Welche Folgen der Mindestlohn für einen Unternehmer hat

Die Mindestlohndebatte dauert nun schon Jahre an und inzwischen etabliert sich zumindest in der CDU ein klarer Plan: 7 Euro sollen es sein. Viele unterbezahlte Arbeitnehmer atmen auf und freuen sich auf die Lohnerhöhung – aber ganz so einfach ist es halt leider doch nicht.

Bild: INSM

Kleine Ursache, große Wirkung

In vielen Branchen sind Löhne von unter 7 Euro durchaus noch üblich – denken Sie nur an Frisöre oder Floristen. Und schon beginnen für die Unternehmer die Probleme: Die erste und naheliegendste Folge sind natürlich steigende Personalkosten. Wenn ein Unternehmer seinem Personal plötzlich 50 bis 100 Prozent mehr Lohn zahlen muss, fällt dies wesentlich ins Gewicht. Nun gibt es mehrere mögliche Szenarien:

Szenario 1: Preiserhöhungen

Der Unternehmer muss seine Preise drastisch anheben, um die Kosten zu decken. Stellen Sie sich vor, Ihr Otto-Normalverbraucher-Haarschnitt würde demnächst nicht mehr 20 Euro, sondern stattdessen 40 Euro kosten. Würden Sie das lustig finden? Wahrscheinlich die wenigsten Kunden. Oder wie viele Rosen à 20 Euro das Stück würden Sie Ihrem Partner noch mit nach Hause bringen?

Höchstwahrscheinlich würden die Kunden ausbleiben bzw. nicht mehr so oft erscheinen und dementsprechend die Umsätze sinken. Die gestiegenen Personalkosten könnten wiederum nicht mehr gedeckt werden und es müssten Arbeitsplätze gestrichen werden, um das Unternehmen überhaupt am Leben zu erhalten.

Szenario 2: Produktivitätssteigerung

Wenn die Personalkosten pro Mitarbeiter steigen, muss eben die Produktivität gesteigert werden. Da muss die Frisörin eben zukünftig pro Stunde mehr Haarschnitte schaffen und der Florist mehr Blumenarrangements binden. Hier gibt es zwei mögliche Folgen:

  1. Der Unternehmer erhöht den Arbeitsdruck und damit die Menge, steigert seinen Umsatz und fängt damit die höheren Personalkosten auf. Aber: Langfristig wird der Arbeitsdruck an den Nerven und an der Gesundheit der Mitarbeiter kratzen.
  2. Der Unternehmer baut Arbeitsplätze ab und verteilt die übrigen Arbeiten neu auf die verbleibenden Mitarbeiter. Der Umsatz bleibt gleich, aber die Gesamtpersonalkosten sinken. Die Arbeitsmenge steigt jedoch überproportional an. Wiederum wird dies langfristig die Motivation und die Gesundheit der Mitarbeiter negativ beeinflussen.

Szenario 3: Schlechtere Leistung

Der Unternehmer baut wiederum Arbeitsplätze ab, um die gesteigerten Personalkosten auszugleichen. Die verbleibenden Mitarbeiter übernehmen die Arbeit mit und müssen eventuell sogar mehr Stunden ohne Lohnausgleich arbeiten, um diese Zeit hereinzuholen. Die Folge ist in diesem Fall meist eine schlechtere Leistung.

Wir kennen dieses Mysterium aus schlecht laufenden Restaurants und Gaststätten. Um bei sinkenden Umsätzen die Kosten niedrig zu halten, arbeiten weniger Köche und Kellner. Dies wiederum führt jedoch zu einem schlechteren Service, einer schlechteren Qualität und längeren Wartezeiten. Dadurch bleiben die Gäste aber erst recht aus – eine Abwärtsspirale, aus der die meisten Unternehmen nicht mehr entkommen.

Szenario 4: Akzeptanz

Der Unternehmer akzeptiert den Mindestlohn als gegeben, ergreift keinerlei personelle Maßnahmen und macht weiter wie bisher. Die Folge lässt sich leicht ausrechnen:

Gleiche Umsätze - höhere Kosten = niedrigerer Gewinn

Doch ganz ehrlich: Welcher Unternehmer würde schon freiwillig einen wesentlich niedrigeren Gewinn in Kauf nehmen wollen und vor allem können?

Szenario 5: Alle ziehen an einem Strang

Ein zwar eher unwahrscheinliches Szenario, aber durchaus in manchen Branchen möglich: Alle Unternehmer erhöhen die Preise für ihre Dienstleistung, sodass die Kunden mehr oder weniger gezwungen sind, diese als gegeben anzunehmen. Dies hätte einen Gewinn für die Arbeitnehmer und die Kostenneutralität für die Unternehmer zur Folge. Aber:

  1. Dies würde nur in Branchen funktionieren, die zwingend benötigte Leistungen anbieten – nicht bei Luxusartikeln und -dienstleistungen wie dem Frisör- oder Restaurantbesuch.
  2. Im Endeffekt hinterlässt dies doch wieder kein Plus im Geldbeutel der Arbeitnehmer, da sie ja wiederum mehr Geld benötigen.

Was dem Selbstständigen der Mindestlohn bringt

Leider ist uns kein Szenario eingefallen, in dem ein Selbstständiger tatsächlich vom Mindestlohn profitieren könnte. Immerhin – Szenario Nr. 5 wäre kostenneutral für ihn, aber das war es dann auch schon. Alle anderen Szenarien enden mehr oder weniger im Ruin des Unternehmers. Damit ein Unternehmen derartig hohe Personalkostensteigerungen vertragen kann, muss es schon sehr gefestigt sein und einen sehr großen Gewinn erwirtschaften. Dies ist jedoch bei den meisten kleineren Betrieben nicht der Fall.

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