Frage von David am 06.02.06

Wechsel vom Kleinunternehmer zur Regelbesteuerung, aber wie?

Versuche hier mal eine Problematik zu formulieren dir recht umständlich ist und zu der ich von jedem (egal ob Fachliteratur, Finanzamt oder Steuerberater) eine andere Meinung höre!

Seit Sep. 2003 bin ich selbständig als Avid-Editor tätig und dies im Rahmen der Kleinunternehmerregelung. Für die gilt eine Umsatzgrenze von 17.500€ im Vorjahr bzw. 50.000€ im laufenden Jahr. Und genau in dieser Formulierung liegt der Knackpunkt!

Im Gründungsjahr war ich natürlich unter der 17.500€ Grenze (auch wenn man die vier Monate aufs ganze Jahr hochrechnet). 2004 lag ich drüber (ohne Umsatzsteuer da ich ja keine eingenommen habe !?) und im Jahr 2005 lieg ich ohne Umsatzsteuer knapp unter 17.500€. Das Finanzamt behauptet nun, ich wäre nur 2005 straffrei davon gekommen und müsse aber nun für 2005 die 16% Mwst. an sie abführen die ich ja gar nicht eingenommen/ausgewiesen habe - de facto also aus eigener Tasche zahlen. Laut Finanzamt hätte ich ja MwSt eingenommen nur eben nicht extra ausgewiesen - was natürlich Paradox ist. Ich hatte die Regelung immer so ausgelegt wie es auf gruenderlexikon.de auch formuliert ist. Der Wechsel zur Regelbesteuerung ab Beginn diesen Jahres war geplant.

Wie ist nun die Sachlage und was passiert mit den umsatzsteuefrei gestellten Rechnungen aus dem Dezember 2005, deren Geldfluss erst 2006 statt fand? Muß ich wirklich die 16% die ich gar nicht einnahm 2005 - ans Finanzamt abführen???

Antwort von

Danke für den Beitrag, die ich gern versuche zu beantworten.

Zunächst eine Frage:
Was macht ein Avid-Editor?

Im Folgenden möchte ich einige Passagen aus den Umsatzsteuerrichtlinie zitieren bzw. verständnishalber anfügen.

Umsatz im Sinne dieser Regelung ist der Bruttojahresumsatz, welcher inkl. Umsatzsteuer zu verstehen ist. Bei der Klärung obiger Frage ist also immer der Bruttowert ausschlaggebend.

Sofern man umsatzsteuerbefreit war oder ist, stellen die eingenommenen Gelder den Bruttoumsatz dar. In diesem Fall ist der Bruttoumsatz = der Nettoumsatz, da ja keine Umsatzsteuer enthalten ist.

Sollte das Finanzamt feststellen, dass ein Unternehmer umsatzsteuerpflichtig ist, so kann der umsatzsteuerfreie Bruttoumsatz nachträglich auch umsatzsteuerbehaftet sein.

Bsp.:
Unternehmer A ist USt-frei. Sein Bruttoumsatz (=alle Einnahmen) haben 17.800 EUR betragen. Das Finanzamt stellt dies fest. Somit muss der Unternehmer A aus den Einnahmen von 17.800 EUR die Umsatzsteuer nachträglich abführen. Es ist also eine Umsatzsteurnachzahlung in Höhe von 2.455,17 EUR (16%) USt) fällig, obwohl der Unternehmer diese "eigentlich nicht eingenommen hat"

Da es sich jedoch stets um einen Bruttoumsatz handelt, ist dieser immer inkl. Umsatzsteuer zu verstehen.

Bei Existenzgründern ist im Gründungsjahr der Bruttoumsatz von 17.500 EUR ausschlaggebend. Die zweite Grenze in Höhe von 50.000 EUR entfällt.

"Maßgebend ist die zu Beginn eines Jahres vorzunehmende Beurteilung der Verhältnisse für das laufende Kalenderjahr...

Ist danach ein voraussichtlicher Umsatz zuzüglich der Steuer von nicht mehr als 50.000 EUR zu erwarten, ist dieser Betrag auch dann maßgebend, wenn der tatsächliche Umsatz zuzüglich der Steuer im Laufe des Kalenderjahres die Grenze von 50.000 EUR überschreitet. Der Unternehmer hat dem Finanzamt auf Verlangen die Verhältnisse darzulegen, aus denen sich ergibt, wie hoch der Umsatz des laufenden Kalenderjahres voraussichtlich sein wird."

Quelle: UStR 246 Abs. 3

Wie hoch war der Umsatz inkl. Umsatzsteur im Jahr 2005?

Laut Ihren Aussagen netto nicht mehr als 17.500 EUR. Da es aber um den Bruttoumsatz geht (inkl. Steuer) muss die Steuer hinzugerechnet werden. Somit ergibt sich ein Betrag von ca. 20.299 EUR (17.499 EUR *1,16)

Das heißt: Im Jahr 2005 werden die 50 TEUR nicht überschritten, aber die 17.500 EUR im Vorjahr. Also umsatzsteuerpflichtig.

Antwort von

Vielen Dank für die Antwort.

Leider bin ich dennoch etwas verwirrt. Irgendwie widersprechen sich deine Aussagen. Anfangs heißt es noch dass bei einer Umsatzsteuerbefreiung (wie sie bei mir bis Ende 2005 im Rahmen der Kleinunternehmer-Regelung ja vorlag) der Bruttobetrag=Nettobetrag ist und bei einer Überschreitung von 17.500 € die nachgezahlten 16% sich daraus erklären, dass man eben vom Bruttoumsatz inklusive einer imaginären Umsatzsteuer redet.

Am Ende ist aber ein Betrag von unter 17.500 € noch mit der Umsatzsteuer zu addieren. Also Nettoumsatz nicht gleich Brutto?

Alles ziemlich verwirrend und schwer in Formulierungen zu pressen. Wichtig wäre für mich auf jeden Fall zu wissen, in welchem Jahr ich wieviel Umsatz machen darf um in die K-Regelung zu fallen und nicht nachträglich umsatzsteuerlich belangt werden kann. Außerdem steht die Frage, wie man in welcher Situationd den Bruttoumsatz definiert. Gerade in diesem Punkt widerspricht sich die Aussage.

Nochmal ganz konkret zu meiner Lage:

Existenzgründung Sept. 2003 ( Netto/Bruttoumsatz? = auch aufs Jahr hochgerechnet unter 17.500 €).

2004 ( Netto/ Brutto = über 17.500 €)

2005 ( Netto/ Brutto = unter 17.500 €)

Ab 2006 mache ich nun umsatzsteuerlich von der Regelbesteuerung Gebrauch.

Was die Frage nach dem AVID-Editor angeht: Die korrekte Berufsbezeichnung lautet Film- und Videoeditor und bezieht sich auf das Schneiden/Vertonen/Composen von Videomaterial. Ich schneide überwiegend an einem Schnittsystem das AVID heißt - daher die Bezeichnung.

Antwort von

Hallo david_jeremy,

es ist wirklich nicht ganz einfach zu verstehen. ICh versuche nochmals die Unklarheiten zu beseitigen.

Zunächst zum Begriff der Einnahmen.

Bei der Kleinunternehmerregelung werden immer die Bruttoeinnahmen betrachtet. Man sollte daher den Begriff Nettoeinnahmen nicht verwenden. Zu den Bruttoeinnahmen zählt alles, was man im betreffenden Jahr eingenommen hat, also was letztlich auf Ihrem Konto oder in Ihrem Händen landet. Daher ist auch die Betrachtungsweise brutoo / netto nicht wichtig. Was zählt ist das, wass Sie tatsächlich in die Hände bekommen.

Bei der Entscheidung der Kleinunternehmerregelung wird dann nur noch entschieden, ob Sie das was Sie in den Händen halten auch wirklich behalten dürfen oder ob Sie davon wieder etwas abgeben müssen, weil Sie zu viel in den Händen hatten.

Konkret:

Deswegen auch die etwas verwirrende Formulierung. Wenn Sie sagen ohne Umsatzsteuer hatten sie weniger als 17.500 EUR, dann spielt das keine Rolle. Sie müsse die Zahlen ermitteln von dem was Sie in die Hände bekommen haben. Deswegen habe ich auch von den 17,5 TEUR auf Brutto hochgerechnet, was auch falsch sein kann, wenn Sie tatsächlich nur 17,5 TEUR hatten. Das ist genau der Grund, warum man von Bruttoeinnahmen spricht, also dem was tatsächlich von Ihren Kunden gezahlt wird. Erst danach wird entschieden und entweder eine Umsatzsteuerpflicht oder eine befreiung festgestellt.

Daher nochmals die Bitte:

Um eine konkrete Aussage zu treffen müssen die tatsächlichen Einnahmen bekannt sein (das was Sie in Ihren Händen hielten).

Aus dem was ich aus Ihren Zeilen entnehmen konnte, kann ich folgendes feststellen:

2003 weniger als 17.500 EUR

2004 mehr als 17.500 EUR

2005 mehr als 17.500 EUR?

2006 mehr als 17.500 EUR

Das heißt folgendes für die USt:

2003 steuerfrei (im Gründungsjahr weniger als 17,5 TEUR)

2004 steuerfrei (da im laufenden Jahr weniger als 50 TEUR und im Vorjahr weniger als 17,5 TEUR)

ab 2005 steuerpflichtig (da im Berichtsjahr weniger als 50 TEUR, aber im Vorjahr mehr als 17,5 TEUR)[/quote]

Antwort von

Die Begrifflichkeit Brutto/ Netto im Kleinunternehmer-Zusammenhang ist mir bewußt. Im Jahre 2005 hatte ich jedoch eben UNTER 17.500€ Einnahmen (und zwar Brutto, d.h. genau so viel hab ich insg. umsatzsteuerfei eingenommen!). Wenn ich Ihre Zeilen jedoch richtig deute, ist es völlig egal wieviel ich 2005 eingenommen habe, da ich im Vorjahr 2004 über 17.500€ lag. Was bedeutet, dass ich automatisch ab 2005 umsatzsteuer hätte ausweisen und sie ans Finanzamt abführen müssen - wovon mich das Finanzamt natürlch auch nach Abschluss der Steuererklärungsprüfung im laufenden Jahr 2005 nicht unerrichtete (was sie sicherlich auch nicht müssen). Jedoch ist es so, dass ich mehrmals beim Finanzamt war und eben diesen Fall erläutert habe, weil mir nach wie vor nicht einleuchtet, warum ein "und" zwischen "17500€ im Vorjahr" und "50000€ im laufend Jahr" steht!? Es müßte doch eine "Oder-Regelung" sein. Denn wenn nur einer dieser beiden Fälle (wie bei mir) zutrifft, tritt die Regelung in Kraft!!! SO wie ich das sehe, hat mich das Finanzamt ganz klar vorsetzlich auflaufen lassen.

Ich habe es eben immer so verstanden, dass ich so lange Kleinunternehmer bleiben kann (und damit die Möglichkeit habe umsatzsteuerfrei zu arbeiten), so lange ich sowohl im Vorjahr die 17.500€ nicht überschreite UND im laufenden Jahr vorraussichtlich die 50.000€ nicht überschreiten werde!

Antwort von

Genau, es kommt auf das UND an. Es müssen also gleichzeitig beide GRenzen einhalten. In der Regel kommt dann auch vom Finanzamt die Mitteilung, dass man umsatzsteuerpflichtig ist.

Zur Sicherheit würde ich mir einfach das vom FA schritflich bestätigen lassen, so dass Sie keine bösen Überraschungen in der Zukunft erleben.

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