Absturz der Börsen - Ursache und Wirkung

Manch einer, der die Börse regelmäßig beobachtet, mag sich in den letzten Tagen verwundert die Augen gerieben haben. Zuerst wird eine Lösung für Griechenland gefunden und es ändert sich nichts. Dann wenden die USA ihre erste Zahlungsunfähigkeit in letzter Sekunde ab und die Börsen rauschen in wenigen Tagen um über 15% nach unten. Warum? Und was diese Woche nach der Abstufung der Bonität der USA geschehen könnte, möchte man sich besser nicht vorstellen...

Bild: geralt / pixabay.com

Wer meinen Beitrag über die Krise aus dem Herbst 2008 (Wirtschaftskrise - Risiken und Chancen für Unternehmer) kennt, kennt auch die Ursache. Bereits damals schrieb ich: "Das Problem auf die Banken zu schieben, ist zwar einfach, aber scheinheilig. Und lenkt vor allem von der eigenen 'Schuld' und Beteiligung der Politik und der Bürger ab. Und lenkt vorerst auch noch von dem viel größeren Problem dahinter, der massiven Staatsverschuldung, ab. Mit anderen Worten: Die jetzige Bankenkrise ist nur ein kleines Symptom dessen, was noch kommen wird."

Die Ursache: Kondratieff meets Staatsverschuldung

Ich führte damals aus, wie diese massive Staatsverschuldung mit dem zugrundeliegenden Kondratieffzyklus (Theorie der langen Wellen, ca. 35-60 Jahre) zusammenhängt und dass dieser im Bereich der Rohstoffe und Energie begründet liegt. Nochmals in Kurzform für alle, die nicht die lange Fassung lesen mögen. 

Die Idee von Kondratieff (in Schumpeterscher Lesart) war, dass eine Basisinnovation (z.B. Dampfmaschine oder Computer/ Internet) zu einem neuen Wachstumsschub führt, dieser an seine Grenzen, also einen Engpass, gerät und dann eine Krise entsteht, die ihrerseits wieder durch eine neue Basisinnovation, die den Engpass löst, beseitigt wird. Also so etwas wie die engpasskonzentrierte Strategie, bezogen auf die Gesamtwirtschaft.

Beispiel vom Anfang des 19. Jahrhunderts

Ein Beispiel vom Anfang des 19. Jahrhunderts: Die neu erfundene Dampfmaschine sorgte für die Industrialisierung und massive Produktionssteigerungen. Man glaubte, es sei ein goldenes Zeitalter angebrochen und das würde ewig so weiter gehen. Tat es aber nicht. Ganz einfach deshalb, weil die vielen Produkte, sobald sie aus der Fabrik kamen, mit Pferdewagen und Ochsenkarren verteilt wurden. Die weitere Entwicklung kam damit an ihre physische Grenze. Es folgten Bankenkrisen, politische Verwerfungen und Kriege. Erst als die Eisenbahn erfunden wurde, war der Engpass beseitigt und es gab einen langen erneuten Wachstumszyklus.

Das Charmante an dieser Theorie ist, dass sie die Entwicklung im Gegensatz zu allen derzeit aktuellen volkswirtschaftlichen Theorien nicht aus dem virtuellen Reich des Geldes, sondern aus der zugrundeliegenden realwirtschaftlichen Entwicklung erklärt. Und wie wir als Unternehmer wissen, ist das Geld immer nur eine Folge anderer Entwicklungen.

Kondratieffaufschwung durch Computer und das Internet

Bezieht man dieses Konzept auf die heutige Zeit, so haben wir als letzten Kondratieffaufschwung Computer und das Internet. Die Folgen dieser Entwicklungen waren die Globalisierung, die erst durch die massiv verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten in dieser Form möglich war, sowie der Aufschwung der Schwellenländer, die erstmals in voller Breite Zugang zum Wissen des Westens hatten. Die weiteren Konsequenzen daraus waren massiv gesteigerter Rohstoff- und Energiebedarf und daraus folgte wiederum ein massiver Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise seit Ende der 90er Jahre. Dies sorgte für einen riesigen Kapitalabfluss (ein zweistelliger Billionenbetrag!) aus den entwickelten Ländern, der sich in einer Verringerung des Lebensstandards hätte niederschlagen müssen. Da das politisch nicht gewollt war (man hätte dann ja die nächsten Wahlen verloren), druckte man eben Geld und flutete das System.

Geburt der Subprime-Krise 2008

Die Banken reichten dieses Geld durch, vergaben es zuerst an kreditwürdige Menschen und Organisationen und als sie diese nicht mehr fanden, eben auch an weniger kreditwürdige Menschen und Organisationen. Die Geburt der Subprime-Krise 2008 - die Banken waren bereitwillige Handlanger. Um die durch den Kondratieffabschwung und die Handlungsweise der Politik in den letzten 10 bis 15 Jahren bedingte Krise in den Griff zu bekommen, wurde dann 2008 einfach noch mehr desselben gemacht: Neues Geld gedruckt und in den Kreislauf gepumpt. Das war, wie einem Drogensüchtigen auf Entzug nochmal einen ordentlichen Schuss zu setzen.



Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!