Versicherungsbetrug – Unternehmer im Visier der Assekuranzen

Versicherungsbetrug beschert der Versicherungswirtschaft jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Die Assekuranzen kalkulieren ihre Beiträge zwar entsprechend höher, doch bei einer Betrugsquote von knapp zehn Prozent ist es nur allzu verständlich, dass die Unternehmen Betrug oder auch nur den Betrugsversuch mittlerweile streng ahnden. Manchmal auch zu streng. Um nicht versehentlich ins Visier der Versicherer zu gelangen, sollten Existenzgründer und Unternehmer einige grundlegende Regeln beachten.

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Privater oder gewerblicher Schaden?

Um nicht bereits bei Vertragsabschluss einen gefährlichen Fehler zu begehen und später möglicherweise des Versicherungsbetrugs bezichtigt zu werden, sind gerade Existenzgründer gut beraten, ihre Gewerbeversicherung gemeinsam mit einem Experten auszuwählen. Wenn der Versicherungsschutz dann besteht, sollten Unternehmer insbesondere davon absehen, einen privaten Schaden oder den Schaden eines anderen aus Gefälligkeit über die eigene Firmenversicherung abzurechnen. Grundsätzlich gilt: Die Gewerbeversicherung greift nur bei solchen Schäden, die an dem Eigentum der versicherten Firma oder in Ausübung der versicherten gewerblichen Tätigkeit (tatsächlich) entstanden sind. Hier müssen insbesondere Einzelunternehmer aufpassen, dass sie keine Schäden aus dem privaten Bereich über die gewerbliche Versicherung abwickeln. Eine klare Trennung, welche Gegenstände, Werte und Vermögen zum Gewerbe gehören und welche privat sind, ist sowohl für diesen Zweck als auch aus steuerlichen Gründen sehr wichtig. Dafür können Inventarlisten nützlich sein. Wer „aus Versehen“ einen privaten Schaden als gewerblichen deklariert, könnte sich des Versicherungsbetruges strafbar machen.

Schon der Betrugsversuch ist strafbar

Nicht allen Versicherungskunden ist klar, dass Versicherungsbetrug kein Kavaliersdelikt, sondern ein Straftatbestand ist. Mit einer Strafe muss nicht nur rechnen, wer sein eigenes Büro in Brand setzt, um anschließend die Versicherungssumme zu kassieren. Schon wenn sie ihrer gewerblichen Versicherung – bei Vertragsabschluss oder im Schadensfall – falsche oder absichtlich unvollständige Angaben übermitteln, riskieren Unternehmer neben dem Verlust des Versicherungsschutzes eine Vertragskündigung und eine Anzeige. Kann ihnen der Betrug oder der Betrugsversuch nachgewiesen werden, müssen Täter mit einer saftigen Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe auf Bewährung rechnen. Die Versicherer ahnden Betrugsversuche mittlerweile im großen Stil – und zwar ungeachtet der Schadenshöhe.

Betrugsabwehr der Assekuranzen

Für die Betrugsabwehr setzen die Versicherungsunternehmen Detektive und ganze Abteilungen mit Spezialisten ein, die eintreffende Schadensmeldungen auf Ungereimtheiten überprüfen. Diese Maßnahme zeigt durchaus Wirkung: Nach Angaben der Versicherer lässt ein beachtlicher Teil der Versicherungsnehmer seine Forderung bereits dann wieder fallen, wenn ihm die eingehende Prüfung zum gemeldeten Schaden angekündigt wird. Für Kunden, die des Betrugs überführt oder wegen häufiger Schadensmeldungen auffällig werden, führt die Branche seit einigen Jahren eine Antibetrugs-Auskunftei. Wer einmal in dem sogenannten Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Assekuranzen registriert worden ist, wird es schwer haben, jemals wieder einen neuen Versicherungsvertrag bei einem anderen Versicherer zu erhalten.

Vertrauensschadenversicherung für Existenzgründer

Für Unternehmer, die ganz sicher keinen Versicherungsbetrug begehen würden, besteht noch immer die Gefahr, durch die eigenen Mitarbeiter geschädigt zu werden und in der Folge vielleicht auch wichtigen Versicherungsschutz zu verlieren. Um sich vor Vermögensdelikten wie Betrug, Veruntreuung oder Diebstahl zu schützen, können Existenzgründer eine Vertrauensschadenversicherung abschließen. Diese ersetzt solche Vermögensschäden, die dem Unternehmen selbst oder einem Dritten durch die Mitarbeiter oder andere Vertrauenspersonen der Firma verursacht worden sind.



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