Welche Krankenversicherung passt zu mir? - Vergleich GKV und PKV

In Deutschland besteht eine Krankenversicherungspflicht - bleibt die Frage, welches Versicherungsmodell für den Einzelnen das Richtige ist.

Bild: Benjamin Klack / pixelio.de

Voraussetzungen für einen Wechsel

Hier haben nicht alle Verbraucher die freie Wahl. Während die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) allen offensteht, gelten für den Eintritt in die private Krankenversicherung (PKV) Hürden. Beamte, Selbstständige, Freiberufler und Studenten können sich unabhängig vom Einkommen privat krankenversichern. Bei Angestellten ist ein Wechsel erst ab einem gewissen Bruttojahresverdienst möglich. Die von der Bundesregierung für 2012 festgelegte Summe der sogenannten Versicherungspflichtgrenze beträgt 50.850 Euro. Ob sich ein Wechsel von der GKV zu einem privaten Anbieter lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Während der Versicherungsbeitrag für Arbeitgeber und-Nehmer bei der Gesetzlichen Krankenversicherung ein fester Prozentsatz bis zur sogenannten Beitragsbemessungsgrenze ist (aktuell 15,5 Prozent), hängen die Beiträge zur PKV unter anderem vom Geschlecht und Alter des Kunden bei Vertragsabschluss, seiner medizinischen Vorgeschichte und dem gewählten Leistungsumfang ab. Da ein Wechsel für privat Krankenversicherte zurück in die GKV nur schwer möglich ist, empfiehlt sich vor dem Versicherungsabschluss eine genaue Analyse der persönlichen Verhältnisse. Dies kann durch einen Vergleichsrechner im Internet einfach und schnell erfolgen. Beispielverläufe können dabei exemplarisch die Beitragsentwicklung für Versicherte unter festgelegten Voraussetzungen für PKV und GKV in der Vergangenheit darstellen und so einen ersten Überblick geben.

Wechsel in die PKV in jungen Jahren lohnt sich

Der erste Vergleich wird mit dem Tarif A118, Z100/80, K20, KTV6 der Versicherungsgesellschaft „Alte Oldenburger“ unternommen. Der Leistungsumfang liegt oberhalb des gesetzlichen Standards. Der Auswertungszeitraum erstreckt sich über 15 Jahre von 1997 bis 2012. Folgende Annahmen wurden vorausgesetzt: Der Versicherte ist männlich, bei Versicherungseintritt 25 Jahre alt und weist normale Vorerkrankungen auf. Für die Beitragsberechnung der GKV wurde die Versicherungspflichtgrenze vorausgesetzt.Beitragsentwicklung AO - 25 Jähriger und GKV Es zeigt sich, dass der Beispielkunde vom Eintritt in die PKV bis heute durchweg niedrigere Krankenkassenbeiträge bezahlt hätte als in der GKV. Der Einstiegsbeitrag in der privaten Krankenversicherung betrug nach Angaben des Unternehmens 1997 rund 128 Euro. Hätte sich der Mann bei einem Einkommen über dem Beitragsbemessungssatz im gleichen Jahr freiwillig gesetzlich versichert, hätte er rund 427 Euro im Monat entrichtet. Die Differenz beträgt rund 300 Euro und bleibt über den Überblickszeitraum in etwa konstant. Bei einem Neueinstieg der Person 2012 bei gleichen Ausgangsparametern würde der PKV-Beitrag gerundet 390 Euro betragen, in der GKV wären fast 600 Euro fällig. Die monatliche Ersparnis als Privatversicherter schrumpft, läge aber immer noch bei gut 200 Euro.Beitragsentwicklung AO - 55 Jähriger und GKV Mit dem Alter steigen beim Neuabschluss die Beitragssummen für privat Krankenversicherte. Bei ähnlichen Voraussetzungen hätte ein 55-Jähriger 1997 bei der „Alten Olderburger“ (Tarif A118, Z100/80, K/S) monatlich gut 305 Euro Krankenkassenbeitrag bezahlen müssen. Der GKV-Beitrag lag bei rund 430 Euro. Die Ersparnis beträgt nur noch gut 120 Euro. Für den Versicherten hätte sich der Wechsel dennoch rentiert. Ein anderes Bild ergibt sich, wenn ein Eintritt derselben Person in die PKV im Jahr 2012 angenommen wird. Im Vergleich müsste diese Person in der PKV fast 200 Euro mehr bezahlen als bei der freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung. Die Gründe für den teils rasanten Anstieg der Beiträge in der PKV lassen sich auf steigende Behandlungskosten, ein immer höheres Alter der Kunden und den Anstieg schwerwiegender Krankheiten zurückführen. Die Kosten sind jedoch transparent. Die privaten Krankenkassen müssen sich Erhöhungen durch Treuhänder absegnen lassen. Diese geben nur grünes Licht, wenn die Ausgaben im vergangenen Jahr nachweislich die Einnahmen überstiegen. Während die Mitglieder der PKV kostendeckend arbeiten müssen, können die GKV auf staatliche Subventionen bauen, die die Beiträge einigermaßen stabil halten.  Um den Vergleich zu erweitern, sei exemplarisch die Beitragsentwicklung im privaten Krankenschutz der AXA-Versicherung dargestellt. Hier wurde ebenfalls auf Unternehmensinformationen zurückgegriffen. Die Beitragsentwicklung ist für einen versicherten 35-Jährigen mit einem Jahresbruttogehalt über der Versicherungspflichtgrenze mit normaler Krankheitshistorie im Zeitraum 2002 bis 2011 berechnet. Zugrunde liegt der Tarif EL-N, dessen Leistungsumfang mit dem der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar ist. Danach wäre der Versicherte im ersten Jahr mit einem monatlichen Beitrag von rund 140 Euro belastet gewesen. 2011 hätten seine Beiträge zur Privaten Krankenvorsorge bei 240,31 Euro gelegen. Im Vergleich würde auch diese Person gegenüber der GKV sparen.Beitragsentwicklung AXA und GKV Als Datengrundlage für die Errechnung des durchschnittlichen GKV-Beitragssatzes sowie der Beitragsbemessungsgrenzen dienten Auswertungen des StatistischenLandesamts Baden-Württemberg. Die Beiträge zur Pflegeversicherung sind bei den Beiträgen der AXA nicht eingerechnet.

 

Experten rechnen mit Beitragssteigerungen von durchschnittlich rund drei Prozent

Wie ist die künftige Beitragsentwicklung der Krankenkassen einzuschätzen? Experten der Deutschen Aktuarvereinigung haben die Entwicklung seit 1997 analysiert. Ihr Ergebnis: Die jährlichen Steigerungen liegen bei rund 3,1 Prozent (GKV) beziehungsweise knapp 3,3 Prozent (PKV). Vorsicht ist aber geboten: Die Rückstellungen der PKV könnten bei stark wachsenden Kosten nicht ausreichen, Beitragserhöhungen in unbekannter Höhe für die Versicherten wären die Folge. Gleichzeitig sind auch bei der GKV Beitragserhöhungen sowie Sonderbeiträge möglich, auch wenn die gesetzlichen Kassen aktuell auf einem milliardenschweren Kapitalpolster sitzen.Prognose Beitragsentwicklung PKV und GKVFazit: Wer in jungen Jahren bereits zu den Besserverdienern gehört, findet in der privaten Krankenversicherung meist bessere Bedingungen vor als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dagegen sollten die Risiken (beispielsweise sinkendes oder ausbleibendes Einkommen bei gleichzeitig hohen Beiträgen, Beitragsfortzahlung in voller Höhe bei Bezug von Kranken-, Mutterschafts- und Erziehungsgeld oder die Versicherung von Partner und Kindern ohne oder mit geringem Einkommen) aber vor einem Abschluss immer in Betracht gezogen und gegebenenfalls der Rat von Experten eingeholt werden. Autor: Sascha Rhode



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