Frage von Michael am 05.06.14

Wie gehe ich bei dauerhaften Verlust im Nebenjob (Hobby) bei Stererklärung vor?

Hallo,

Ich bin hauptberuflich Angestellter mit einem Jahresgehalt von ca. 39.000€ (Steuerklasse 1).

Ich bin Fan eines Profisportclubs (kein Fußball, daher keine Fernsehübertragungen) und am Wochenende bei jedem Heimspiel und auch nahezu bei jedem Auswärtsspiel. Jetzt habe ich das Angebot bekommen nebenberuflich für die Online-Seite einer Zeitung einen Liveticker zu machen für alle Heim- und Auswärtsspiele. Mein Arbeitgeber ist damit einverstanden.

Das würde so ablaufen, dass ich eine Rechnung erstellen würde, ohne Umsatzsteuer und man hat mir gesagt, dass ich dazu schreiben solle „umsatzsteuerfrei Kleinunternehmerregelung gemäß §19 UstG“. Ich erwarte auf ein Jahr gesehen Einnahmen in Höhe von etwas mehr als € 3.000 (nicht genau vorhersehrbar, da die genaue Anzahl an Spielen im Vorfeld nicht feststeht).

Wenn ich mir meine bisherigen Ausgaben für die Besuche der Spiele anschaue (ich hätte es besser nicht gemacht, ist doch ein teures Hobby) liege ich da weit drüber. Ich würde dann zukünftig die Dauerkarte für die Saisonheimspiele sparen, müsste aber trotzdem die Kosten für die Auswärtsspiele aufbringen. Das geht deutschlandweit, ich habe es für die letzte Saison einmal nachgerechnet, einfache Fahrten zu den Spielorten sind das über 12.000 Kilometer, nächste Saison sind auch noch 2-3 Spiele in Europa, so dass es noch mehr werden. Zum Teil kommt dann noch eine Übernachtung dazu. Bisher war es so, dass ich mal im Fanbus mitgefahren bin oder auch privat mal mitgenommen worden bin. Derjenige wollte dann dafür x Euro haben und gut. Was ich damit verdeutlichen möchte ist, dass die Ausgaben trotz der Einnahmen noch über höher liegen, ich quasi kaufmännisch gesehen Verlust mache. Es ist mein Hobby und ich hätte dadurch die Möglichkeit meine Kosten (deutlich) zu reduzieren.

Mir stellen sich jetzt folgende Fragen: Ist es möglich die zusätzlich Einnahmen gesondert anzugeben und dagegen die Ausgaben zu stellen in der EÜR? Muss ich meine Ausgaben belegen (können)? Da ich nie die Absicht habe Gewinn zu erzielen, es quasi jedes Jahr zu mehr Ausgaben als Einnahmen kommt, kann ich um eine nachträgliche Rückzahlung vermeiden, indem ich Ausgaben = Einnahmen angebe (ich habe gelesen, dass das Finanzamt bei dauerhaftem Verlust von Hobby/Liebhaberei ausgeht und entsprechend Beträge aus Vorjahren, die zu Steuerverminderungen geführt haben, zurückfordert). Macht es Sinn, dies mit einem Steuerberater erstmalig zu machen und/oder das Finanzmat in Verbindung mit der Steuererklärung darüber zu informieren?

Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar! 

 

Antwort von

 

Hallo Michael,

 

 

 

der geschilderte Fall wird ja quasi selbst von Ihnen schon beantwortet. Sie sagen, es sei ihr Hobby und sie würden trotz der zusätzlichen Einnahmen höhere Ausgaben haben, so dass permanent Verluste über die Einnahmenüberschussrechnung beim Finanzamt anzugeben seien.

 

 

 

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer, es entsteht durch diese ständige verlusteinbringende Tätigkeit kein Gewerbe mit einer unternehmerischen Gewinnerzielungsabsicht, sondern es ist eine permanente Erzeugung von Verlusten, welche sich für Sie einkommensteuertechnisch positiv auswirken, da sie Einkommensteuern bei der Arbeit im nicht selbstständigen Bereich sparen. Genau hier kommt das Finanzamt ins Spiel, welches dieses Modell als Liebhaberei abstempeln. Das macht es nicht sofort, sondern erst nach ein paar Jahren, wenn in einer Gesamtrechnung ein Verlust entsteht (Stichwort: Totalgewinn).

 

 

 

Genau dazu kann ich Ihnen nur die Beratung von einem Steuerberater ans Herz legen. Aus meinem unternehmerischen Bauchgefühl heraus würde ich diese Tätigkeit nie beginnen, denn ich könnte damit nie einen Gewinn erzielen. Genau deswegen würde ich es auch nicht tun. Ich würde natürlich als Fan zu den Spielen fahren, aber nicht aus einer Gewinnerzielungsabsicht heraus.

 

 

 

Es sei denn: Sie würden die Reisen in Deutschland oder im europäischen Ausland mit einer anderen unternehmerischen Tätigkeit verbinden, die mit dieser zusammen am Ende doch einen Gewinn erreichen könnte.

 

 

 

Im großen und ganzen ist es aber eher unwahrscheinlich, dass aus Ihrem Hobby eine tatsächliche unternehmerischer Tätigkeit beim Finanzamt anerkannt wird, wenn sie von vornherein selbst schon ständige Verluste einräumen.

 

 

 

Bitte gehen Sie dahingehend unbedingt zu einem Steuerberater und lassen sich im Detail ihre individuelle Situation erläutern und beraten.

 

 

 

Es wäre ganz wunderbar, wenn Sie das Ergebnis dann hier noch einmal veröffentlichen könnten.

 

 

 

Lesen Sie dazu auch weitere Artikel im Gründerlexikon, z.B.: Die Beweislast liegt beim Selbständigen.

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