Steuerliche Fehltritte direkt bei der Gründung vermeiden

Wer sich zum ersten Mal mit einem Gewerbe oder einer freiberuflichen Tätigkeit selbstständig macht, denkt im ersten Augenblick wohl nicht automatisch über Steuerhinterziehung nach. Die Beweggründe für das unrechtmäßige Vorbeischleusen verschiedener Beträge am Fiskus, mögen vielseitig und individuell geprägt sein, sind jedoch bei den meisten Menschen nicht bereits zum Zeitpunkt der Gründung präsent oder vorhanden.

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Doch auch wer rechtschaffen ist und noch niemals absichtlich oder mutwillig Steuern hinterzogen hat, kann angesichts der aktuellen Entwicklungen auf dem internationalen Parkett etwas unsicher werden. So wurden beispielsweise erst kürzlich neue Abkommen zwischen Deutschland und Österreich sowie Luxemburg geschlossen, die das einstmals so streng gehütete Bankgeheimnis immer stärker einebnen. Die Abschaffung der Selbstanzeige ohne Strafverfolgung wird immer heftiger auch in den politischen Reihen diskutiert und so manch braver Steuerzahler fragt sich mittlerweile, welche Folgen dies alles eigentlich für den eigenen Betrieb mit sich bringt. Gerade diejenigen, die ihr Unternehmen gerade erst gegründet haben oder zukünftig gründen wollen, werden in Bezug auf steuerliche Belange immer unsicherer und in wenigen Wochen ist die Frist für die diesjährige Steuererklärung wieder einmal verstrichen.

Die steuerliche Kategorisierung

Wer sich beruflich selbstständig machen möchte und ein eigenes Unternehmen gründen will oder eine freiberufliche Selbstständigkeit anstrebt, sollte sich bereits vor der eigentlichen Gründung Gedanken über einen möglichen steuerlichen Rahmen machen. Hierzu gehört bereits die Wahl der korrekten Gründungsform. Diese ist mitentscheidend über die späteren steuerlichen Kategorisierungen und sollte dementsprechend sorgfältig überlegt werden.

Während freiberuflich Selbstständige, die beispielsweise einen künstlerischen Beruf ausüben und hierfür auf die Kleinunternehmer-Regelung zurückgreifen, lediglich eine simple Einnahme-Überschuss-Rechnung für das Finanzamt ausstellen müssen, sieht das bei Gewerbetreibenden bereits ganz anders aus. Wer sich für eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft entscheidet, die eine Variante der GmbH darstellt, ist nicht nur verpflichtet Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer zu entrichten, sondern wird zusätzlich auch an den Solidaritätszuschlag gebunden. Darüber hinaus ist der Gründer einer UG zu einer doppelten Buchführung mitsamt einer Jahresbilanz verpflichtet.

Aus diesen verschiedenen steuerrechtlichen Aspekten ist es unbedingt notwendig, sich bereits vor der eigentlichen Gründung intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Eine genaue Auflistung der verschiedenen Rechtsformen für die Gründung eines Unternehmens in Deutschland sowie den zugehörigen (steuer)rechtlichen Konsequenzen stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zur Verfügung. Der Bundesverband für Freie Berufe (BFB) klärt auf, unter welchen Gesichtspunkten die Selbstständigkeit als Freiberufler für Gründer in Erwägung zu ziehen ist bzw. überhaupt möglich wird.

Die Einstellung von Mitarbeitern

In Deutschland hat nicht nur die Höhe des Umsatzes eines neu gegründeten Unternehmens Einfluss auf die steuerlichen Gegebenheiten. Viele Unternehmensgründer sind entweder vom Zeitpunkt der Unternehmensgründung bereits auf fest angestellte Mitarbeiter angewiesen oder ringen sich bereits im ersten Jahr nach der Gründung dazu durch, Fachpersonal oder auch Aushilfskräfte anzustellen. Auch für diese Mitarbeiter müssen selbstverständlich verschiedene Steuerbeiträge abgeleistet werden. Dabei ist es entscheidend, in welchem Umfang die Angestellten im eigenen Unternehmen tätig sind und auf welcher Basis eine Einstellung erfolgt.

Bei den sogenannten Mini-Jobs handelt es sich um eine geringfügige Beschäftigung, bei welcher der Arbeitnehmer keine Abgaben und Steuern zu zahlen hat. Und auch für den Arbeitgeber ergeben sich aus einem derartigen Beschäftigungsverhältnis deutliche Vorzüge: Der Mini-Job muss an die Sozialversicherung gemeldet werden und es müssen pauschale Abgaben und Beträge entrichtet werden. Diese belaufen sich auf rund 30 Prozent es Arbeitsentgeltes.

Bei Vollzeitbeschäftigten ist darauf zu achten, dass die Fristen für die Anmeldung und Zahlung der Lohnsteuer eingehalten werden. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, beauftragt ein externes Lohnbüro. 

Wenn es doch passiert ist...

Wie bereits eingangs erwähnt wurde, können die Gründe für eine Hinterziehung von Steuern vielfältig sein und sind zum Teil gar nicht beabsichtigt. Fakt ist, dass eine Steuerhinterziehung tatsächlich häufig unbewußt stattfindet und dass viele Betroffene sich fragen, ob die Möglichkeit sich noch vor einer Strafe zu retten existiert.

Das Schlüsselwort lautet in diesem Fall Selbstanzeige und ist gerade in den letzten Wochen verstärkt durch die verschiedensten Medien gegeistert. Mithilfe einer Selbstanzeige können Gründer, die sich eines Steuervergehens schuldig gemacht haben, ihr Finanzamt über dieses aufklären und dadurch mit Straffreiheit davonkommen. Damit dies möglich wird, sind jedoch eine Menge Voraussetzungen zu erfüllen, die bereits zum Zeitpunkt der Selbstanzeige beachtet werden müssen.

So kommt beispielsweise eine Selbstanzeige, die nach der Ankündigung einer Buchprüfung aufgegeben wird, leider zu spät. Das bloße Auftauchen einer Steuer-CD wiederum macht eine Selbstanzeige noch nicht unmöglich. Wie genau es um die Fristen und Zeitpunkte steht, auf die bei der Erklärung einer Selbstanzeige geachtet werden muss, kann und sollte bei einem entsprechenden Fachanwalt abgeklärt werden. Spezifische Informationen zum komplizierten Zusammenhang Opens external link in new windowzwischen Steuer-CD und Selbstanzeige!

Ehrlichkeit währt am Längsten

Es ist kein Geheimnis und gilt auch nicht nur in Bezug auf steuerliche Belange: Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, braucht auch nichts zu befürchten. Die stets zu 100 % korrekte Versteuerung der eigenen Einnahmen kann und sollte langfristig gesehen nicht dazu führen, dass ein Gründer oder Unternehmer von Seiten des Finanzamts her Befürchtungen haben muss. Da gerade dies jedoch für Unternehmens- und Existenzgründer häufig ein Buch mit Sieben Siegeln darstellt, ist eine Beratung beim Steuerberater oder Steuerfachanwalt in jedem Fall bereits vor der Unternehmensgründung angeraten. Viele Fachleute bieten ihren Rat für Existenzgründer und Jungunternehmer auch einmalig kostenlos an.



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