Am von Ruben in Urteile geschrieben und am 17.07.2019 um 09:33 aktualisiert
Chef muss sich nicht alles gefallen lassen

Fristlose Kündigung: Heimliche Aufnahme eines Personalgesprächs

Unternehmer die Angestellte beschäftigen, führen hin und wieder ein Personalgespräch. Sei es einfach um aktuelle Dinge zu besprechen oder weil es “sein muss”. Fakt ist, ein Angestellter, der das Personalgespräch mit dem Chef heimlich aufnimmt, darf fristlos gekündigt werden. Auch wenn er schon Jahrzehnte in der Firma tätig ist. Das hat das LAG Frankfurt am Main bestätigt.

Gespräch abhören
Unternehmer, deren Angestellte Gespräche heimlich mitaufzeichnen, dürfen fristlos entlassen werden.
© Couleur / pixabay.com

Frankfurt am Main, 05. Januar 2018 - In einem konkreten Fall hatte ein Angestellter bereits eine Abmahnung erhalten, da er Kollegen beschimpfte. Nachdem der Kollege sich nicht änderte, lud der Unternehmer den Angestellten zu einem Personalgespräch ein.

Der Arbeitnehmer nahm das Gespräch jedoch heimlich mit seinem Smartphone auf. Als der Arbeitgeber einige Zeit danach davon erfuhr, kündigte er ihn trotz 25 Jahre Betriebszugehörigkeit fristlos. Der Angestellte ging deswegen vor Gericht.

Richter geben Unternehmer recht

Der Angestellte verteidigte sich, indem er behauptete, er wusste nicht, dass solche Aufnahmen verboten seien. Außerdem lag das Handy die ganze Zeit über offen auf dem Tisch. Doch das heimliche Mitschneiden von Personalgesprächen verletzt das allgemeine Persönlichkeitsrecht nach Art. 2 Abs. 1 und Art. 1 Abs. 2 des Grundgesetzes.

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Zwar müssen bei einer außerordentlichen fristlosen Kündigung die Interessen von beiden Seiten abgewogen werden. Doch trotz 25 Jahre Betriebszugehörigkeit überwiegen in dem Fall die Interessen des Unternehmers. Die Heimlichkeit der Aufnahme sei in keinem Fall zu rechtfertigen gewesen. Außerdem erhielt der Angestellte zuvor eine Abmahnung, da er Kollegen beleidigte (Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 23.August 2017 Aktenzeichen 6 Sa 137/17).

Fazit: Es ist nicht einfach, gutes Personal zu finden. Fakt ist aber auch, dass sich ein Unternehmer keinesfalls alles gefallen lassen muss. Gerade wenn das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört ist, sollten auch drastische Schritte in Erwägung gezogen werden.

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