Was möchtest du mal werden?

Wurden wir das nicht alle gefragt, als wir zu jung waren um wirklich zu wissen, was in der Welt passiert. Wir hatten keine Ahnung, was ein Beamter oder Angestellter tatsächlich 8 Stunden pro Tag tut. Wir hatten unsere eigenen Theorien, oder eben keine, wie in meinem Fall. Mir wurde immer beigebracht, daß ich einen vernünftigen Job bräuchte. Warum? Sicher um gutes Geld zu verdienen und ein gut bürgerliches Leben führen zu können, eine Familie ernähren zu können. So wie es sich eben gehört.

Bild: Courtany / pixabay.com

Bankangestellter - ein bürgerlicher Traumjob

Mir wurde diese Frage natürlich auch gestellt. Und was habe ich geantwortet? Bankangestellter, so wie es damals noch hiess. Heute heißt das Banker und hat eine eher negative Intonation. Würde ich die gleiche Frage heute auch noch so beantworten? Dazu später mehr. 

FRANKFURT am Main oder an der Oder? Diese Frage bekommt man in Berlin oft zu hören. Im Rest der Republik geht man doch davon aus, daß von dem Frankfurt mit den Hochhäusern die Rede ist. Viele wissen gar nicht, daß es überhaupt ein anderes Frankfurt gibt. Viel mehr als von den Hochhäusern der Bankenzentralen wusste ich auch nicht. Doch bewarb ich mich um eine Stelle im Back Office und fuhr zum anschliessenden Vorstellungsgespräch. Ich wurde genommen und begann dort im Juli 1999 an zu arbeiten. 

Karrierestart mit Wertpapieren und Aktien

Ich war nicht grad ein ausgebildeter Banker, aber das machte nichst. Die Bank brauchte Leute, die die Arbeit machen konnten. Die Arbeit, das ist bzw. war das Abrechnen von Aktiengeschäften, Käufen und Verkäufen von Wertpapieren von ausländischen Aktien; im Ausland. Meine Aufgabe  war es die Geschäfte manuell im System zu erfassen, als auch die entsprechende Währungskonvertierung (es gab noch keinen Euro). Ich sprach mit den Händlern, heute Trader genannt, wenn es Probleme gab und fühlte mich, als wäre ich wichtig und Teil eines etwas ganz Großen.

Ich arbeitete sehr hart und lang. Schliesslich wollte ich Karriere machen und viel Geld verdienen. Aber der Weg nach oben war verbaut, meine Chefs klammerten sich an ihre Sitze. Sie waren da schon lange und wollten da auch noch lange bleiben. Also musste ich andere Wege finden. Umwege. Und dies führte mich dann zu der nächsten Abteilung, da wo die schmutzige Wäsche gewaschen wird. Die Aktiengeschäfte, die nicht durchliefen, die nicht "settelten" (so hiess das in der Fachsprache). Erstmalig war Englisch das Instrument der Kommunikation, da man ständig mit der Depotbank im Ausland und dem Kontrahenten, also der Gegenseite (die die die Aktien entweder von uns gekauft oder an uns verkauft hat). 

London - das größte Finanzzentrum Europas

So kam es, dass ich an einem Wochenende einmal eine Freundin in London besuchte. Mein erstes Mal in London. Ich war begeistert. Es hatte die Atmosphäre einer wahren Metropole. Und London war (und ist es noch) das größte Finanzzentrum Europas. Ich entschloss mich, Bewerbungen zu senden. Nur wenige Wochen später war ich zurück und fand mich gegenüber eines Managers einer großen deutschen Investmentbank.

Nur wenige Monate später fing ich an dort zu arbeiten, aber zunächst erstmal in Frankfurt. Die Bank, für die ich nun arbeitete, war um größer, professioneller und erfolgreicher. Ich war Teil eines 2 Mann-Teams; die Arbeit machte Spass. Ich wäre gern geblieben, aber ich wollte ja nach London. Dann kam 9/11; der Anschlag auf das größte Finanzzentrum der Welt. Ich sah die schrecklichen Bilder, wie Leute sterben mussten. Und ich kannte Leute, die an diesem und an den folgenden Tagen viel Geld verloren, aber auch viel Geld machten. Geld machen mit Katastrophen und Terroranschlägen? Wie unmenschlich ist das denn? Oder ist das normal im Kapitalismus, in der Finanzwelt? Muss man das so machen, wenn man erfolgreicher Banker sein will? Weitere Informationen im 2. Teil dieser Serie.

Foto Marek SonnabendAutor: Marek Sonnabend ist ein Unternehmer in Berlin. Er hat viele Jahre im Investmentbanking in Frankfurt und London gearbeitet, bevor er eine Karriere im Bereich Digital Media und Software Entwicklung einschlug. Dabei arbeitete er für nicht unbekannte Firmen in Tokio/Japan und Frankfurt.

Seit 2011 bertreibt Marek Sonnabend die Opens external link in new windowCafelingo Sprachschule für Deutsch in Berlin Friedrichshain. Neben traditionellen Gruppenkursen bietet seine Sprachschule auch andere Formen von Deutschkursen an, von denen manche mit Hilfe von Weblösungen flexibel gebucht werden können.

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