Es lebe der Existenzgründerpass in Thüringen

Thüringens Existenzgründer konnten bisher sowohl den Antrag auf Gründungszuschuss, also auch die Leistung zur Begleitung einer selbständigen Tätigkeit, das so genannte Coaching nach § 2 ESFR sowie die Förderzusage zumExistenzgründerpass bei Ihrer zuständigen Bundesagentur für Arbeit beantragen und abholen. (Den Existenzgründerpass gibt es nicht in jeder Region Deutschlands).

Bild: skeeze / pixabay.com

So weit so gut, der Existenzgründer hatte nur einen Weg und damit alles nötige geklärt. Von Bürokratie erst einmal nur kleine Spuren, wenn man einen richtigen Berater hatte, der die richtigen Weg zur richtigen Zeit aufzeigte.

Bisher ein Weg, künftig drei

Aber es wäre ja in Deutschland zu schön, wenn alles klappen würde. Was gut läuft darf nicht bestehen, das muss kaputt gemacht werden und einer grundlegenden Veränderung unterworfen werden. So auch in diesem Fall. Ab 2009 muss der Existenzgründerpass bei der nun zuständigen GFAW (Gesellschaft für Arbeit und Wirtschaftsförderung) beantragt werden. Das Coching gibt es mitlerweile gar nicht mehr. Es wurde durch das Gründungscoaching Deutschland der Kfw abgelöst.

Faktisch heißt das nun für den Thüringer Existenzgründer ab 2009:

  1. Antrag für den Gründungszuschuss bei der Arbeitsagentur
  2. Antrag für den Existenzgründerpass bei der GFAW in Erfurt
  3. Antrag für das Gründercoaching Deutschland bei der IHK

Er muss also in bis zu drei verschiedene Städte fahren, um die Förderungen zu bekommen, die er früher an einem Schalter im Arbeitsamt bekam. Danke Thüringen, so helfen wir der Umwelt, unserem Geldbeutel und unser aller Nerven.

Arbeitsagentur brüstet sich mit Fördermittelausgaben und gibt hintenrum die Zuständigkeit ab

Aber noch am 27.11.08 schrieb die TLZ im Artikel "50 Millionen für Existenzgründer" aufgrund eines mit der Arbeitsagentur, der IHK und der HWK geführtem Interview:

220 Existenzgründer seien in 2008 mit dem Existenzgründerpass unterstützt worden und zwar bisher mit insgesamt fast 50 Mio. EUR (inkl. Gründerzuschuss) gefördert worden. Der Chef der BA Erfurt, Klaus-Peter Hansen sagte: "Der Weg aus der Arbeitslosigkeit heraus in die Selbstständigkeit ist der schwierigste Pfad." - so können der Gründerpass mit der Finanzierung des erforderlichen Wissens und der Prüfung derGeschäftsidee helfen. Den Pass gibt es auf Initiative der IHK seit 1998. Gerald Grusser (Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt) untermauerte diese Erfolgsgeschichte mit den Zahlen von bisher 10.000 ausgegebenen Pässen und insgesamt 4,5 Millionen Euro an Förderung in Verbindung mit dem Pass. DerGeschäftsführer der Handwerkskammer Herr Thomas Malcherek verwies auf die Erfolgsquote von 93% der noch selbständigen Handwerker, welche seinerzeit einen Existenzgründerpass erhielten.

Da sagen wir vom Gründerlexikon Herzlichen Glückwunsch. Das ist echt ein großartiger Erfolg.

Arbeit auf die bereits Überlasteten abschieben

Und warum läuft die Zuständigkeit dann über die ohnehin überlastete und mit einem schlechten Ruf behaftete GFAW? Der Gründer braucht wesentlich mehr Zeit und muss mehr Wege auf sich nehmen. Das bestehende gut funktionierende System abzuschaffen passt mal wieder zum Leitbild von Bund und Ländern. Was gut läuft wird verändert. Noch dazu sich einige Wochen vorher in der Zeitung mit einem Artikel zu brüsten und in der Schublade bereits die fertigen Pläne der Abschiebung des Fördermodells zur GFAW liegen zu haben.

Schade Thüringen, so wird´s leider nicht´s mit der Denkwerkstatt, denn die Gründer haben keine Zeit mehr zum Denken, die müssen ab 2009 noch mehr Laufen und Bürokratie bewältigen.



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