Existenzgründung durch Schüler: Typische Denkfehler beim Warenhandel

Immer mehr Jugendliche trauen sich, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Oft laufen diese Geschäfte sogar erstaunlich gut.

PublicDomainPictures / pixabay.com

Allerdings gibt es auch sehr viele Jugendliche, die planen, ein Handelsunternehmen zu gründen und einen Onlineshop zu etablieren, und schon die einfachsten Grundlagen nicht berücksichtigen. Auf einige dieser typischen Denkfehler wollen wir jetzt eingehen.

Denkfehler 1: Verkaufspreis – Einkaufspreis = Gewinn

Auf den ersten Blick macht diese Formel für den Handel mit Waren absolut Sinn: Sie kaufen eine Ware und verkaufen sie anschließend wieder. Die Differenz gehört Ihnen. Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Denn auch beim Warenhandel fallen zusätzlich zu den Einkaufspreisen Kosten an, die nicht zu verachten sind. Ein einfaches Beispiel sind die Kosten für Verpackungsmaterial wie Kartons und Füllmaterial, was besonders für den Onlinehandel gilt. Auch die Transportkosten müssen angemessen berücksichtigt werden. Die Lagerung von Waren kostet Geld, sobald der Raum im Keller dafür nicht mehr ausreicht.

Kosten, die in der Denke vieler Schüler gar nicht existieren, sind unter anderem auch die Kosten für den Strom- und Wasserverbrauch, die Miete oder Reparaturen, da sie meist von den Eltern getragen werden. Konsequenterweise müssen sie aber in die Preise eingerechnet werden und mindern dementsprechend den Gewinn. Ab einer gewissen Einkommenshöhe fällt außerdem die Gewerbesteuer an.

Denkfehler 2: Geringer Verwaltungsaufwand beim Handel

Handel ist doch einfach – man kauft Waren ein und verkauft sie wieder. Der Aufwand beschränkt sich also auf Bestellungen und den Versand der Waren. Tatsächlich fällt aber eine Vielzahl an weiteren Tätigkeiten an, die sehr viel Zeit schlucken können:

  • Kommunikation mit Kunden
  • Erstellung von Versandpapieren und Rechnungen
  • Bearbeitung von Reklamationen und Garantieanträgen
  • Verpacken der Waren
  • Pflege des Onlineshops (Artikel einstellen, Produktbeschreibungen verfassen, Preise aktualisieren etc.)
  • u. v. m.

Wenn man diese und die vielen weiteren Tätigkeiten summiert, ergibt sich ein enormer Zeitaufwand, der einen schnell auffressen kann.

Denkfehler 3: Eigene Bezahlung vergessen

Viele Händler vergessen, ihren eigenen Stundenlohn einzukalkulieren. Ein einfaches Beispiel:

Das Produkt wird für 3 Euro eingekauft und für 4 Euro verkauft. An zusätzlichen Kosten für Verwaltung, Verpackung usw. fallen 0,50 Euro an. Es ergibt sich also ein Gewinn von 0,50 Euro. Allerdings haben Sie für das Verpacken und Verschicken der Waren zehn Minuten gebraucht – dem steht nun ein Gewinn von 0,50 Euro gegenüber, was einem Stundenlohn von 3 Euro entspräche.

Der Handel mit Waren lohnt sich nur dann, wenn dabei auch für Ihre Arbeit ein adäquater Stundenlohn berücksichtigt ist.

Fazit

Wenn sich Schüler und Jugendliche selbstständig machen möchten, sollten Sie nicht nur viel Zeit darauf verwenden, jeden Aspekt ihrer Selbstständigkeit genau zu betrachten, sondern sich ergänzend auch an öffentliche Beratungsstellen oder an Existenzgründerberater wenden, die sie dabei unterstützen können. Nur so kann sichergestellt werden, dass nicht einer dieser Denkfehler dazu führt, dass die Geschäftsidee nach hinten losgeht.



Sind Sie der geborene Unternehmer? Machen Sie jetzt den Test!