Vermittlungsvorrang vs. Gründungszuschuss - so setzt die Arbeitsagentur die Kürzungen durch

Es dürfte keinem Existenzgründer unbemerkt geblieben sein: Seit dem 28.12.2011 traten beim Gründungszuschuss der Arbeitsagentur für Gründer aus der Arbeitslosigkeit einige einschlägige Änderungen in Kraft. Die wichtigsten Änderungen vor dem Hintergrund eines Einsparungsziels von ca. 800 Mio. Euro pro Jahr waren die Kürzung der Auszahlungszeit (1. Phase) von neun auf sechs Monate sowie die Umstellung von einer Muss- zu einer Kann-Leistung.

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Letzteres bedeutet, dass man als Gründer, auch wenn sämtliche Antragsvoraussetzungen erfüllt sind (z.B. 150 Tage (zuvor 90 Tage) Restanspruch auf ALG 1), keinen Anspruch mehr auf die Auszahlung des Zuschusses hat und somit eine Bewilligung im Ermessen der zuständigen Mitarbeiter bei der Arbeitsagentur liegt.

Vermittler halten Gründer vom Gründen ab

Die zuständigen Vermittler bei den Arbeitsagenturen haben die strenge Anweisung erhalten, so viele Gründer von dem Gründungszuschuss abzuhalten wie möglich, um entsprechende Einsparungsziele einhalten zu können. Die Konsequenz: Schon in einem ersten Gespräch mit einem potentiellen Gründer wird dieser häufig mit dem Vorwand, er hätte nach der Gesetzesänderung keine Chance auf den Gründungszuschuss, ohne Aushändigung der Antragsformulare nach Hause geschickt. Laut Aussagen der Arbeitsagentur sollte diese kategorische Ablehnung allerdings nicht erfolgen. Wenn ein Gründer auf den Antrag besteht, so sollte er ihm auch ausgehändigt werden.

Gründerzahlen sinken dramatisch

Dieses Auftreten der Vermittler hat sich allerdings schon jetzt drastisch in den Gründungszahlen niedergeschlagen. Laut kürzlich veröffentlichter Zahlen der Bundesagentur für Arbeit wurden im Januar 2012 ca. 4.700 und im Februar 2012 nur knapp 1.600 Gründungen mit Gründungszuschuss vollzogen. Dies entspricht im Vergleich zu den entsprechenden Zahlen im Jahre 2011 einem Rückgang von 64% im Januar und sogar 82% im Februar! Dieser Rückgang ist jedoch nicht dadurch bedingt, dass 82% der Anträge abgelehnt werden sondern dadurch, dass viel weniger Anträge überhaupt gestellt werden und das hat wohl in erster Linie mit dem abschreckenden Verhalten der Vermittler zu tun.

Nur gute Vorbereitung sichert den Gründungszuschuss

Allen Existenzgründern möchten wir raten, den Gründungszuschuss-Antrag in jedem Fall zu stellen und sich entsprechend auf die Gespräche mit dem Vermittler vorzubereiten. Dazu sollte man vielleicht Folgendes wissen: Die Vermittler werden Ihren Antrag zunächst anhand dieser beiden Fragen prüfen: 

  1. Gibt es zur Gründung Alternativen, die wirtschaftlicher bzw. nachhaltiger sind?  
    (Vermittlungsvorrang)
  2. Ist der Gründungszuschuss notwendig zur Sicherung des Lebensunterhalts? 
    (finanzielle Situation des Gründers sowie eventuelle Abfindungen)

Auf diese Fragen sollte man sich als Gründer sehr gut - idealer Weise mit einem erfahrenen Gründungsberater - vorbereiten. Außerdem sollte ein professioneller Businessplan die vorbereiteten Argumente unterstützen. Die Notwendigkeit kann in einem Businessplan z.B. im Rahmen einer Mindestumsatzberechnung einmal mit und einmal ohne Gründungszuschuss unterstrichen werden.

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Über den Autor:

 

Nico Reichelmann ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Businessplan.org, die sich zum obersten Ziel gemacht hat, Existenzgründer ganzheitlich auf dem Weg in eine erfolgreiche Existenzgründung zu unterstützen. Hierzu hat die Unternehmensberatung Businessplan.org ein Netzwerk an ausgewählten, professionellen Gründungsberatern gebildet, um Gründern deutschlandweit eine Anlaufstelle für qualifizierte Beratung zu bieten. Die Businessplan.org erreichen Sie unter:



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