Teldafax ist zahlungsunfähig - was nun?

Der Energiediscounter Teldafax musste Insolvenz anmelden und war damit gezwungen, die Belieferung seiner Strom- und Gaskunden ab dem 17.06.2011 einzustellen. Aufgrund von massiven Zahlungsproblemen konnten die Rechnungen und damit die Netzentgelte der Netzbetreiber nicht mehr bezahlt werden. Diese kündigten daraufhin die laufenden Verträge.

Bild: Comfreak / pixabay.com

Teldafax war bisher Deutschlands größter unabhängiger Energieanbieter und belieferte zeitweise mehr als 780.000 Strom- und Gaskunden.

Obwohl das Unternehmen schon seit längerer Zeit schwerwiegende Zahlungsschwierigkeiten hatte, behauptete die Führung stets, man sei auf einem guten Weg aus der Krise. Jetzt hat sich das komplette Gegenteil herausgestellt. Im Moment laufen Gespräche mit Investoren, um den Betrieb kurzfristig wieder auf eine solide Grundlage zu stellen.

Die Auswirkungen

Kein Kunde wird im Dunkeln sitzen. Wenn ein großer, unabhängiger und aktiver Wettbewerber wie Teldafax aufgeben sollte, könnte das für die anderen Energielieferanten, hier namentlich die Grundversorger wie zum Beispiel E.ON oder Vattenfall, von Vorteil sein.

Angesichts fest gefügter Marktstrukturen wird deren Marktposition durch den Wegfall eines namenhaften Konkurrenten schließlich wesentlich gestärkt. Dadurch, dass die Belieferung der Strom- und Gaskunden durch die Grundversorger vorerst fortgeführt wird, erlangen diese zumindest kurzfristig mehr Kundenzuwachs zu einem höheren Energiepreis und somit mehr Marktmacht. Es sollte gut abgewägt werden, ob nicht eventuell der Wechsel zu einem anderen Anbieter sinnvoller und vor allen Dingen kostengünstiger ist.

Geld zurück bei Vorkasse?

Die meisten der Teldafax-Kunden sind bei Abschluss ihres Vertrages in Vorkasse getreten. Das bedeutet, die fälligen Kosten für Strom- und Gaslieferungen sind im Voraus bezahlt worden. Die Kunden haben dem Unternehmen praktisch einen kostenlosen Kredit gegeben.

Ob sie ihr Geld jemals zurück bekommen, ist äußerst fraglich. Die Firma wird mit Sicherheit jede Menge gewichtigerGläubiger haben, die zunächst aus der Insolvenzmasse bedient werden. Zu nennen sind hier insbesondere Kreditgeber, wie Banken oder Sparkassen, ferner die eigenen Mitarbeiter. Die Energiekunden werden ihr Geld wahrscheinlich abschreiben müssen.

Bedenklich war auch das Verhalten des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen. Als Sponsor von Teldafax ist die Mannschaft Woche für Woche mit dem Trikot des Skandalunternehmens aufgelaufen. Der Sportdirektor Rudi Völler hat weiterhin werbewirksam versucht, Kunden zu werben, obwohl schon lange bekannt war, dass Teldafax in massiven Zahlungsschwierigkeiten steckt. Die Verbraucherzentralen hatten bereits Warnungen ausgesprochen. Mittlerweile hat Teldafax den Sponsorenvertrag mit Bayer Leverkusen zum 30.06.2011 gekündigt, obwohl dieser noch bis 2013 gültig gewesen wäre. Bayer rechnet mit cirka 13 Millionen Euro frei werdender Mittel für das Unternehmen.

Das Risiko

Viele Kunden lassen sich durch einen auf den ersten Blick sehr reizvoll erscheinenden Tarifcheck in die Irre führen. Verifox zum Beispiel verdeutlicht die Kostenunterschiede sehr plausibel und einleuchtend. Strom- und Gasabnahme bei geringem Preis durch Vorkasse.

Vorauszahlungen bedeuten aber auch eine gewisse Abhängigkeit vom Energielieferanten und eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Nicht immer ist das günstigste Angebot beim Kostenvergleich auch das Beste. Jeder ist gut beraten, sich auch die jeweiligen Konditionen genau anzuschauen. Verbraucherschützer kritisieren das Model der Vorauskasse wegen unkalkulierbarer Risiken schon seit langem.   



Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!