Frage von Alexander am 20.02.06

Selbständig - Kredit?

Hallo alles zusammen, ich hab da eine Frage.

Mein Vater ist arbeitslos und hat es mittlerweile satt, dass er mit 47 kein Job mehr findet.

Er hat sich entschieden einen eigenen Lebensmittel-Laden aufzumachen.

Leider fehlt ihm das nötige Kapital und die Bank gibt Arbeitslosen ja kein Kredit.

Da wollte ich mal fragen ob er einen Kredit bekommt, wenn er sich als Selbständiger anmeldet und dann zur Bank geht?

Ich bedanke mich im Voraus für eine Antwort.

MfG

Alexander

Antwort von

Hallo Alexander,

danke für deine Frage, die ich gern versuche zu beantworten.

Vorab, ich habe eine gute Seite zum Thema Kredite vergleichen (auch ohne Schufa) und Ratenkredite vergleichen gefunden.

Mein Vater ist arbeitslos und hat es mittlerweile satt, dass er mit 47 kein Job mehr findet.


Das ist wohl das größte Problem in Deutschland, dass man mit 40 schon für den Arbeitsmarkt zu alt sein soll.

Er hat sich entschieden einen eigenen Lebensmittel-Laden aufzumachen.


Ein Ausweg ist in der Tat die Selbständigkeit, doch sollte das nicht um jeden Preis geschehen, denn es birgt auch sehr viele Risiken. Eines davon ist ohne Zweifel die Aufnahme von Fremdkapital, also einem Darlehen oder Kredit.

Leider fehlt ihm das nötige Kapital und die Bank gibt Arbeitslosen ja kein Kredit.


Ab Anfang 2007 wird in Deutschland das erste Konsultationspapier zur Neufassung der Eigenkapitalvereinbarung, besser bekannt unter dem Stichwort Basel II in Kraft treten. Diese Neuregelungen erschweren es dem kleinen Unternehmer und gerade den Existenzgründern Kredite aufzunehmen. Obwohl erst ab 2007 amtlich und verbindlich, werden diese Regelungen bereits heute schon angewandt und umgesetzt. Ursprünglich fallen Darlehensaufnahmen von kleinen und mittelständischen Betrieben unter 1 Mio. EUR in den Privatkundensektor, aber das scheint die Banken nicht zu stören, sie behandeln derartige Kredite ebenso wie große Darlehen.

Da wollte ich mal fragen ob er einen Kredit bekommt, wenn er sich als Selbständiger anmeldet und dann zur Bank geht?


Das spielt prinzipiell keine Rolle. Ausschlaggebend bei der Kreditvergabe ist das sogenannte Rating der Banken. In dieser Prozedur werden eine Vielzahl von Kriterien, sowohl private als auch geschäftliche Informationen erfasst und daraus dieKreditwürdigkeit / Bonität des Kunden ermittelt. Eine weitere große Rolle spielt selbstverständlich auch, wie der entsprechende Sachbearbeiter oder der Entscheider der Bank die persönliche Beziehung auffasst. Kurz gesagt, stimmt die Chemie zwischen den Vertragsparteien? Sollte in den ersten Minuten eine derartiges Vertrauensverhältnis nicht aufgebaut werden können, so ist es erfahrungsgemäß wesentlich schwerer eine Kreditverhandlung mit der Bank zu führen.

Ob privat oder geschäftlich, die Bank prüft in beiden Fällen die Bonität, die Sicherheiten und die persönlichen Verhältnisse. Daher ist es bei den meisten Existenzgründern egal, ob sie privat oder geschäftlich zur Bank gehen, denn die sich dahinter verbergende Person bleibt in beiden Fällen gleich.

Erfahrungsgemäß reagieren Banken auf Kreditanfragen im Bereich bis 20.000 EUR meist eher ablehnend, da schlicht weg die Bank sehr viel Arbeit für entsprechend wenig Entgelt ( Zinsen) hat. Auch die sogenanntenFörderkredite für Existenzgründer müssen in den meisten Fällen von der Hausbank beantragt werden. Dafür erhält sie nur eine geringe Entschädigung, so dass diese Geschäfte sehr unlukrativ für die Banken sind.

Mein Tipp:

Auf keine Fall unseriöse Sofortkredite, Eilkredite mit Sofortzusage nutzen. Ohne Schufaauskunft oder mit ähnlichen Lockangeboten wird dort geworben. Das sind in nahe 100% unseriöse Angebote, welche den Kreditnehmer schneller in den Ruin befördern als er es mit seiner Existenzgründung selber hinbekommen hätte. Dann lieber gar keine Kredit und die Sache nochmals gründlich überdenken.

Eine weitere Alternative sind Darlehen von Bekannte oder Verwandten.

Nicht zuletzt ist eine Beratung bei einer Verbraucherzentrale Gold wert. Dort erfahren Sie zunächst, was alles notwendig ist und was Sie beachten müssen. Ein Informationstermin bei einer Bank ist auch nicht falsch, aber dort immer bedenken, dass die Gegenüber befangen ist, das heißt es ist kein unabhängiger Gesprächspartner. Der Bänker verfolgt ein wirtschaftliches Interesse, was die Verbraucherzentrale nicht macht.

Fazit:

Kreditgespräch privat oder geschäftlich spielt heut zutage keine Rolle mehr. Wichtig sind Sicherheiten (Bausparverträge, Grundstücke, Lebensversicherungen mit hohem Rückkaufswert, eventuell Bürgschaften), Bonität und Rating.

Mein Tipp als Existenzgründungsberater:

Die beste Selbständigkeit für Kleinstunternehmer ist die ohne Fremdkapital, da man einfach versucht das Risiko so gering als möglich zu halten. Wenn was schief geht, war der Versuch nicht ganz so teuer und man hat sich nicht für das restliche Leben verschuldet.

Viel Erfolg

Antwort von

Vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort. Damit wären meine Fragen beantwortet. Jetzt wollen wir mal abwarten, was der Steuerberater so zu sagen hat.

MfG

Alexander

Antwort von

Hallo nochmal,



ich möchte diese Branche nicht schlecht machen, habe selbst Steuerfachangestellter gelernt und auch während und nach meinem Studium viele Erfahrungen sammeln können. Bei Steuerberatern vorsichtig sein, nach den neuen Änderungen hinsichtlich Banken, Rating, Basel II sind die auch nicht immer optimal informiert. Für Buchführung, Steuern wie Umsatzsteuer, Einkommensteuer oder Gewerbesteuer ja, bei der Finanzierungsberatung nur bedingt. Besser sind da: Unternehmensberater, die sich auf das Kreditgeschäft spezialisiert haben.

Antwort von

Übrigens, Onlinekredite kann man gut vergleichen, da Sie eben online zur Verfügung gestellt werden bzw. die ZUsage online kommt. Es gibt da sowohl Kredite mit als auch ohne Schufaauskunft so genannte schufafreie Kredite.


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Antwort von

Hallo

als sogenanne "scharze Schafe" gibt es wohl in jeder Branche.

Gerade bei dem gesetzlich nicht geschützten Beruf eines "Unternehmensberaters".

Gewerbeanmeldung abgeben, Schild an die Haustür und schon darf man sich Unternehmensberater nennen.

Ein Steuerberater hingegen muss eine umfassende Berufsausbildung oder Studium durchlaufen, mehrere Jahre Berufserfahrung sammeln und nachweisen, sowie eine umfangreiche Prüfung ablegen. Darüber hinaus gehört eine jährliche Fortbildung von mindestens 40 Stunden zu den selbst auferlegten Pflichten.

Was aber den geplanten Lebensmittel-Laden anbelangt, ist den Ausführung von Herrn Montag (admin) ist zuzustimmen.

Zusätzlich auch - soweit vorhanden - die örtliche Wirtschaftsförderungsgesellschaft (oft bei der zuständigen Kreis- oder Stadtverwaltung beheimatet) ansprechen. Gerade in strukturschwachen Gegenden wird vor allem die Ansiedlung von Grundversorgern oft überproportional unterstützt.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de

Antwort von

Online Kredite sind definitiv auch als eine Option heranzuziehen falls man keine andere möglichkeit mehr sieht. Die social-lending Platformen (so wie sie genannt werden) werden momentan immer größer und bieten Ratenkredite und andere Finanzierungsoptionen in verschiedenen Größen.

Ich wünsche ihrem Vater viel Glück bei seiner Geschäftsgründung - hoffentlich klappt alles wie geplant!

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