassungspflichtigen Handwerk zu lockern. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Selbständigkeit in einem zulassungspflichtigen Gewerk nur über die bestandene Meisterprüfung und den damit erhältlichen Meisterbrief möglich. Mit der Neuregelung des § 7 b HwO ist die selbständige Ausübung eines Handwerksbetriebes auch für Altgesellen zulässig. Unter den Begriff des Altgesellen fallen danach diejenigen Gesellen, die mindestens 6 Jahre in ihrem Handwerk tätig waren und davon mindestens 4 Jahre in leitender Tätigkeit. Die Voraussetzung der leitenden Tätigkeit wird dann angenommen, wenn dem Altgesellen eigenverantwortliche Entscheidungsbefugnisse übertragen waren.

Die Altgesellenregelung ist gem. § 7 Abs.1, S.1 HwO in folgenden Handwerken nicht anwendbar:

•    Augenoptiker
•    Schornsteinfeger
•    Hörgeräteakustiker
•    Orthopädietechniker
•    Orthopädieschuhmacher
•    Zahntechniker

In § 69 der Handwerksordnung wird auch der Vorsitzende des Gesellenausschusses als Altgeselle bezeichnet.

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Wie Sie die Ausübungsberechtigung beantragen und welchen Tätigkeiten Sie ohne Meisterbrief nachgehen dürfen, erklären wir in einem gesonderten Artikel.

Was besagt die Altgesellenregelung?

Nach § 7b der Handwerksordnung (HwO) ist es unter bestimmten Umständen auch denjenigen Handwerksgesellen möglich, einen eigenen Handwerksbetrieb zu eröffnen, die nicht über einen Meisterbrief verfügen. Nach der hier verankerten "Altgesellenreglung" können sich auch qualifizierte Gesellen ohne Meisterbrief für bestimmte zulassungspflichtige Handwerke in die Handwerksrolle eintragen lassen. Diese sogenannte Ausübungsberechtigung - eine Ausnahmebewilligung - gilt für Personen, die für die selbstständige Führung eines Handwerksbetriebes die erforderlichen Kenntisse und Fähigkeiten nachweisen können, für die jedoch das Ablegen der Meisterprüfung eine unzumutbare Belastung darstellen würde.

 

Was ist die Handwerksrolle?

Wer als Gewerbetreibender einen handwerklichen Beruf ausüben will, muss sich unter Umständen in die Handwerksrolle eintragen lassen. Das ist ein Verzeichnis von Unternehmen, das bei der regional zuständigen IHK oder Handwerkskammer geführt wird. In der Handwerksrolle sind alle Unternehmen aufgeführt, die ein zulassungspflichtiges Gewerbe betreiben. Die Handwerksrolle ist in zwei unterschiedliche Kategorien eingeteilt. In der „Anlage A“ sind alle Unternehmen vermerkt, für deren Tätigkeit keine besondere Qualifikation erforderlich ist. In die „Anlage B“ gehören dagegen alle Berufe, für die man einen speziellen Nachweis (z. B. Meisterprüfung) oder eine Ausnahmegenehmigung braucht. Wer unsicher ist, ob seine Tätigkeit eintragungspflichtig ist, kann sich an die örtlich zuständige IHK oder Handwerkskammer wenden. Diese entscheidet auch über mögliche Ausnahmen, denn in manchen Fällen kann die Eintragungspflicht in die Handwerksrolle auch entfallen.

Was ist ein qualifizierter Geselle?

Als qualifizierter Geselle gilt eine Person, die in dem zu betreibenden Handwerk nach der bestandenen Gesellenprüfung eine insgesamt sechsjährige Tätigkeit ausgeübt hat, hiervon vier Jahre in leitender Stellung. Eine leitende Stellung wird angenommen, wenn der Geselle eigenverantwortliche Entscheidungsbefugnisse in einem wesentlichen Betriebsteil oder in einem ganzen Betrieb innehatte. Hierdurch gelten auch die für das Führen eines Handwerksbetriebs erforderlichen Kenntnisse als nachgewiesen. Hierzu gehört betriebswirtschaftliches, kaufmännisches und rechtliches Wissen, das innerhalb der vierjährigen Tätigkeit in leitender Stellung als erworben angesehen wird, oder aber durch die Teilnahme an entsprechenden Lehrgängen oder auf sonstige Weise nachgewiesen werden kann.

Verwaltungsrechtliche Sachverhalte

Die Ausübungsberechtigung muss noch vor der Ausübung der Selbstständigkeit bei der höheren Verwaltungsbehörde beantragt werden. Zuvor ist die zuständige Handwerkskammer anzuhören. Erst nachdem die Ausübungsberechtigung nach der Altgesellenregelung erteilt worden ist, darf der Geselle das Handwerk in vollem Umfang ausüben. 

Welche Berufe sind von der Altgesellenregelung ausgenommen?

Nicht alle Handwerksberufe eröffnen qualifizierten Gesellen die dargestellte Möglichkeit. Ausgenommen hiervon sind Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Orthopedietechniker und -schuhmacher, sowie Zahntechniker und Schornsteinfeger. 

Rechtliche Grundlagen

Die Altgesellenregelung ist in § 7b der Handwerksordnung gesetzlich verankert. Zur Auslegung der gesetzlichen Regelung hat der Bund-Länder-Ausschuss Handwerksrecht Kriterien entwickelt. Die generell von der Ausübungsberechtigung ohne Meisterbrief ausgenommenen Handwerke sind in der Anlage A der Handwerksordnung abschließend aufgeführt. 

Für eine erfolgreiche Antragstellung ist dabei Folgendes zu beachten:

1. Sie haben einen Gesellengrad erreicht

Durch eine Ausübungsberechtigung können Sie zwar dem Meisterzwang entkommen, nicht aber der Gesellenprüfung. Eine bestandene Gesellenprüfung ist damit eine grundlegende Voraussetzung für die Vergabe einer Ausübungsberechtigung.

2. Sie wollen kein Gewerbe betreiben, das von der Ausübungsberechtigung ausgenommen ist

Für Berufszweige, in denen ein besonderer Kompetenzstand verlangt und erwartet werden kann, werden keine Ausübungsberechtigungen vergeben. Solche Berufe sind:

  • Hörgeräteakustiker

  • Augenoptiker

  • Zahntechniker

  • Schornsteinfeger

  • Orthopädietechniker

  • Orthopädieschuhmacher

Die selbständige Ausübung dieser Berufe ist ausschließlich mit einem Meistertitel möglich.

3. Sie verfügen über mindestens 6 Jahre Berufserfahrung - die Ausbildung nicht eingerechnet

Für die Erteilung einer Ausübungsberechtigung für die selbständige Tätigkeit ist ausreichende Berufserfahrung in dem Handwerk von großer Bedeutung. Damit beweisen Sie Ihr handwerkliches Können und Ihre fachlichen Fähigkeiten, die Sie auf dem praktischen Weg - also abseits der Meisterausbildung - erworben haben.

4. Sie verfügen über mindestens 4 Jahre Berufserfahrung in leitender Position

Eine Ausübungsberechtigung berechtigt Sie zum selbständigen Führen eines handwerklichen Betriebs ohne Meisterprüfung. Um diese Ausübungsberechtigung zu erhalten, sollten Sie deshalb ganz besonders zeigen können, dass Sie die Führungsfähigkeiten und die dazu erforderlichen Kenntnisse bereits auf dem praktischen Weg erworben und in Ihrem Beruf erfolgreich eingesetzt haben. Zur Ausübung leitender Position gehört insbesondere:

  • Mitarbeiterführung

  • Betriebsplanung

  • Erledigung der kaufmännischen und rechtlichen Verwaltungsaufgaben

5. Sie sollten die vorgesehene Antragsform beachten

Liegen alle oben genannten Bedingungen vor, sollten Sie einen Antrag auf die Erteilung der Ausübungsberechtigung stellen. Die Antragsform können Sie direkt oder online bei der zuständigen Handwerkskammer erhalten.

Wichtig: Die Antragsformulare der einzelnen Kammern unterscheiden sich leicht in ihrer Form und Gestaltung. Bitte achten Sie daher darauf, dass Sie auch das Online-Formular direkt von der Website Ihrer Handwerkskammer bekommen.

Opens external link in new windowBeispiel Antragsformular

Auch wenn Sie den Antrag nicht online stellen möchten, ist es zu empfehlen, das Formular möglichst frühzeitig herunterzuladen und alle Punkte durchzulesen. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass die verlangten Informationen oder die einzureichenden Unterlagen Sie nicht überraschen werden. Lesen Sie auch unseren Artikel Opens internal link in current windowKammermitglied werden!

6. Sie sollten den Antrag sorgfältig ausfüllen

Eine vollständige und korrekte Beantwortung aller Fragen ist für die Antragsbearbeitung von entscheidender Bedeutung. Sie sollten sich daher zum Ausfüllen der Unterlagen Zeit nehmen. Im Antrag sollten insbesondere folgende Informationen angegeben sein:

  • Daten zur Person An dieser Stelle geben Sie Ihre allgemeinen Daten - Name, Geburtsdatum, Adresse, Staatsangehörigkeit, Familienstand und sonstige Kontaktdaten - an.

  • Daten zum beruflichen und persönlichen Werdegang In diesem Abschnitt beschreiben Sie in allen Einzelheiten Ihre gesamte Ausbildung, Ihre bisher erreichten Abschlüsse und die einzelnen Berufserfahrungen. Sehr wichtig sind im Weiteren die Angaben zu dem angestrebten Betrieb, den Sie nach dem Erhalt der Ausübungsberechtigung führen möchten. Die Frage danach, ob Sie bereit wären, eine Kenntnisprüfung abzulegen, sollte unbedingt mit "ja" beantwortet werden. Die Prüfung kann im Einzelfall ausschlaggebend für die Entscheidung der Behörde über die Ausstellung der Ausübungsberechtigung sein.

Opens external link in new windowWeitere Informationen

7. Sie sollten sich an die zuständige Behörde richten

Zuständig für die Vergabe der Ausübungsberechtigung ist Ihre örtliche Handwerkskammer. Diese nimmt den Antrag entgegen, prüft die vorliegenden Voraussetzungen und trifft letztendlich die Entscheidung über die Ausstellung der Ausübungsberechtigung im Einzelfall.

8. Sie können sich für eine Online-Antragstellung entscheiden

Ziehen Sie es vor, den Antrag online einzureichen, sollten Sie darauf achten, dass Sie neben dem eigentlichen Antrag auch eine Erklärung zu Ihrer Identität oder die Kopie Ihres Ausweises beifügen. Wie eine Erklärung zur Identität aussieht und ob diese in Form eines zusätzlichen Formulars beigefügt werden soll, unterscheidet sich von Kammer zu Kammer. Ein Beispiel finden Sie unter folgendem Link: Opens external link in new windowErklärung zur Identität

9. Sie sollten dem Antrag qualifizierte Nachweise beilegen

Collage zum Thema Ausübungsberechtigung: Meisterbrief, Gesellenbrief, Facharbeiterbrief, auch der von der DDR liegen wie ein Fächer übereinander

Für eine schnelle und erfolgreiche Antragsbearbeitung sind fundierte Nachweise über Ihre bisherige Ausbildung und Ihre Berufserfahrung erforderlich. Für die Ausbildung - einschließlich der weiteren qualifizierenden Lehrgänge - reichen die ausgestellten Zeugnisse. Zum Nachweis der Berufserfahrung - insbesondere in der leitenden Funktion - sollten Arbeitszeugnisse des jeweiligen Betriebs vorgelegt werden. In den Arbeitszeugnissen müssen Ihre einzelnen Aufgaben und Ihre speziellen Verantwortungsbereiche ausführlich dargestellt werden. War die Betriebsorganisation oder die kaufmännische und rechtliche Verwaltung bei der bisherigen beruflichen Tätigkeit nicht erforderlich, können diese Fähigkeiten durch den Besuch der qualifizierenden Lehrgänge der Handelskammer erworben werden. Die ausgestellten Zeugnisse der Handwerkskammer müssten dann dem Antrag vorgelegt werden.

10. Sie sollten eine Kenntnisprüfung ablegen

Bei einer Kenntnisprüfung werden theoretische Kenntnisse des Handwerks getestet. Für manche Berufszweige bieten die einzelnen Handelskammern spezielle Vorbereitungskurse an. Es ist daher anzuraten, sich bei der zuständigen und bei den örtlich naheliegenden Handelskammern nach solchen Angeboten zu erkundigen. Auch wenn die Vorbereitungskurse gebührenpflichtig sind und Sie Ihren fachlichen Kenntnisstand von sich aus immer aktuell halten, ist es sehr zu empfehlen, an einem Vorbereitungskurs teilzunehmen. Neben den aktuellen Regelungen bereiten die Kurse Sie ganz besonders auf die üblichen und häufigen Prüfungsfragen vor. Dies kann für Sie während der Prüfung eine große Hilfe sein.

11. Wie hoch sind die Kosten der Antragstellung?

Die Antragstellung ist gebührenpflichtig. Die Höhe der Gebühren variiert je nach Handelskammer. Grundsätzlich ist jedoch von einer Bearbeitungsgebühr in Höhe von etwa 300 Euro auszugehen. Die Kosten der Kenntnisprüfung liegen üblicherweise im Rahmen zwischen 60 und 150 Euro. Für die Vorbereitungskurse können etwa 100 bis 200 Euro verlangt werden. Die Höhe der jeweiligen Gebühren unterscheidet sich je nach Berufszweig und der jeweiligen Handelskammer.

12. Fazit

Liegen bei Ihnen die allgemeinen Voraussetzungen - wie eine abgeschlossene Gesellenprüfung und die erforderliche Berufserfahrung - vor, bietet die Ausübungsberechtigung einen guten Weg zu einem eigenen Betrieb. Der zeitliche Aufwand und die Kosten sind im Vergleich zu der Meisterausbildung verschwindend gering. Der Vorteil, den Sie durch die Ausübungsberechtigung erhalten, ist die eigene berufliche Unabhängigkeit.

Häufig gestellte Fragen zur Weiterbildung in Existenzgründung:

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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