Am von Ruben in Urteile geschrieben und am 14.10.2021 um 12:08 aktualisiert
Gerichtsurteile

Mehr IT-Freelancer werden als Freiberufler anerkannt

Sie müssen keine Gewerbesteuer zahlen, dem Finanzamt langt eine einfache Einnahme-Überschuss- Rechnung und die Umsatzsteuer richtet sich nach den wirklich vereinnahmten Entgelten. Kein Wunder also, dass viele Selbständige den Status eines Freiberuflers anstreben, doch die gesetzlichen Regelungen sind schwammig, die Handhabung bei den Finanzämtern oft rigide.

Zwei Menschen umgeben von Buchstaben
© geralt / pixabay.com

Köln, 22. Oktober 2018 - In der IT-Branche ging bislang der Diplom-Informatiker, der Software programmiert, als Freiberufler durch, die große Schar der Systemadministratoren oder freien IT-Consultant, die ihr Know-how abseits klassischer Studiengänge erworben haben, jedoch nicht.  Urteile des Bundesfinanzhofs erweitern jetzt die Auslegung, welche IT-Tätigkeit als freier Beruf anerkannt wird. Das Online-Steuerbüro steuerberaten.de hat in einem kostenlosen PDF die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

Die Urteile im Einzelnen

Gleich drei Urteile hatte der Bundesfinanzhof zu fällen, in denen die steuerliche Einordnung selbständiger IT-Dienstleister Gegenstand der Verfahren war.

Ein staatlich geprüfter Betriebswirt- EDV hatte sich als Autodidakt in die Einrichtung und Wartung von Systemsoftware eingearbeitet und selbständig Firmen mit dieser Tätigkeit betreut. Der BFH stellte fest, dass die Breite und Tiefe seiner Aufgaben denen eines Diplom-Informatikers entsprochen haben und er damit einen ingenieurähnlichen, also freien Beruf ausgeübt habe. BFH, Az: VIII R 63/06
     
Auch einem weiteren Autodidakten, der vom Bildungsweg staatlich geprüfter Wirtschaftassistent DV war, billigte der BFH den Status eines Freiberuflers zu. Der Kläger hatte für seine Kunden IT-Systemberatung erbracht und als Externer firmenweite IT-Projekte geleitet. Nach Einschätzung des Gerichts lag dabei sehr wohl eine ingenieurähnliche Leistung vor, auch wenn der Ausbildung nach kein Ingenieursgrad vorlag. BFH, Az: VIII R 79/06
     
In einem weiteren Fall war ein Diplom-Ingenieur für technische Informatik als selbständiger Systemadministrator bei mehreren Unternehmen tätig und überwachte die Firmennetze u.a. mithilfe eigener Dienstprogramme. Der BFH stufte die Tätigkeiten als klassische Ingenieursleistungen ein und billigte den Status eines freien Berufs zu. BFH, Az: VII R 31/07

Das könnte Sie auch interessieren:

  1. Hier erhalten Freelancer Aufträge.
  2. IT Consultant werden

Was sollten Betroffene tun?

Alle, die ihre eigene selbständige Tätigkeit in den Präzedenzurteilen wiedererkennen, sollten schnellstmöglich ihrem Finanzamt mitteilen, dass sie als Freiberufler eingestuft werden möchten. Dies sollte in Form einer ausführlichen Schilderung der ausgeübten Tätigkeiten geschehen und zudem Belege (z.B. Rechnungen) enthalten. Folgt das Finanzamt der Darlegung, werden alle noch nicht bestandskräftigen Steuerbescheide geändert und die Gewerbesteuerbescheide aufgehoben.

Doch Vorsicht: Fällt die Gewerbesteuer weg, steigt die Einkommensteuer und dies kann teils erhebliche Nachzahlungsforderungen auslösen, auf die jeder Betroffene vorbereitet sein sollte.

vg wort pixel

Steuerstundungen in Coronakrise: Alle Fragen + Anleitung

Steuererklärung
Finanzämter gewähren von Corona betroffenen Unternehmen Steuerstundungen.
© falco / pixabay.com

In der Coronakirse hat das Bundesfinanzministerium in Absprache mit den Finanzbehörden der Länder die unkomplizierte Stundung von Steuern ermöglicht. Auch die Vorauszahlungen auf die Einkommen-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer können reduziert werden. Das hilft Selbstständigen und Freiberuflern ihre Liquidität aufrechtzuerhalten. Wir erklären Ihnen, wann und wie Sie die Steuerstundung beantragen können.

Kleinunternehmerregelung: Urteile, News und Streitfälle

Landkarte Europas
Im grenzüberschreitenden Handel der EU müssen Kleinunternehmer einiges beachten.
© ASSY / pixabay.com

In den meisten EU-Staaten existieren Regelungen zur Kleinunternehmerregelung. Häufig kann ein Kleinunternehmer aus Deutschland die Regelungen anderer Länder nicht in Anspruch nehmen, da die allermeisten dort keine Betriebsstätte haben. Kleinunternehmer, die aus dem EU-Ausland Waren beziehen, müssen daher oft dennoch hierzulande Umsatzsteuer abführen. Umsätze, die ins EU-Ausland gehen, werden nicht zur Grenze für Kleiunternehmer angerechnet.

EÜR oder Bilanz nicht im selben Jahr wieder ändern

bilanz oder eür
© Rainer Sturm / pixelio.de

Unternehmer stehen manchmal vor der Wahl: Bilanz oder Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)? Davon kann eine ganze Menge abhängen, in erster Linie natürlich steuerliche Folgen. Außerdem ist er für die nächsten 3 Jahre gebunden. Fakt ist, Selbstständige, die einmal eine Wahl getroffen haben, können diese im laufenden Jahr nicht mehr ohne besondere Gründe ändern. Das hat der Bundesfinanzhof in einem kürzlich veröffentlichten Urteil festgehalten.