Frage von Bauherr am 14.03.06

Wenn Kleinunternehmer über Umsatzgrenze kommt?

Sehr geehrter Herr Montag,

ersteinmal möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie solch eine informative Seite bereitstellen.

Hintergrundinformation:

Ich bin Kleinunternehmer nach §19 UStG und bin nicht berechtigt MWSt auszuweisen.

Auf dem größten Marktplatz verkaufe ich auf eigenem Namen gleichartige Artikel.

Diese Artikel kaufe ich überwiegend von privat und verkaufe an privat und Firmen aus dem Ausland.

Seit Beginn meiner nebenberuflichen Tätigkeit lag ich jeweils unter der jeweiligen Umsatzgrenze von 16/17T€

Fragen:

In diesem Jahr kann ich es durchaus schaffen, über diese mehrfach genannte Umsatzgrenze zu kommen, da ich im Jahr

2006 bereits um die 10T€ Umsatz habe. Allerdings bin ich mir über diese Folgen noch nicht ganz bewußt, die daraus resultieren würden.

Eventuell können sie diese kurz aufführen.Im letzten Jahr habe ich einige Monate "Auszeit" genommen, um nicht über die Grenze zu kommen.

Momentan ist es so, dass Kunden, die eine Rechnung fordern, diese auch bekommen (gem. §19 UStG) und somit ist dieser Auftrag für beide Seiten erledigt.

Sollte ich in diesem Jahr über die Grenze kommen, muss ich im nächsten Jahr die MWSt auf meinen Rechnungen ausweisen, korrekt? Oder auch noch in diesem Jahr?

Und was passiert danach? Wie führt man diese Steuern dann an das FA ab?Bzw. wie kann man sich die gezahlte Vorsteuer vom Kauf von Firmen zurückholen? Macht dies ein Steuerberater? Momentan benötige ich ja keinen Steuerberater. Nur 1x im Jahr wird meine Steuererklärung nach meinen Vorgaben von einer Institution erledigt. Vor dieser Buchführungsgeschichte habe ich bisher Abstand genommen, da es zeitlich auch eine gewissen Mehrbelastung in anspruch nehmen würde. Jedoch möchte ich mir den Gewinn natürlich durch Unwissenheit auch nicht gerne entgehen lassen, deshalb stelle ich meine Fragen hier bei Ihnen ins Forum.

Wenn ich dieses Jahr über diese Grenze kommen, dann muss ich die folgenden 5 Jahre MWSt ausweisen, korrekt? Gelte ich dann noch immer als Kleinunternehmer mit nebenberuflicher Tätigkeit? Oder hat dies dann noch Konsequenzen gegenüber meinem Hauptjob? Ist es heutzutage eigentlich angebracht, eine Versicherung für das Kleingewerbe abzuschließen, da z.Zt. aus den Medien hervorgeht, dass es bei dem Auktionshaus gehäuft zu Streitigkeiten zwischen Auktionspartner oder s.g "Abmahnern" kommt, oder wrde solch eine Versicherung den Rahmen sprengen?

Für Ihre Antworten bedanke ich mich bereits im Vorfeld.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Eichsfeld

ZENI

Antwort von

Danke für die seeeeehr lange Frage. Da ich nicht nochmal alles schreiben möchte, verweise ich zunächst auf die anderen artikel im forum zu diesem thema.

Bitte erst mal das durchlesen und dann die Frage etwas eingrenzen. Wäre zumindest schön, da ich diese Seite nur in meiner Freizeit betreibe ;-)

Danke

Antwort von

Eingrenzung der Fragen:

Vor-und Nachteile (FOLGEN), wenn ich dieses Jahr mehr als 17500 EUR Umsatz schaffe.

Muss ich dann im nächsten Jahr die MWST auch auf ausländischen Rechnungen (spez. Italien, Frankreich) ausweisen bzw. an das FA abführen? (nach meiner Information kann man keine MWST auf Rechnungen in das Ausland ausweisen)

Erledigt das ein Steuerberater mit der Abführung der MWST an das FA, da ich in dieser Materie nicht form bin.

Gelte ich nach Überschreitung der Umsatzgrenze noch immer als Kleinunternehmer ( Kleingewerbe)? Oder hat dies dann noch Konsequenzen gegenüber meinem Hauptjob?

Mfg

ZENI

Antwort von

Hallo Zeni,

Vorteile einer Umsatzsteuerpflicht:

Berechtigung zum Vorsteuerabzug

das heißt Sie können sämtliche in Rechnung gestellt bekommene Umsatzsteuer anderer Unternehmer als Vorsteuer beim Finanzamt erstattet bekommen.

Nachteile der Umsatzsteuerpflicht:

Sofern man sehr oft an Privatpersonen verkauft, führt eine Umsatzsteuerpflicht immer dazu, dass von den Einnahmen die Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen ist, daher weniger beim UNternehmer in der TAsche bleibt.

Beispiel:
Umsatzsteuerfrei: ebayverkauf in Höhe von 100 EUR, verbleiben beim Verkäufer 100 EUR

Umsatzsteuerpflicht:

ebayverkauf in Höhe von 100 EUR, verbleiben beim Verkäufer 86,21 EUR

(16% aus 100 EUR, 100 EUR/116*100)

Fazit:

Der Unternhemer hat effektiv 13,79 EUR weniger verdient.

Ausweg:

Erhöhung der PReise:

Der UNternehmer schlägt auf die ehemals 100 EUR die an das Finanzamt zu zahlende Umsatzsteuer in Höhe von derzeit noch 16% auf.

Der Kunde zahlt dann also nicht mehr 100 sondern 116 EUR. Deswegen ist dieser Weg beim Verkauf an Privatpersonen nicht unbedingt gut, da die Privatpersonen mehr für die Produkte zahlen müssen. Das klappt nur beim Verkauf an

andere Umsatzsteuerpflichtige UNternehmer, denn sie können sich die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer ja auch als Vorsteuer vom Finanzamt wiederholen.

Weiterer Nachteil:

Monatliche (eventuell auch quartalsweise) Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung (seit neustem muss dies per edv erfolgen) und zahlung der umsatzsteuer. wenn größere anschaffungen getätigt wurden auch mal eine erstattung.

da sie aber vorwiegend material und ware von privatleuten erwerben, ist da natürlcih keine umsatzzsteuer enthalten. deswegen auch keine erstattung.

Zu prüfen wäre ncoh wie die umsätze ins ausland besteuert werden.

Dazu muss man auf jeden fall wissen, in welche länder gelifert wird. Also innerhalb der EU (Italien, Österreich, Frankreich) oder auch in Nichteuländer (so genannte Drittländer) z.B. Schweiz, USA, Chile usw.

Zur Umsatzbesteuerung innerhalb der EU und der Drittländern existiert hier ein sehr gutes Skript zum nachlesen mit Beispielen und Lösungen:

(Vorsicht, etwas detalliert und sehr speziell, da aus BWL Studium)
www.bwl24.net/blog/skripte-download/uebung_umsatzsteuer_lieferungen_eu-binnenmarkt-pdf/

Antwort von

Muss ich dann im nächsten Jahr die MWST auch auf ausländischen Rechnungen (spez. Italien, Frankreich) ausweisen bzw. an das FA abführen?


Wenn man Kleinunternehmer ist und daher keine Umsatzsteuer ausweisen muss, gilt das natürlich auch fürs Ausland.

Ist man kein Kleinunternehmer, also umsatzsteuerpflichtig, so ist wieder entscheidend, wo die Ware hin versendet wird.

Es ist immer der Ort der Lieferung zu prüfen. Sofern dieser in Deutschland liegt, ist auch eine Umsatzsteuerpflicht vorhanden. Velagert sich dieser Ort ins Ausland, so kann man von davon ausgehen, dass die Lieferung in Deutschland nicht steuerbar ist. Man sollte aber auch das ausländische Steuerrecht nicht aus dem Auge lassen. Der Empfänger der Lieferung (bei Privatpersonen in der Regel nicht interessant) muss ebenfalls prüfen, wie in seinem Land die Sache zu bewerten ist.

Als Resultat kommt wohl in allen Fällen ein "Nicht Ausweisen der Steuer" heraus. (Unter Vorbehalt, da das dt. Umsatzsteuerrecht sehr viele Ausnahmen kennt, so dass solche Aussagen eigentlich nie stimmen)

Wenn von Dtl. in andere Mitgliedsstaaten geliefert wird und

wenn der Empfänger eine Privatperson ist gilt:

Ort der Lieferung ist EU Mitgliedsstaat (Frankreich, Österreich usw.)

= Kein Ausweis dt. Umsatzsteuer

Wenn der Empfänger Unternehmer ist (eine Umsatzsteueridentifikationsnummer hat) hängt es von der so genannten Lieferschwelle ab und ob der Empfänger diese überschreitet oder nicht.

Zusammenfassung Lieferung zwischen Deutschalnd und EU-Staaten:

Ein richtiges System gibt es da leider nicht. Es ist auf jede Fall der jeder einzelen Fall zu prüfen.

Das Umsatzsteuerrecht hier zu veröffentlichen, würde bei weitem über den Sinn- und Zweck dieser Seite hinausgehen.

(Das ist so ziemlich ein Semester meines Steuerrechtstudiums gewesen.)

Lieferungen ins Drittland (Schweiz, USA usw.)

Diese sind zwar steuerbar, aber gleichzeitig nach §4 UStG steuerbefreit:

Fazit: Lieferungen ins Drittland (Nicht EU Gebiet) sind umsatzsteuerfrei. Das sollte man auch auf der Rechnung vermerken.

Antwort von

Erledigt das ein Steuerberater mit der Abführung der MWST an das FA, da ich in dieser Materie nicht form bin.



Mein Tipp:

Unbedingt mit einem Steuerberater sprechen, der sich mit Umsatzsteuer (insbesondere mit der Besteuerung von Lieferungen innerhalb der EU und ins Drittland auskennt.) auskennt. Aber Vorsicht, das könnte auch teuer werden.

Eine Umsatzsteuervoranmeldung per Datenübermittlung kann man auch selbst zum Finanzamt senden, dazu muss man nicht unbedingt einen Steuerberater haben.

Das Programm Elster ist für diese Zwecke von der Finanzverwaltung entwickelt worden und kann kostenlos eingesetzt werden.

www.elster.de

Antwort von

Gelte ich nach Überschreitung der Umsatzgrenze noch immer als Kleinunternehmer ( Kleingewerbe)? Oder hat dies dann noch Konsequenzen gegenüber meinem Hauptjob?



Zu den Umsatzgrenzen und den Auswirkungen bitte den Artikel
Wechsel vom Kleinunternehmer zur Regelbesteurung

nutzen.

Oder nutzen Sie unser Tool zur Kleinunternehmerregelung unter: www.betriebsausgabe.de

Konsequenzen gegenüber dem HAuptjob:

Nur, wenn der Chef es verhindern möchte, dass sie nebenbei mehr verdienen, als bei ihm.

es wird dann wohl die zeit sein, die es verbietet, den nebenjob auszudehnen, denn ebay ist sehr zeit und arbeitsaufwendig, da kommen dann viele nachtschichten auf sie zu, das merkt dann ihr chef, wenn die leistungsfähigkeit abnimmt.

zurück
Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!