Prozesswärme durch eine Solaranlage: Solarthermie für die Industrie

Die Solarthermie ist in Privathaushalten inzwischen mehr oder weniger zum Standard geworden. Kaum mehr ein Hausbau ohne Solaranlage und extrem viele Modernisierungen in diesem Bereich. Eins hat die Solarthermie jedoch noch nicht wirklich geschafft: Den Sprung in die Prozesswärmegewinnung und damit in die Industrie.

Bild: Florian Methe / pixelio.de

Was Unternehmen noch von der Solarenergie abhält

Es gibt viele Gründe, warum sich noch nicht besonders viele Unternehmen dafür entscheiden, eine Solaranlage für die Gewinnung von Wärme einzusetzen. Die wichtigsten sind:

  • Aufgrund der Komplexität der Aufgabenstellungen und der sehr unterschiedlichen Wärmelastprofile in den einzelnen Unternehmen sind keine Standardlösungen möglich.
  • Für die Planung einer Solaranlage für die Erzeugung von Prozesswärme ist zwingend ein Fachplaner erforderlich, wodurch bereits in der Planungsphase hohe Kosten entstehen.
  • Die meisten Unternehmen, die eine Solaranlage nutzen wollen, sind auf Forschungsetats und Fördergelder angewiesen, damit die Investition rentabel wird.
  • Photovoltaikanlagen sind häufig noch höher angesehen, da die Anlagen durch die staatlichen Fördergelder lukrativer erscheinen.
  • Zu große Umbaumaßnahmen, die für die Integration einer Solaranlage erforderlich sind, stellen eine hohe Hürde dar.

Ein erfolgreiches Beispiel: Die Privatbrauerei Hofmühl

Die Privatbrauerei Hofmühl hat das Experiment gewagt und eine Solaranlage errichtet, mit der sie nun rund 60 Prozent ihres bisherigen Energieverbrauchs abdeckt – dies entspricht rund 80.000 Litern Heizöl pro Jahr, die eingespart werden. Die hohe Rentabilität ergibt sich daraus, dass das gewonnene Warmwasser in mehreren Prozessen eingesetzt wird. Zunächst wird es in die Prozesse eingespeist, die den höchsten Temperaturbedarf haben. Erst dann wird es zu Prozessen geleitet, die mit einer niedrigeren Temperatur auskommen. Schließlich werden sogar noch die Büroflächen des Unternehmens geheizt. Das Unternehmen bedient sich einer solarabhängigen Prozesssteuerung, sodass die gewonnene Energie optimal ausgenutzt werden kann. Realisiert werden konnte das Großprojekt durch eine hälftige Finanzierung mithilfe des BMU-Förderprogramms „Solarthermie 2000plus“, das speziell für den Bau solarer Großanlagen aufgelegt wurde.

Aussicht in die Zukunft

Die Hofmühl-Brauerei gehört leider bisher noch zu einer Handvoll wenigen Unternehmen, die den Sprung in die Solarthermie gewagt haben. Wenn es einmal mehr Erfahrungswerte im Bereich der Prozesswärme gibt, könnten auch weitere Unternehmen durch niedrigere Planungskosten davon profitieren. Bereits heute gibt es Unternehmen, die sogar von so einer Art Standardlösung profitieren können, nämlich wenn nur eine relativ niedrige Temperatur benötigt wird. Die aktuelle Technik kann Temperaturen von bis zu 200 Grad leisten. Dies wäre beispielsweise für den Betrieb einer Autowaschanlage längst ausreichend. Viele weitere Branchen könnten mit Temperaturen von bis zu 150 Grad auskommen.

Quelle: ProFirma 06/2010, S. 56 – 68



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