Frage von Wallotti am 29.04.10

Puppenmachen als freiberuflicher Nebenerwerb - muss ich mich bei eBay als gewerblicher Verkäufer anmelden?

Eigentlich habe ich nicht wirklich ein Unternehmen Bei mir geht es wohl eher um ein Hobby. Ich stelle in meiner Freizeit Puppen her, die ich hin und wieder zum Verkauf anbiete. Also bisher sechs Puppen in zwei Jahren auf ebay. Das war alles. Damit es nicht an der Steuer vorbei geht, habe ich unser Finanzamt davon überzeugt, dass es sich bei meinem Tun um eine freiberufliche Tätigkeit als Nebenerwerb handelt. Irgendwann stufen sie es wahrscheinlich als Hobby ein. Aber soweit ist es noch nicht.

Nach einer längeren Ebay-Abstinenz möchte ich wieder Puppen auf dieser Plattform zum Verkauf anbieten. Die damit erzielten Erlöse will ich anschließend an SOS-Kinderdorf spenden.

Und ebay ist zunächst einmal auch mein Problem. Ich weiß nämlich nicht, was für ein Verkäufertyp ich dort bin und was ich als freiberuflicher Puppenkünster eigentlich so darf. Sicher ist nur, dass auch wir Puppenmacher mittlerweile höllisch aufpassen müssen, dass wir uns auf Ebay keine Abmahnungen einfangen. Also möchte ich die ganze Geschichte halbswegs sicher gestalten und natürlich auch halbwegs seriös. Deshalb habe ich mich heute endlich getraut, mich hier anzumelden. Ich hatte schon öfter Mal hier gelesen, aber es ist ziemlich müssig, solange zu warten, bis womöglich irgendwann einmal Jemand genau die Fragen stellt, nach deren Antwort ich auf der Suche bin

Antwort von

Eigentlich habe ich nicht wirklich ein Unternehmen

 



die Frage ist zunächst, ab wann bin ich denn überhaupt ein Unternehmer? Oder ab wann betreibe ich ein Gewerbe?

dazu haben wir bereits einen Artikel verfasst, der auf jeden Fall mal gelesen werden sollte:

Gewerbeanmeldung FAQ 14

Und eBay ist zunächst einmal auch mein Problem. Ich weiß nämlich nicht, was für ein Verkäufertyp ich dort bin und was ich als freiberuflicher Puppenkünster eigentlich so darf.



bei ebay unterscheidet man eben nicht zwischen Freiberufler und Gewerbetreibender. In deinem Fall bist du sicher ein gewerblicher Verkäufer, da du es ja immer wieder mit der Absicht tust, Einnahmen zu erzielen. Du entrümpelt Mal eben nicht nur deinem Dachboden und dann nie wieder.

es ist bei eBay ziemlich einfach, wenn nicht privat, dann Gewerbe, auch wenn es freiberuflich ist. Übrigens solltest Du da auch vorsichtig sein, so einfach wie Du es hier machst ist es sicher nicht. Dies folgenden Artikel, der erklärt, wo der Unterschied zwischen Gewerbebetrieb und freiberuflicher Tätigkeit liegt. Man kann sich das nicht aussuchen, das ist tatsächlich festgelegt und mit sehr vielen Urteilen untermauert:

Wie unterscheidet sich der Freiberufler vom Gewerbetreibenden FAQ 18

Nach einer längeren Ebay-Abstinenz möchte ich wieder Puppen auf dieser Plattform zum Verkauf anbieten. Die damit erzielten Erlöse will ich anschließend an SOS-Kinderdorf spenden.



in diesem Fall hättest du Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit (meiner Ansicht nach aus Gewerbebetrieb, siehe oben), so dass du deinen Gewinn entsprechend ermitteln musst. Was Du mit diesem Gewinn macht, steht überhaupt nicht zur Debatte, man muss das schon sehr genau trennen. Wenn Du den Gewinn in Mallorca versäufst ist das ebenso eine private Angelegenheit von dir, als würdest du es einem Verein spenden. Einen Unterschied gibt es da noch, ist der Verein (ich gehe davon aus, dass SOS Kinderdorf ein solcher ist) gemeinnützig oder mildtätig, so kannst Du die Beiträge und Spenden bei deiner privatenEinkommensteuererklärung als Sonderausgaben zum Abzug bringen. Weiteres sollte einSteuerberater berechnen und erläutern.

Hinweis: also immer trennen, dem Finanzamt ist es egal, was Du mit dem Gewinn macht. Die sind nicht sozial eingestellt, sondern versuchen Steuern einzutreiben und Bemessungsgrundlagen zur Steuerberechnung zu überprüfen.

Antwort von

Danke für deine ausführliche Antwort Thorsten. Im Prinzip habe ich das wohl ziemlich dämlich formuliert, denn ich habe das Ganze schließlich bei unserem Finanzamt vor zwei Jahren als eine im Nebenerwerb betriebene freiberufliche künstlerische Tätigkeit angemeldet. Begründet habe ich es damals damit, dass meine Arbeiten eigenschöpferisch und persönlichkeitsbezogen sind und ich auf sämtliche zur Herstellung einer hochwertigen Unikatssammlerpuppe erforderlichen Tätigkeiten den entscheidenden gestalterischen Einfluß ausübe. Dementsprechend habe ich auch eine Steuernummer zugeteilt bekommen. Ich wollte damals unbedingt so eingestuft werden, um den Verwaltungsaufwand so gering wie möglich zu halten.

Mittlerweile habe ich aber feststellen müssen, dass ich für eBay ein derartig schwer einzuordender Fall bin, dass es zur Zeit für mich keine Möglichkeit gibt, mein gewerbliches Konto dort zu verifizieren, weil ich weder einen Gewerbeschein noch eine Anmeldung in der Künstlersozialkasse vorlegen kann. Insofern denke ich jetzt doch darüber nach, endlich das Wagnis einzugehen und ein Gewerbe anzumelden. Im Prinzip fühle ich mich dem Verwaltungsaufwand schon gewachsen. Ich bin Industriekauffrau und berherrsche insofern das Prinzip der doppelten Buchführung. Außerdem könnte ich dann auch mein Angebot erweitern, z.B. um selbstgenähte und selbstgetrickete Baby(puppen)kleidung, Kalender usw.

Bisher haben mich eigentlich so kleine Unsicherheiten von dem Schritt abgehalten.

Zum einen ist das die IHK. Ich weiß, dass die IHK, die für mich zuständig ist, für Kleinunternehmer beitragsfrei ist, wenn ihr Gewerbeertrag 5.200 € im Jahr nicht überschreitet. Glauben mir die das denn einfach so, dass ich diese Gewinnzone nicht erreichen werde? Wie wird das geprüft?

Die Berufsgenossenschaft lag mir bisher auch quer im Magen. Aber mittlerweile glaube ich zu wissen, dass ich dort nicht Mitglied werden muss, weil ich keine Mitarbeiter beschäftige. Stimmt das?

Antwort von

Ihk

Glauben mir die das denn einfach so, dass ich diese Gewinnzone nicht erreichen werde?



Sie werden nur am Anfang ohne weitere Nachweise den Gewinn glauben, man muss aber mit Sicherheit eine Rentabilitätsvorschau vorlegen, um zumindest eine Schätzung oder eine Prognose abzugeben. Später wird man immer eine BWA oder ein Steuerbescheid (speziell: Einkommensteuerbescheid) haben wollen, um die Beiträge zu berechnen und auch einen Nachweis zu erhalten.

Die Berufsgenossenschaft lag mir bisher auch quer im Magen. Aber mittlerweile glaube ich zu wissen, dass ich dort nicht Mitglied werden muss, weil ich keine Mitarbeiter beschäftige. Stimmt das?



das ist so auch nicht ganz richtig, lustiger Weise macht das jede Berufsgenossenschaft anders. Manche erkennen ein formloses Schreiben an, indem man erklärt, dass man selbst für seine Unfallversicherung gesorgt hat und auch keine Mitarbeiter beschäftigt. Andere Berufsgenossenschaften akzeptieren das wiederum nicht und berechnen eine ArtPflichtversicherung.

Dazu kann ich einfach nur den Tipp geben: bei deiner zuständigen Berufsgenossenschaft erkundigen, wie es dort gehandhabt wird. Außerdem würde ich nicht unbedingt schlafende Hunde wecken, warte einfach ist man sich bei dir meldet. Dann kannst du immer noch reagieren.

Bitte hier das Ergebnis als zusätzliche Information für andere Leser veröffentlichen. Danke. Und viel Glück.

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