Existenzbedrohender Facharbeitermangel in kleinen Handwerksbetrieben
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Lange mussten die kleinen Handwerksbetriebe Angst haben, von großen Betrieben und der Industrie „aufgefressen“ zu werden – nicht modern genug, zu geringe Kapazitäten und viele weitere Argumente wurden genannt, warum kleine Handwerksbetriebe einfach nicht mehr zeitgemäß wären. Doch die letzten Jahre zeigen eine andere Entwicklung: Kleine Handwerksbetriebe können mit ihrer Flexibilität und ihren eher übersichtlichen Kostenstrukturen bei der Kundschaft punkten und dürfen sich sicherer fühlen als je zuvor. Doch nun rollt eine weitere Problematik auf sie zu: der Facharbeitermangel.
Zu viel Arbeit, zu wenig Personal
Die kleinen, flinken Fische überholen die großen Fische – werden aber im Endeffekt doch gefressen, weil niemand für sie arbeiten möchte. Kleine Betriebe haben ein großes Problem: Sie sind als Arbeitgeber nicht attraktiv. Bewerber denken bei kleinen Betrieben automatisch an eine schlechte Bezahlung, unsichere Arbeitsplätze und mangelnde Sozialleistungen. Dabei ist gerade dieses Klischee längst überholt, denn auch viele Kleinbetriebe sind tarifgebunden und haben sich dementsprechend an Regeln bezüglich Vergütung oder Kündigung zu halten. Oft sind die Konditionen sogar besser als man glauben würde. Leider glauben es die meisten Bewerber auch nicht – und gehen zu den „Großen“.
Der Geschäftsführer eines kleinen Handwerksbetriebs aus meinem Umfeld erlebt diese Situation gerade akut mit. Der Betrieb versucht seit über einem Jahr, einen Mechanikergesellen einzustellen – doch ohne Erfolg. Nicht dass man sich über einen Mangel an GEEIGNETEN Bewerbern beschweren würde – es gibt einfach überhaupt keine Bewerber. Ein großer Industriebetrieb im nächsten Ort greift alle Mechaniker ab, die es in der Region gibt. Ein großes Unternehmen ist für die Bewerber nun einmal interessanter als ein Kleinbetrieb. Die Folge: Der Betrieb schrumpft immer weiter. Es wäre mehr als genug Arbeit da – aber leider keiner, der sie erledigt.
Selbst die im eigenen Unternehmenausgebildeten Fachkräfte können langfristig nicht gehalten werden, da diese nach der Ausbildung oft Weiterbildungen absolvieren und dann aufgrund mangelnder Karrierechancen im kleinen Handwerksbetrieb zu den großen Industriebetrieben wechseln.
Wo soll dies noch hinführen?
Tja, das weiß wohl keiner. So wie diesem Betrieb geht es vielen „Kleinen“. Doch wann wird wohl der Zeitpunkt kommen, an dem sich die Menschen darauf besinnen, dass nicht alles an großen Arbeitgebern immer gut ist? Wann schätzen sie wieder die Vorteile der Arbeit in kleineren Unternehmen, beispielsweise
- eine familiäre Atmosphäre am Arbeitsplatz,
- eine langjährige Zusammenarbeit mit den Kollegen,
- einen großen Verantwortungsbereich,
- einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz?
Solange es dieses Umdenken bei den Arbeitnehmern nicht erfolgt, werden immer mehr Handwerksbetriebe tatsächlich ihre Pforten schließen müssen, weil sich kein geeignetes Fachpersonal mehr findet, das sie erledigen kann.
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Über den Autor

- Sabine Hutter
- Mein Name ist Sabine Hutter und ich bin als selbständige Autorin und Webtexterin tätig. Als Staatlich geprüfte Betriebswirtin habe ich mich auf die Themen Existenzgründung, Unternehmen und Personalwesen spezialisiert.
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