Wie unterscheidet sich der Freiberufler vom Gewerbetreibenden

Wer ist Freiberufler?

Freiberufler sind selbständig tätige Unternehmer und üben eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit aus.

Beispiele für Freiberufler: Tierarzt, Architekt, Rechtsanwalt

Um den Freiberufler vom Gewerbetreibenden abzugrenzen, wird der § 18 aus dem Einkommenssteuergesetz (EStG) verwendet. Im § 18 EStG sind alle freiberuflichen Tätigkeiten als Katalog aufgeführt. Selbständige, die also in einem der aufgeführten Berufe tätig sind Freiberufler.

Wer ist Gewerbetreibender?

Alle Selbständigen, die keine Tätigkeit entsprechend der Katalogberufe oder ähnliche Berufe ausüben, sind Gewerbetreibende.

Warum erfolgt eine Abgrenzung?

Wer als Freiberufler eingestuft ist, hat einen großen Vorteil. Im Gegensatz zum Gewerbetreibenden muss ein Freiberufler keine Gewerbesteuer zahlen. Ein Freiberufler muss unabhängig von der Höhe seines Gewinns, keine Bilanz erstellen. Er kann immer eine EÜR abgeben.

Man mag sich fragen, warum wird der eine Selbständige anders behandelt wird als der andere? Die Gewerbesteuer fließt ins Säcklein von den Städten und Gemeinden. Davon unterhalten die Städte ihre Infrastruktur. Bei Freiberuflern wird davon ausgegangen, dass sie die Infrastruktur kaum nutzen. Im Gegensatz zu einem Bauunternehmer fährt ein Rechtsanwalt nicht mit einem Lkw durch die Straßen.

Wie wird eine gemischte Tätigkeit eingestuft?

Auch dazu hat der BFH ein Grundsatzurteil unter dem Az.: XI R 10/06 vom 18. Oktober 2006 erlassen. Danach ist ein Betrieb, in dem gemischte Leistungen erbracht werden, danach zu qualifizieren, welche Tätigkeit tatsächlich ausgeübt wird.

Trennbare gemischte Tätigkeit

Ist die freiberufliche und die gewerbliche Tätigkeit leicht trennbar zu erfassen, bspw. ein Tierarzt verkauft nebenbei noch Schmuck , fallen für den Selbständigen Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit und aus Gewerbebetrieb an. Die unterschiedlichen Einkunftsarten sollten nicht in einer Buchhaltung und nicht auf einem Bankkonto erfasst werden.

Untrennbar gemischte Tätigkeit

Ist die freiberufliche Tätigkeit untrennbar mit der gewerblichen verbunden, zählen die gesamten Einkünfte als Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Bspw. ein Architekt verkauft schlüsselfertige Häuser und bringt seine Architektenleistung dabei ein.

Existenzgründer als Freiberufler

Existenzgründer, die sich als Freiberufler selbständig machen, melden ihre Tätigkeit beim Finanzamt an. Opens external link in new windowHier finden Sie eine Ausfüllhilfe für den "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" bei unserem Partner Gründerschiff zum kostenlosen Download. Sie müssen kein Gewerbe anmelden. Bei einem Katalog ähnlichen Beruf muss der Gründer dem Finanzamt möglicherweise die Freiberuflichkeit nachweisen. In dem Fall sollte auf jeden Fall der Rat eines Steuerberarters eingeholt werden.

Existenzgründer als Gewerbetreibender

Alle Gründer, die nicht als Freiberufler gelten, müssen ihre selbständige Tätigkeit beim Gewerbeamt anmelden und unterliegen damit der Gewerbeordnung. Die Gewerbeanmeldung ist kostenpflichtig. Das Gewerbeamt teilt dem Finanzamt und der Berufsgenossenschaft die Anmeldung des Gewerbes mit.

Urteile: Mehr IT-Freelancer werden als Freiberufler anerkannt

Urteile des Bundesfinanzhofs erweitern jetzt die Auslegung, welche IT-Tätigkeit als freier Beruf anerkannt wird. Das Online-Steuerbüro steuerberaten.de hat in einem kostenlosen PDF die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

Themenspecial zu freie Berufe versus Gewerbe mit PDF-Download:
www.steuerberaten.de/tag/freiberufler/

Die Urteile im einzelnen

Gleich drei Urteile hatte der Bundesfinanzhof zu fällen, in denen die steuerliche Einordnung selbständiger IT-Dienstleister Gegenstand der Verfahren war.

  • Ein staatlich geprüfter Betriebswirt- EDV hatte sich als Autodidakt in die Einrichtung und Wartung von Systemsoftware eingearbeitet und selbständig Firmen mit dieser Tätigkeit betreut. Der BFH stellte fest, dass die Breite und Tiefe seiner Aufgaben denen eines Diplom-Informatikers entsprochen haben und er damit einen ingenieurähnlichen, also freien Beruf ausgeübt habe.
    BFH, Az: VIII R 63/06
     
  • Auch einem weiteren Autodidakten, der vom Bildungsweg staatlich geprüfter Wirtschaftassistent DV war, billigte der BFH den Status eines Freiberuflers zu. Der Kläger hatte für seine Kunden IT-Systemberatung erbracht und als Externer firmenweite IT-Projekte geleitet. Nach Einschätzung des Gerichts lag dabei sehr wohl eine ingenieurähnliche Leistung vor, auch wenn der Ausbildung nach kein Ingenieursgrad vorlag.
    BFH, Az: VIII R 79/06
     
  • In einem weiteren Fall war ein Diplom-Ingenieur für technische Informatik als selbständiger Systemadministrator bei mehreren Unternehmen tätig und überwachte die Firmennetze u.a. mithilfe eigener Dienstprogramme. Der BFH stufte die Tätigkeiten als klassische Ingenieursleistungen ein und billigte den Status eines freien Berufs zu.
    BFH, Az: VII R 31/07

Was sollten Betroffene tun?

Alle, die ihre eigene selbständige Tätigkeit in den Präzedenzurteilen wiedererkennen, sollten schnellstmöglich ihrem Finanzamt mitteilen, dass sie als Freiberufler eingestuften werden möchten. Dies sollte in Form einer ausführlichen Schilderung der ausgeübten Tätigkeiten geschehen und zudem Belege (z.B. Rechnungen) enthalten. Folgt das Finanzamt der Darlegung, werden alle noch nicht bestandskräftigen Steuerbescheide geändert und die Gewerbesteuerbescheide aufgehoben.

Doch Vorsicht: Fällt die Gewerbesteuer weg, steigt die Einkommensteuer und dies kann teils erhebliche Nachzahlungsforderungen auslösen, auf die jeder Betroffene vorbereitet sein sollte.

Über steuerberaten.de:

Steuerberaten.de ist ein Internet-Portal der steuerberaten.de Steuerberatungsgesellschaft mbH und bietet seit Oktober 2008 Privatpersonen, Unternehmen, Vereinen und Gemeinschaften zum einen kostenfreie Hilfsmittel rund um das Thema ‚Steuern’. Zum anderen übernehmen erfahrene Experten steuerliche und buchhalterische Berechnungen zu günstigen Konditionen. Die Kosten der jeweiligen Steuerberatung können bereits vorab anonym errechnet werden. Die Registrierung ist kostenfrei, dem Nutzer stehen für seine individuellen Steuerfälle nach Auftragserteilung ein fester Steuerberater sowie ein Servicemitarbeiter zur Verfügung.

Leserfragen zum Thema Freiberufler

Selbständig als freischaffender Künstler, anmelden?

Hallo, ich möchte gern meine selbst gemalten Bilder zum Verkauf anbieten. Ich möchte gern eine eigene Homepage haben und dort meine Bilder präsentieren. Keine Preise angeben, sondern wer Interesse hat, soll mich einfach kontaktieren. Muss ich trotzdem ein Gewerbe anmelden und muss ich dann trotzdem Steuern zahlen? Gibt es da nicht eine besondere Regelung? Danke euch schon mal im Voraus für eure Hilfe.

Hallo an alle Interessierten,

wie schon richtig geschrieben wurde, sollte die Frage von einem Steuerberater beantwortet werden, daher melde ich mich als Steuerberater zu Wort.

Ich kann nur empfehlen sich direkt an Opens internal link in current windoweinen Steuerberater zu wenden, denn nur guter Rat vorher schont das Vermögen. 

Nun zur Rechtslage:

Wichtig ist, dass man die diversen, möglicherweise betroffenen, Steuerarten (Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer) getrennt beurteilt und dabei nichts vermischt.  "Sie rühren ja auch nicht den Nachtisch in die Vorspeisen-Suppe."

Hinzu kommt noch ggf. die Beachtung des Gewerberechts.

Sie merken wahrscheinlich jetzt schon, warum die Empfehlung "Steuerberater" ausgesprochen wurde.

Einkommensteuer:

Eine selbständig ausgeübte künstlerische Tätigkeit gehört zu den sogenannten freiberuflichen, nicht gewerblichen, Tätigkeiten. Die Abgrenzung zwischen Kunst und Gewerbe ist dabei sehr fließend und immer einzelfallabhängig.

Wird die künstlerische Tätigkeit mit der Absicht Gewinn zu erzielen ausgeübt, unterliegt sie der Einkommensteuer. Die Tätigkeit ist beim zuständigen Finanzamt, mittels amtlichem Vordruck, anzumelden - Empfehlung "Steuerberater".

Ob tatsächlich Einkommensteuer festzusetzen ist, hängt von vielen weiteren Faktoren ab, z. B. anderem Einkommen, Familienstand, Einkommen des Ehegatten, höhe privater Versicherungsbeiträge. Um also genauere Aussagen mach zu können, benötigt man genauere, vollständigere Angaben - Empfehlung "Steuerberater".

Gewerbesteuer:

Wenn eine freiberufliche Tätigkeit vorliegt besteht keine Gewerbesteuerpflicht.

Umsatzsteuer:

Hier genügt, im Gegensatz zur Einkommensteuer, die Absicht nachhaltig tätig zu sein und Einnahmen zu erzielen, eine Gewinnerzielungsabsicht ist nicht erforderlich. Auch wer als Künstler dauerhaft Verluste erzielt, die einkommensteuerlich nicht anerkannt werden, hat - unter weiteren Voraussetzungen - Umsatzsteuer zu zahlen.

Umsatzsteuerlich - und nur umsatzsteuerlich, nicht einkommensteuerlich - gibt es den gesetzlichen Begriff des Kleinunternehmers. Und auch nur in der Umsatzsteuer gibt es eine Wertgrenze. Als Kleinunternehmer werden solche Unternehmer (dazu zählen auch selbständige Künstler) bezeichnet, die in einem Kalenderjahr nicht mehr als 17.500 EUR Umsatz (= Einnahmen) erzielen. Diese Kleinunternehmer unterliegen nicht der Umsatzsteuer. Können allerdings freiwillig hierzu optieren - Empfehlung "Steuerberater".

Wer mehr als 17.500 EUR Einnahmen im Kalenderjahr hat, dessen Umsätze sind in voller Höhe umsatzsteuerpflichtig. Ab wann? - Empfehlung "Steuerberater". Ob die Einnahmen mit 19 % oder dem ermäßigten Steuersatz von 7 % zu versteuern sind, ist von weiteren Faktoren abhängig - Empfehlung "Steuerberater".

Eigene Bilder ("Werke der persönlichen Schöpfung") unterliegen in der Regel dem ermäßigten Steuersatz von 7 %. Aber auch hier gibt es Abgrenzungsprobleme und zahlreiche erläuternde Schreiben diverser Oberfinanzdirektionen - Empfehlung "Steuerberater".

Gewerberecht/Gewerbeanmeldung:

Wenn eine freiberufliche Tätigkeit vorliegt, findet die Gewerbeordnung keine Anwendung und somit ist auch kein Gewerbe bei der Gemeinde anzumelden.

Opens external link in new windowSteuerberater Kexel

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