Am von Torsten in Urteile geschrieben
Bewerten Sie jetzt!
Steuerrecht

Steuermodernisierungsgesetz: Vieles wird einfacher und schneller

Es wurde und viel darüber diskutiert, wie das aktuelle Steuergesetz vereinfacht werden kann. Vor allem was die Abgabe von Steuererklärungen angeht. Im Zeitalter des Web 3.0 und Industrie 4.0 befinden sich die Behörden was das angeht noch im Steinzeitalter. Durch das Steuermodernisierungsgesetz versucht man nun, langsam aus dem technologischen Steinzeitalter herauszukommen.

Steuermodernisierungsgesetz beschlossen
© Gordon Gross / pixelio.de

Berlin, 03. Juni 2016 - Es ist zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe, ein Steuersystem für 81 Millionen Einwohner zu modernisieren und dabei auf alle Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen und trotzdem einen umfassenden Datenschutz zu gewährleisten. Daher kann der Weg Richtung Digitalisierung nur Schritt für Schritt vorgenommen werden. Das Steuermodernisierungsgesetz, welches Mitte Mai vom Bundestag abgesegnet wurde, soll dabei helfen, berichtet steuertipps.de. Im Juni muss jedoch noch der Bundesrat dem Gesetz zustimmen.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Unternehmer weniger Belege abgeben müssen und vieles auf elektronischen Weg klären können. Was allerdings nicht einfacher geworden ist, sind die Formulierungen in den Gesetzen. Im Gegenteil, diese sind teilweise um das 7-fache länger geworden und damit komplizierter zu verstehen. Hintergrund ist jedoch, dass es teilweise mehr Freiheiten gibt. Die Details dazu später im Text.

Elster und weniger Belege

Es bereits heute so, dass Belege nicht hinterher geschickt, sondern nur auf Verlangen des Finanzamts abgegeben werden müssen. Das bleibt auch in Zukunft so bestehen. Auch die Steuererklärung per Computer online abzugeben - sprich per Elster - soll attraktiver werden. So soll zum Beispiel die vorausgefüllte Steuererklärung noch weiter ausgebaut werden. Die wichtigsten Bausteine, die, die beim Steuersparen helfen, fehlen natürlich und können auch nicht vorausgefüllt werden. Ziel der Finanzämter ist es, die Bearbeitungszeit der Steuererklärungen von derzeit im Schnitt 40 Tagen auf nur noch 10 Tagen zu reduzieren.

Computer prüfen Steuererklärungen

Elektronisch abgegebene Steuerklärungen können von Computern geprüft werden. Heute wird fast jede dritte Steuererklärung von Computern geprüft. Diese Quote soll sogar auf 80 Prozent steigen. Lediglich Sonderfälle, die über ein Risikomanagementsystem herausgefiltert werden, sollen dann persönlich von einem Finanzbeamten geprüft werden. Dadurch kann die Bearbeitungszeit drastisch reduziert werden. Der Gesetzgeber muss auch auf ein weiteres Problem reagieren: Eine überaltertes Personal. In den nächsten Jahren werden viele Finanzbeamte in den Ruhestand gehen. Diese Lücke kann nicht durch “Nachwuchs” geschlossen werden. Andererseits können so auch Personalkosten eingespart werden. Kosten, die der Steuerzahler zu tragen hat. Allerdings wurde ebenfalls festgehalten, dass der Aspekt der Wirtschaftlichkeit hier nicht oberste Priorität bei der Gestaltung von Steuermodernisierungsmaßnahmen hat.

Längere Fristen für alle

Interessant ist auch, dass es längere Fristen zur Abgabe der Steuererklärung gibt. Dieser Teil des Gesetzes wurde - was den Inhalt angeht - beispielsweise auf das 7-fache aufgebläht. Von ursprünglich 112 Wörtern auf nun 794 Wörter. Kurz gesagt, haben diejenigen, die ihre Steuererklärung selbst machen, haben 2 Monate länger Zeit, bis 31. Juli des Folgejahres. Unternehmer, die ihre Steuererklärung vom Steuerberater machen lassen, haben sogar 14 Monate Zeit dazu. Der Inhalt dieses Teils des Gesetzes wurde deswegen erweitert, weil Finanzämter und Landesfinanzbehörden hier Spielräume erhalten, individuelle Fristen festzulegen.

25 Euro Strafe für jeden überfälligen Monat

Wer mit seiner Steuererklärung ins Hintertreffen gerät, muss mit einer Strafe von 25 Euro je Monat rechnen. Allerdings ist das eine Kann-Bestimmung. Der zuständige Finanzbeamte muss nicht von dieser Strafe Gebrauch machen. Und generell werden keine Strafen verhängt, wenn ein Unternehmer sowieso keine Steuern nachzahlen muss.

Kommunikation mit dem Finanzamt auch elektronisch möglich

Auch die Kommunikation mit dem Finanzamt soll in Zukunft digitalisiert und damit einfacher gemacht werden. Das betrifft vor allem Einsprüche, Unterlagen, Bescheide usw. die elektronisch zugestellt werden können.

Änderungen ab 2017 gültig

Die Änderungen sollen ab nächsten Jahr gelten. Für Unternehmer bedeutet das, dass die neuen Gesetze gelten, wenn sie ihre Steuererklärung im Jahr 2018 für 2017 abgeben. Mehr Informationen und die Diskussion im Deutschen Bundestag sind hier zu finden.

vg wort pixel

Die vorausgefüllte Steuererklärung: Eine Hilfe für Unternehmer?

Bereits seit 2014 können Unternehmer und Selbstständige die vorausgefüllte Steuererklärung nutzen. Dieser Service wird von den Finanzbehörden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Eine Pflicht zur Nutzung dieses Service gibt es nicht. Doch hilft er wirklich? Auf was sollten Unternehmer weiterhin achten?

Umfrage zu deutschen Finanzämtern

Anfang des Jahres veröffentlichte Steuertipps.de das Ranking der kundenfreundlichsten deutschen Finanzämter für 2016. Über 15.000 Nutzer stimmten ab. Auf Platz 1 gelangte das Finanzamt Löbau aus Sachsen. Bei der Wertung nach Bundesland, gelangte Rheinland-Pfalz auf den ersten Platz. Bewertet wurden die Behörden in den Kategorien Freundlichkeit, Geschwindigkeit und Erreichbarkeit.

Steuererklärung beim unzuständigen Finanzamt abgeben genügt zur Fristwahrung

Wer seine Steuererklärung bei einem Finanzamt abgibt, das nicht für den Unternehmer zuständig ist, wahrt mit der Abgabe trotzdem jegliche vorgegebene Frist. Ein Versäumnis geltender Fristen kann nicht damit begründet werden, dass dem zuständigen Finanzamt die Steuererklärung an besagter Frist nicht vorgelegen habe. Eine Einhaltung der Frist liegt zudem vor, wenn die Steuererklärung vor Fristende in den Briefkasten des Finanzamts geworfen wurde.