Gehaltscheck: Wieviel sollte ich den Mitarbeitern zahlen?

Wie viel Gehalt ist angemessen? Und wie findet man heraus, wie viel man seinen Mitarbeitern bezahlen sollte? Die Gehaltsfindung ist für den Arbeitgeber immer mit Recherchearbeit verbunden und ob er den richtigen Wert ermittelt hat, erfährt er immer erst, wenn es an die Gehaltsverhandlungen geht und er sich mit dem Mitarbeiter tatsächlich einigen kann. Folgenden Chart haben wir in einer Gehaltsstudie von "alma mater" aus dem Jahre 2010 gefunden. Das sind zwar schon ein paar Jahre her, ich glaube jedoch, dass immer noch ein repräsentativer Vergleich gezogen werden kann. Die genannte Firma wurde scheinbar aufgekauft, daher hab ich diese Studie nicht finden können und aus diesem Grund nicht verlinkt. Ein recht guter Artikel dazu, auch mit weiteren Grafiken, ist bei cross water zu finden.

IT-Einstiegsgehälter je Branche im Vergleich zum jeweiligen Branchendurchschnitt von alma mater Gehaltsvergleich
Bild: alma mater Gehaltsvergleich 2010 via crosswater-job-guide.com/archives/10466

So einfach könnte es sein – würden alle gleich verdienen

Wenn Sie nach DER festen Formel suchen, nach der Sie das angemessene Gehalt Ihres Mitarbeiters berechnen können, müssen wir Sie leider enttäuschen. In das Gehalt fließen verschiedenste Kriterien ein, zum Beispiel:

  • Beruf
  • Branche
  • Aus- und Weiterbildung
  • Berufserfahrung
  • etwaige Spezialkenntnisse
  • Region
  • Unternehmensgröße
  • Verhandlungsgeschick des Arbeitnehmers

Deshalb lässt sich der Lohn auch nicht pauschal beziffern, sondern wird immer eine Ermessensentscheidung darstellen. Eine solche einfache Formel wäre nur dann möglich, wenn es in Deutschland Lohngleichheit gäbe – gleiche Arbeit also immer gleich entlohnt würde. Dies ist aber nicht der Fall.

Methodenmix: So ermitteln Sie das passende Gehalt

Es gibt keine Quelle, der Sie einwandfrei entnehmen können, welches Gehalt für Ihren Mitarbeiter angemessen sein wird. Am besten ist es, wenn Sie die Daten aus verschiedenen Quellen heranziehen und daraus einen Mittelwert ermitteln. Sie können unter anderem diese Methoden nutzen:

  • Austausch: Treffen Sie sich regelmäßig mit anderen Unternehmern? Befragen Sie sie nach ihren Erfahrungen. Dies ist eine besonders lohnenswerte Quelle, wenn es sich um Unternehmen derselben oder verwandter Branchen handelt oder es um einen branchenübergreifenden Beruf geht (z. B. Reinigungskraft, Helfertätigkeiten).
  • Gehaltsvergleiche im Internet: Nutzen Sie Gehaltsvergleiche im Internet, um sich einen groben Anhaltspunkt zu verschaffen. Warum sie allerdings mit Vorsicht zu genießen sind, dazu weiter unten mehr.
  • Gehaltsvergleiche von Beratungsfirmen: Zahlreiche große Unternehmens- und Personalberater (z. B. Kienbaum) veröffentlichen jährlich große Gehaltsstudien. Insbesondere für Akademiker liefern sie interessante und einigermaßen valide Zahlen, wobei hier stets nur mit Spannen gearbeitet werden kann (z. B. Jahresgehalt 39.000 bis 55.000 Euro).

Tarifverträge: Gibt es in Ihrer Branche einen Tarifvertrag? Dann kann er Ihnen zuverlässige Angaben über die üblichen Gehälter liefern, auch wenn Sie nicht tarifgebunden sind. Auch die Tarifverträge verwandter Branchen können hilfreich sein.

gründerlexikon tipp
Was ist eigentlich ein Lohnjournal?

Ein Lohnjournal ist eine tabellarische Zusammenfassung aller Personalaufwendungen pro Arbeitnehmer innerhalb definierter Zeiträume.

Die Rolle der Bewerber: Sehr wichtig für die Gehaltsfindung

Auch die Bewerber auf Ihre Stellenausschreibung helfen Ihnen, das angemessene Gehalt zu finden. Häufig kommt es vor, dass Unternehmer erst bei einer Neueinstellung herausfinden, dass die bereits beschäftigten Mitarbeiter bei dem aktuellen Lohnniveau eigentlich unterbezahlt sind. Gerade wenn in einem Bereich ein Fachkräftemangel vorherrscht, können Bewerber oftmals deutlich höhere Löhne verlangen. Es hilft dann nicht, sich an den Gehältern der bereits bestehenden Mitarbeiter zu orientieren.

Verlangen Sie deshalb in der Stellenausschreibung immer, dass vom Bewerber eine Gehaltsvorstellung genannt wird. Werten Sie diese Angaben unter allen Interessenten aus, um einen groben Mittelwert dessen zu erhalten, was die Bewerber für genau diese eine Stelle aktuell als angemessen empfinden. Besonders wenn Sie viele Bewerbungen bekommen, ist diese Methode eine der sichersten, wenn es um die Gehaltsfindung geht.

Achtung: Machen Sie nicht den Fehler, Ihre persönliche Gehaltsvorstellung bereits in der Stellenausschreibung zu nennen. Dies verschlechtert nämlich nicht nur Ihre Verhandlungsposition, sondern schreckt zugleich auch potenzielle Bewerber mit abweichenden Gehaltsvorstellungen ab, selbst wenn man sich im Rahmen der Verhandlungen sogar hätte annähern können.

Warum Sie Gehaltsvergleiche nicht für bare Münze nehmen sollten

Dass Gehaltsvergleiche maximal eine erste Orientierung ermöglichen, zeigt sich bei genauerer Betrachtung. Sehen wir uns als Beispiel einmal an, was eine Bürokauffrau in Berlin laut nettolohn.de verdienen soll (Stand: 13. August 2016):

Gehaltsvergleich
passfoto torsten montag
Gehaltsvergleich zu Berufen in Deutschland, Österreich und Schweiz

In diesem PREMIUM Bereich habe ich Ihnen einige sehr umfangreiche Gehaltsvergleichsseiten zusammengetragen. Hier können sowohl für Ausbildungsberufe, als auch Studienberufe, Geschäftsführer, Manager, Handwerker, Bürojobs, Berufseinsteiger, Fachkräfte oder Azubis in Deutschland, Österreich und der Schweiz Gehaltsvorstellungen abgefragt werden.

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Der Durchschnittswert von 1.817,19 Euro brutto hört sich grundsätzlich gar nicht so schlecht an. Doch sehen Sie sich die Spannen an, mit denen hier gearbeitet wird. Hier tun sich gleich mehrere Probleme auf:

  • Angeblich sollen die Gehälter auf 40 Wochenstunden basieren. Der geringste angegebene Lohn von 685,22 Euro würde bei 40 Wochenstunden einen Stundenlohn von rund 4 Euro ergeben und damit deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn sowie wahrscheinlich sogar unter der Wuchergrenze liegen. Eventuell stammen sie von einem Auszubildenden. Diese Werte sind also nicht realistisch, gehen aber dennoch in den Durchschnitt ein.
  • Der höchste angegebene Betrag von 5.066,16 Euro wird einer normalen Bürokauffrau in keiner deutschen Branche gezahlt. Wahrscheinlich stammt die Angabe von einer gelernten Bürokauffrau, die im Laufe der Jahre zusätzliche verantwortungsvolle Aufgaben übernommen hat.
  • Die errechneten Durchschnittsverdienste sind bei solchen Minimal- und Maximalangaben zweifelhaft.
  • Die Werte stammen höchstwahrscheinlich von Menschen, die in der Datenbank Abfragen vorgenommen und dazu ihre eigenen Daten hinterlegen mussten. Inwiefern eine Validierung der Daten vorgenommen wird, ist anhand der obigen Daten eher zweifelhaft.
  • Ruft man die Gehaltsdaten für die Bürokauffrau bei anderen Portalen ab, ergeben sich völlig abweichende Werte von 2.068 Euro (gehalt.de), 2.264,63 Euro (steuerklassen.com), 1.746,38 Euro (gehalt-tipps.de), 2.098,89 Euro (lohnanalyse.de) oder 1.765,17 Euro (gehalts-check.de). Damit sind Sie soweit wie vorher.

Sinnvoller ist es beispielsweise, den Gehaltsvergleich von gehalt.de zu nutzen. Hier werden Ihnen zu dem abgefragten Beruf neben der Gehaltsspanne auch die einzelnen Einträge inklusive Branche, Unternehmensgröße, Alter und Geschlecht angezeigt. Dies kann Ihnen tatsächlich helfen, ein angemessenes Gehalt für Ihre Branche zu finden:

Gehaltsvergleich Gehalt

Aber Vorsicht: Ziehen Sie die Daten nur dann in Betracht, wenn Sie mehrere passende Datensätze finden, die sich auf einem ähnlichen Level befinden. Ansonsten könnte es sich wieder um einmalige Ausreißer oder um Falschangaben handeln.

Was ist ein Gehaltsnachweis?

Fast jeder, der schon einmal eine Wohnung anmieten oder einen Kredit aufnehmen wollte, hat es erlebt: Ohne einen Gehaltsnachweis hat man in den Verhandlungen mit Vermietern und Banken schlechte Karten. Aus gutem Grund, denn wer möchte schon einem anderen seine Werte anvertrauen, ohne zu wissen, dass jener Vertragspartner auch seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Neben der meist üblichen SCHUFA-Auskunft – aus der sich die Bonität des Vertragspartners ableiten lässt – gilt ein Gehaltsnachweis als Beweis der wirtschaftlichen Sicherheit und Leistungsfähigkeit. In der Regel werden von Vermietern die drei letzten Gehaltsnachweise gefordert. Bei Banken und anderen Kreditinstituten richten sich die Anforderungen oft nach der Höhe und Dauer des Darlehens.

Angestellte und Arbeiter erhalten in der Regel monatlich mit der Auszahlung ihres Lohnes und Gehaltes von ihrem Arbeitgeber eine schriftliche Abrechnung. In vielen Unternehmen werden die Gehaltsnachweise meist maschinell erstellt und dem Arbeitnehmer automatisch per Mail oder Post zugesandt. In der Regel enthalten sie einen Nachweis über den Bruttolohn bzw. das Bruttogehalt, die an das Finanzamt abgeführten Steuern und die an die Sozialversicherungsträger entrichteten Beiträge, und natürlich eine Angabe über den an den Arbeitnehmer ausgezahlten Nettobetrag. Spätestens zum Jahresende, oft schon kumuliert im Laufe des Jahres, beinhaltet die Auflistung einen Überblick über die gezahlten und abgeführten Jahressummen.

Wie erhält der Selbstständige oder Freiberufler einen Gehaltsnachweis?

Anstelle eines Gehaltsnachweises wird bei dieser Personengruppe oft auf die letzten Bescheide zur Einkommenssteuer zurückgegriffen.

Auch wenn Gehaltsnachweise stets nur einen Überblick über die Vergangenheit liefern können, so dienen sie doch vielen potentiellen Geschäftspartnern als Grundlage für eine Prognose für die Zukunft, und gehören daher zu den unverzichtbaren Dokumenten im Geschäftsverkehr. Und auch im Kontakt mit öffentlichen Stellen, wie Finanzämtern, Sozialversicherungsträgern und anderen Unternehmen kann es notwendig werden, ein einmal in der Vergangenheit bezogenes Gehalt nachzuweisen. Die Dokumente sollten daher von den Arbeitnehmern stets sicher aufbewahrt und nicht vernichtet werden.

Steuerliche Änderungen in 2017

Viele Arbeitnehmer erhalten ab Januar 2017 mehr Netto vom Brutto. Ursache ist die Erhöhung des Grundfreibetrags auf 8.820 Euro und der Kinderfreibeträge auf 4.716 Euro. Entscheidend ist unter anderem auch die Höhe der Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Schnitt wird bei der Berechnung von einem Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent ausgegangen. Arbeitnehmer, die ein Brutto-Gehalt ab 6.500 Euro monatlich beziehen, zahlen ab 2017 drauf.

Wie sich die Änderungen in den steuerlichen Freibeträgen in 2017 auswirkt, zeigt die unten stehende Infografik. Dabei sind beispielhaft verschiedene Gehaltsstufen für Singles, Verheiratete mit und ohne Kinder angegeben. 

In 2018 sollen die Grund- und Kinderfreibeträge ebenfalls nochmals steigen. Für Unternehmer ist es wichtig, die konkreten Zahlen immer im Blick zu behalten.

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Quelle: Datev.de
Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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