Der Bundestrojaner in der Elstersoftware?

In den letzten Jahren hört man immer häufiger vom Bundestrojaner. Aktuell ist er wieder in aller Munde, nachdem die deutschen Innenminister im Dezember 2011 beschlossen haben, dass es eine Neuauflage des Bundestrojaners geben soll. Wir haben ein sehr aufschlussreiches Interview zu diesem Thema mit Niels Dettenbach von Syndicat geführt, der mit einigen hartnäckigen Falschinformationen aufräumt und nützliche Tipps gibt, wie sich jeder von uns vor solchen Eingriffen in unsere Privatsphäre schützen kann.

Bild: geralt / pixabay.com

Torsten Montag

Über die Presse bekommt man ja immer nur die Hälfte der Wahrheit mit. So habe ich bisher gehört, dass angeblich über die Steuerschnittstelle Elster ein Bundestrojaner auf den Rechnern der Benutzer verteilt wird. Wir empfinden das als sehr clever, da inzwischen aufgrund der Verpflichtung zur elektronischen Abgabe der Steuererklärung die meisten Bundesbürger mit Elster arbeiten. Was sagst du dazu?

Niels Dettenbach

Der Chaos Computer Club gab in der Tat schon 2007 eine (später revidierte) Meldung über einen angeblichen Bundestrojaner heraus, hatte dies aber eigentlich als Aprilscherz angesehen. Der CCC wollte die Öffentlichkeit damals für das Thema des sogenannten Bundestrojaners sensibilisieren, was bis dato kaum beachtet wurde. Mit dieser Spähsoftware wollte der Staat „Online-Durchsuchungen“ durchführen.

Torsten Montag

Der Bund hält ja für Gründer viele kostenlose Angebote bereit, beispielsweise das Softwarepaket für Existenzgründer des BMWi. Dieses Paket weist einen enormen Umfang auf, wenn man bedenkt, dass Unternehmens- oder Steuerberater für die Erfassung und Auswertung solcher Daten viele Mitarbeiter beschäftigen. Hältst du es für möglich, dass der Bund solche kostenlosen Angebote nutzt, um seinen Bundestrojaner zu verteilen?

Niels Dettenbach

Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der Bund seine Spionagesoftware so ungefiltert breit verteilen würde. Nicht nur, dass es verfassungswidrig wäre, eine solche Spionagesoftware ohne richterliche Genehmigung auf jeden beliebigen Rechner aufzuspielen; die Gefahr wäre auch viel zu groß, dass die Software entdeckt und enttarnt würde. Bei solcher Software handelt es sich ja nicht etwa um einen einfachen Trojaner, wie ihn mittels Baukästen heutzutage bald jeder Endanwender basteln könnte, sondern um hochentwickelte Softwareprodukte, die in der Entwicklung sehr viel Geld kosten. Niemand wird riskieren, dass sie durch eine unkontrollierte Verbreitung enttarnt und somit „verbrannt“ würden. Bisher scheint es so, dass die Spionagesoftware vor allem bei Zollkontrollen an (bevorzugt bayrischen) Flughäfen oder bei Hausdurchsuchungen eingesetzt wird.

Lesen Sie im nächsten Teil dieses Interviews, wie der Bundestrojaner erkannt werden kann.

 

 



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