Die Unisex-Tarife kommen

Am 07. November 2012 hat der Finanzausschuss der Einführung der Unisex-Tarife in den privaten Sozialversicherungen zugestimmt. Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und der FDP stimmten dem diesbezüglichen Gesetzesentwurf der Regierung zu. In der Praxis bedeutet dies, dass ab 21. Dezember 2012 alle Tarife der privaten Krankenversicherung sowie Berufsunfähigkeits-, Pflegerenten-, private Renten- und Risikolebensversicherung geschlechtsunabhängig berechnet werden müssen. Verträge, die bereits vor diesem Datum abgeschlossen wurden, behalten ihre Gültigkeit.

Bild: Andreas Morlok / pixelio.de

Die neuen Unisextarife und ihre Auswirkungen

In der Regel werden Versicherungsprämien nach dem sogenannten „Äquivalenzprinzip“ berechnet, das bedeutet, dass individuelle Risikofaktoren des Versicherten die Prämienhöhen beeinflussen. Im Bereich der privaten Absicherung gehört dazu neben Alter und Gesundheitszustand bislang auch das Geschlecht. Damit ist jetzt Schluss, denn nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) stellt die Geschlechterunterscheidung eine „unzulässige Diskriminierung“ dar. Ab Dezember 2012 werden also alle Tarife geschlechtsneutral berechnet, dies hat für die einzelnen Versicherten unterschiedliche Auswirkungen.

  • Die Beiträge für Frauen in der privaten Krankenversicherung bleiben weitgehend gleich, für Männer steigen sie um bis zu 30% an.
  • In der Berufsunfähigkeitsversicherung sinken die Beitragsprämien für Frauen um ein bis fünf Prozent, Männer zahlen im Unisextarif zwei bis zwölf Prozent mehr als vor der Umstellung
  • In der Pflegerentenversicherung profitieren Frauen von einer Beitragssenkung zwischen einem und acht Prozent, für Männer steigen die Prämien um 30 bis 40 %.
  • Die Beiträge der privaten Rentenversicherungen sind für Frauen rückläufig, sie zahlen zwischen zwei und drei Prozent weniger. Männer dagegen müssen mit einer Beitragssteigerung von fünf bis sechs Prozent rechnen.
  • Risikolebensversicherungen bringen auch für Frauen Beitragserhöhungen mit sich. Der Anstieg beträgt zwischen 30 bis 55 Prozent. Männliche Versicherte zahlen künftig weniger, die Beiträge sinken um sechs bis zehn Prozent ab.

Wie hoch die Beiträge in den neuen Tarifen konkret werden, lässt sich schwer pauschal sagen, denn nach wie vor spielen Alter und Gesundheitszustand beim Eintritt in eine Versicherung eine maßgebliche Rolle für die Versicherungsbeiträge. Wie die Beiträge der privaten Krankenversicherungen sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben, konnten wir bereits in einem früheren Artikel mit einem Beispiel zeigen.

Fakt ist jedoch: vor allem Männer zahlen künftig mehr, vor allem im Bereich der PKV haben sie das Nachsehen – und Frauen haben kaum einen Vorteil, denn die neuen Tarife werden nicht aus einem Mittelwert errechnet, sondern orientieren sich weitgehend an den höheren Beitragszahlungen, die bis jetzt schon für die Frauen gelten. Im Endeffekt werden die Versicherungsbeiträge steigen.

So lief es bisher in der Praxis

Wie es dem Inhaber des Gründerlexikons, Herr Montag in seiner privaten Krankenversicherung ergangen ist, können Sie natürlich auch im Gründerlexikon nachlesen, es handelt sich dabei quasi um einen Tatsachenbericht.

Für wen lohnt sich der Wechsel in den Unisex-Tarif?

Wer im Jahr 2012 einen Vertrag in den betroffenen Versicherungen abgeschlossen hat, hat aufgrund der geltenden Übergangsregelungen die Möglichkeit, in den Unisextarif zu wechseln. Bei den meisten Versicherern ist eine Wechseloption enthalten. Diese Option ist kostenlos. Automatisch geschieht dies in der Regel nicht und nicht für jeden ist ein Wechsel lohnenswert. Aufgrund der Beitragssteigerungen für Männer lohnt sich hier nur der Wechsel bei Risikolebens- oder Sterbegeldversicherungen. Frauen können profitieren, wenn sie innerhalb der Berufsunfähigkeitsversicherung, der privaten Krankenversicherung oder der privaten Rentenversicherung den Unisex-Tarif wählen.

Erst prüfen, dann versichern! 

  • Da für Männer die Unisex-Verträge in den meisten Fällen eine Beitragserhöhung bedeuten, macht es Sinn, noch bis zum 20. Dezember 2012 eine entsprechende Versicherung abzuschließen, denn dann gelten die Bisex-Tarife.
  • Keinesfalls sollte man jedoch überstürzt handeln, der Wechsel sollte nur mit einem seriösen Berater durchgeführt werden.
  • Falls sich durch die Einführung des Unisex-Tarifes der Beitrag verringern sollte, bieten die meisten Versicherer für einen bestimmten Zeitraum an, in den günstigeren Tarif zu wechseln – dieses Umstufungsrecht wird ohne Zusatzkosten angeboten. Vor Vertragsabschluss sollte geprüft werden, ob dieses Recht im Vertrag enthalten ist.
  • Grundvoraussetzung für den Umtausch ist, dass der Vertrag nicht beitragsfrei gestellt ist, außerdem darf kein Leistungsantrag gestellt sein.
  • Wer keinen dringenden Bedarf hat, sollte mit dem Abschluss bis nach Einführung der Unisextarife warten, denn erst dann stehen die Beiträge fest und ein Marktvergleich ist möglich.

Vorsicht bei Vertragserweiterungen!

Änderungen und Erweiterungen bestehender Bisex-Verträge nach dem 21. Dezember 2012 bedeuten gleichzeitig einen Wechsel in den Unisextarif, denn die Änderungen werden wie Neuabschlüsse behandelt. Nicht gültig ist diese Regelung für bestehende Versicherungsverträge mit Dynamikoption, im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherungen schützen Nachversicherungsgarantien den Verbleib in den Bisex-Tarifen.

Grundlegender Unterschied gesetzliche und private Krankenversicherung

Auch darüber hat das Gründerlexikon in der Vergangenheit berichtet, lesen Sie unseren Arikel dazu!

Irrglaube beim Absetzen der Krankenversicherung

Eine nicht geringe Zahl der Unternehmer geht davon aus, dass die Krankenversicherung als Betriebsausgabe absetzbar ist, doch das widerlegt das Gründerlexikon.



Sind Sie der geborene Unternehmer? Machen Sie jetzt den Test!