Am von Ruben in Buchführung und Steuererklärung geschrieben
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Vorsteuerabzug jetzt weniger komplex

Vorsteuerabzug: Ausstellungsdatum unter Umständen ausreichend

Die formalen Anforderungen an Rechnungen sind sehr hoch, wenn es darum geht, dass Unternehmer einen Vorsteuerabzug in Anspruch nehmen wollen. Der Bundesfinanzhof hat jetzt in einem Urteil jedoch klar gemacht, dass auch der gesunde Menschenverstand von den Finanzbehörden eingesetzt werden sollte. Sollten daher zwar Angaben fehlen, diese aber durch andere Angaben sich logischerweise ergeben, so ist der Vorsteuerabzug nicht zu verwehren.

Pflichtangaben einer Rechnung beim Vorsteuerabzug
In letzter Zeit waren die Urteile des BFH eher auf den “gesunden Menschenverstand” ausgerichtet, als nur auf formale Aspekte.
© AJEL / pixabay.com

München, 30. Juli 2018 - In einem konkreten Fall ging es darum, dass ein Autohändler den Vorsteuerabzug, für gelieferte Pkws, in Anspruch nehmen wollte. Allerdings besaßen die Rechnungen keinen Zeitpunkt der Lieferung. Zunächst fehlte auch die Steuernummer des Verkäufers, diese wurde jedoch später ergänzt.

Das Finanzamt versagte daraufhin den Abzug der Vorsteuer, weil nicht alle Pflichtangaben der Rechnung enthalten waren. Der Autohändler ging vor Gericht und hatte letzten Endes auch vor dem BFH Erfolg.

BFH: Angabe des Ausstellungsdatum unter Umständen ausreichend

Nach § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 6 Umsatzsteuergesetz ist die Angabe des Lieferzeitpunkts Voraussetzung für die Anerkennung des Vorsteuerabzugs. Gemäß § 31 Abs. 4 der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV) genügt jedoch auch die Angabe des Kalendermonats. Es muss also kein exaktes Datum auf der Rechnung vorhanden sein.

Die Richter legten insbesondere den zuletzt genannten Teil sehr Unternehmerfreundlich aus. Die Begründung des Urteils V R 18/17, BFH geht dahin, dass man aus dem Ausstellungsdatum der Rechnung ja erkennen kann, wann die Lieferung erfolgte. Insbesondere gilt dies dann, wenn man davon ausgehen kann, dass im Einzelfall auch die Lieferung zum Zeitpunkt der Rechnungsausstellung erfolgte.

Das Gericht wies außerdem daraufhin, dass die Behörden nicht einfach nur pauschal die Rechnung formal prüfen dürfen. Sie müssen auch weitere Informationen, die sie vom Unternehmer erhalten, mit in ihre Prüfung einbeziehen.

Das Gründerlexikon sieht in diesem Urteil und auch in weiteren der Vergangenheit eine gewisse Richtungsänderung. Die Urteile werden zunehmends Unternehmerfreundlicher, bzw. auch mehr nach dem “gesunden Menschenverstand” gefällt.

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Für den Vorsteuerabzug aus Rechnungen genügt die postalische Erreichbarkeit.

Vorsteuerabzug aus Rechnung: Ort der Tätigkeit nicht nötig

Beim Vorsteuerabzug nehmen es die Finanzämter ganz genau. Sobald bei einer Rechnung nur der kleinste formale Fehler vorliegt, wird der Vorsteuerabzug nicht anerkannt. Der BFH kam jetzt in einigen Urteilen zu dem Schluss, dass allerdings die Angabe einer Anschrift genügt, unter der der Rechnungsaussteller erreichbar ist, auch wenn es sich um eine Kanzlei handelt. Die Angabe des Ortes der wirtschaftlichen Tätigkeit ist dagegen nicht nötig.

Lieferdatum ist nicht gleich Rechnungsdatum

FG Hamburg: Lieferdatum = Rechnungsdatum - ab sofort ungültig!

Unternehmer sollten im eigenen Interesse darauf achten, dass die Rechnungen ihrer Einkäufe korrekt sind. Denn nur dann haben sie die Möglichkeit, auch den Vorsteuerabzug gegenüber dem Finanzamt geltend zu machen. Man könnte meinen, dass es ja nicht so schwer sei, eine korrekte Rechnung auszustellen. Doch immer wieder kommt es zu Streitigkeiten mit dem Finanzamt.

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BFH verwehrt Vorsteuerabzug bei GmbH Gründung

Ein Urteil des BFH (Bundesfinanzhofs) lässt Gründer aufhorchen: Ein Vorsteuerabzug während der Gründung ist nicht immer möglich. Die Richter erklärten in ihrem Urteil, dass ein Vorsteuerabzug in der Phase Unternehmensgründung nur dann möglich ist, wenn der Gründer Investitionsumsätze tätigt. Beratungsleistungen gehören jedoch nicht unbedingt dazu. Außerdem muss der Gründer alle Voraussetzungen eines Unternehmers erfolgen.