Die Hilfe, die keine ist
(4 Bewertungen)Unterstützung bei der Gründung finden Jungunternehmer bei den Industrie- und Handelskammern. Wer arbeitssuchend gemeldet ist, kann sich außerdem von der Arbeitsagentur helfen lassen. Aber seien wir doch mal ehrlich – was diese Institutionen als Unterstützung verkaufen, trägt höchstens noch zurweiteren Verunsicherung bei.
Die Existenzgründerseminare der IHK
Die Industrie- und Handelskammer bietetExistenzgründerseminare an. Sie dauern meist nur einen Tag und beschäftigen sich mit den Themen Gewerbeanmeldung, Rechtsform, Steuern, Versicherungen, Businessplan, Liquiditäts- und Finanzplanung und vielen mehr. Das hört sich zwar gut an, aber glauben Sie allen Ernstes, dass man an einem Tag Seminar genügend lernen kann, um damit ein Unternehmen zu führen? Himmel, alle, die sich viele Jahre mit Weiterbildungen und Studiengängen um die Ohren schlagen, müssen völlig dämlich sein, wenn die IHK doch alles innerhalb von einem Tag vermitteln kann. Merken Sie, dass dieseRechnung nicht aufgehen kann?
Das größte Problem dieser Existenzgründerseminare ist aber, dass sie nicht speziell auf einzelne Berufsgruppen eingehen. Die Gründer aus verschiedensten Branchen sitzen hier zusammen. Glauben Sie, dass für Handwerker und Dienstleister dieselben Informationen wichtig sind? Sicherlich nicht! Wie sollen individuelle Fälle besprochen werden, wenn doch nur wenige Stunden für zig Teilnehmer zur Verfügung stehen?
Natürlich werden in den Existenzgründerseminaren auch die Grundlagen der Buchführung und Betriebswirtschaft vermittelt. Aber denken Sie, man würde dafür auch entsprechende Spezialisten wie Steuerberater oder Buchhalter engagieren? Natürlich nicht, denn Vorträge halten kann natürlich jeder.
Diese Seminare sind zwar von der Idee her nicht schlecht, sind aber leider miserabel umgesetzt. Die meisten Teilnehmer sitzen ohnehin nur da, weil sie von der Arbeitsagentur dazu verpflichtet wurden. Dementsprechend groß ist die Motivation bei den Teilnehmern.
Die Arbeitsagentur
Die Arbeitsagentur fördert das Scheitern der Junggründer aktiv und passiv. Nebenstehende Grafik zeigt die Anzahl der Gründungen, bei denen die Gründer eine Förderung der Arbeitsagentur in Anspruch genommen haben. Es ist deutlich zu sehen, dass die Anzahl der Gründungen seit 2008 wieder stetig ansteigt. 2010 gab es sogar 146.538 Gründungen mit Gründungszuschuss und 16.487 Gründungen mit Einstiegsgeld, also insgesamt 163.025 geförderte Gründungen. Die Arbeitsagentur animiert Arbeitslose dazu, ihre Bezüge durch eineExistenzgründung zu erhöhen. Wer würde diese Gelegenheit nichtbeim Schopfe packen? So werden gleich beide Seiten glücklich, denn die Arbeitsagentur profitiert durch geschönte Arbeitslosenstatistiken. Allerdings werden so auch viele Leute in die Selbständigkeit getrieben, die eigentlich keine gute Geschäftsidee haben und die vor allem keine Ahnung vom Unternehmertum haben.
Damit der Gründungszuschuss gewährt wird, müssen die Arbeitslosen einen Businessplan vorlegen. Die vorgelegten Konzepte und Zahlen werden in erster Linie darauf geprüft, ob sie den Anforderungen der Arbeitsagentur entsprechen. Niemand beschäftigt sich aber aktiv mit der Frage, ob die vorgelegten Zahlen realistisch sind und ob die geplante Unternehmung eine Aussicht auf Erfolg hat. Fast würde sich der Eindruck aufdrängen, dass es der Arbeitsagentur nur darum geht, möglichst viele Arbeitslose aus ihrer Arbeitslosenstatistik zu verbannen.
Wo bleibt also die Hilfe?
Ganz klar, Sie werden die benötigte Hilfe sicherlich weder bei der IHK noch bei der Arbeitsagentur finden. Es macht sicherlich mehr Sinn, sich an entsprechende Fachstellen zu wenden. In Steuerfragen hilft der Steuerberater weiter. Wer sich in Bezug auf sein Unternehmenskonzept nicht sicher ist, sollte sich an einenExistenzgründerberater oder einen Unternehmensberater wenden. Die Finanzierung einer solchen Konsultation kann eventuell auch über eine Förderung vereinfacht werden.
Hinweis
Für Existenzgründer mit wenig Zeit für ein 3- oder 4-tägiges Existenzgründerseminar haben wir eine Bescheinigung für ein Existenzgründerseminar im Selbststudium zum Download bereitgestellt.
Quellen:
StatistaMittelstanddirekt
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Vorlagen
- Existenzgründerseminar Bescheinigung (Download für nur 14,99 €)
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Über den Autor

- Sabine Hutter
- Mein Name ist Sabine Hutter und ich bin als selbständige Autorin und Webtexterin tätig. Als Staatlich geprüfte Betriebswirtin habe ich mich auf die Themen Existenzgründung, Unternehmen und Personalwesen spezialisiert.
- http://www.content-texte.de
- sabine.hutter@content-texte.de
kommentiert von Dr. Gudrun Wolf am 26. Februar 2011
Kann ja sein, daß Sie mit der IHK schlechte Erfahrungen gemacht haben. Aber ein Rundumschlag gegen Gründerseminare ist wohl nicht die richtige Lösung.
Mir fällt auf, daß von vielen Seiten die fachliche Qualifikation von Gründern sehr hoch bewertet wird, aber die unternehmerische Qualifikation mit Buchführung gleichgesetzt wird. Handwerker und Dienstleister, Künstler und Verkäufer profitieren ungeheur aus einem gemischten Gründerseminar!!! Vielen fehlt nämlich die praktische Erfahrung zur Etablierung eines Unternehmens. In intensiven Gruppenseminaren lernen sie dagegen Denk- und Verhaltensweisen von anderen kennen und können ihre eigenen überprüfen und trainieren. Wie spricht man Kunden an? Wie geht man in Preisverhandlungen hinein ....
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kommentiert von Dr. Gudrun Wolf am 26. Februar 2011
Schauen Sie mal, was unsere Teilnehmer so sagen:
http://www.epikur-berlin.de/team-/referenzen
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kommentiert von Sabine Hutter am 26. Februar 2011
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Allerdings verstehe ich nicht, worin das Problem liegt, denn ich habe mich ausdrücklich auf IHK-Seminare bezogen und nicht auf Ihre. Ich habe auch nie behauptet, dass die Seminare völlig für den Eimer sind. Aber das, was man sich davon eigentlich erhoffen würde, bekommt man selten (Ausnahmen mögen die Regel vielleicht bestätigen).
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