Frage von Hanna am 11.03.13

private Kleidung gewerblich verkaufen, wie buche ich das?

Hallo,

 

Ich habe letzte Woche ein Kleingewerbe angemeldet, um die tausenden Kleidungsteile meiner 6 Kinder, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe, legal und mit gutem Gewissen zu verkaufen. Ich möchte immer mal etwas verkaufen, wenn ich Zeit habe - also kein Riesengeschäft :-)

Die meisten Sachen sind schon detailiert fotografiert (habe ich gleich beim Wegsortieren gemacht) und benummert und habe sie schon auf einer selbstgebastelten Hompage deponiert (ist ein Hobby von mir)

1. Was micht am meisten beschäftigt, ist die Frage: Wenn ich eine Jacke, die ich vor 5 Jahren für EUR 50,- gekauft habe, nun für EUr 20,- verkaufe, sind dann die EUR 20,- mein Gewinn, den ich dem Finanzamt melden muß? Damit könnte ich vielleicht noch leben (Gewinn ist aber ein Witz).

2. Allerdings habe ich für die meisten Sachen - oder auch Kinderspielzeuge usw. keine Belege mehr, wo und wann sie gekauft wurden. Wie buche ich nun diese Teile und vor allem, wie kann ich dem Finanzamt glaubhaft machen, daß sie mein Eigentum sind? Was muß eine Buchung alles beinhalten?

3. Wenn ich im Monat MÄrz für EUr 250,- KLeidung verkaufe und vielleicht ein anderes Kleidungspaket in Ebay für EUR 100,- ersteigere um es dann in Einzelteilen wieder zu verkaufen, hätte ich dann in diesem Monat einen Gewinn von EUR 150,-?

Theoretisch verkaufe ich ja nicht die Sachen im Monat März, die ich auch im März eingekauft habe. Ich kann auch bei solchen Kleidungspaketen auf keinem Fall jedem Teil einen Preis zuorden, das wäre zu aufwändig, das müßte irgenwie pauschal machbar sein.

4. Ist es in Ordnung, daß ich alle Kleidungsteile, die ich bisher schon fotografiert und bepreist habe, ins Netz hochlade? Es sind alles meine Eigenen, aber ich habe darüber meist keine Einkaufsbelege mehr (teilweise auch schon über 10 Jahre alt)

5. Wie buche ich z.B ein Paket aus den Kleinanzeigen, wo ich eventuell keine Adresse vom Verkäufer habe - nur die Bankdaten (reicht da der Kontobeleg, daß ich das Paket bezahlt habe?)

Ich hoffe, ihr könnt mir hier etwas weiterhelfen? Weder das Finanzamt noch das Gewerbeamt haben mir dazu etwas sagen können. Vielen, vielen Dank

 

 

 

Antwort von

Hallo Hanna,  

Deine Ehrlichkeit in Ehren, aber ich glaube du machst dir auch viel zu viele Gedanken. Wenn du wirklich das ganze gewerblich laufen lassen möchtest, um später keinen Ärger mit dem Finanzamt zu bekommen, kann ich das noch verstehen, aber wie man das nun im einzelnen bucht solltest du wirklich jemandem überlassen, der Ahnung davon hat, wenn du es selber nicht kannst.

Ansonsten hast du doch mehr Zeit für die Erfassung der Daten verbraten, als dich wirklich um das Geschäft zu kümmern. Ich möchte es dir trotzdem in wenigen Sätzen erklären. Bitte dich aber darum, noch einmal einen Steuerberater zu befragen oder dem Finanzamt etwas auf den Trichter zu gehen.

Die haben nämlich die Pflicht, derartige Hilfestellung zu leisten. Macht man das nicht, ist da einfach nur jemand faul. Vom Gewerbeamt braucht man in dieser Beziehung keine Hilfe zu erwarten.  

Erfassung der Einnahmen = Umsatz:  

Egal an wen verkauft wird, der Umsatz wird erfasst, ob nun eine Quittung oder Rechnung ausgestellt wurde oder nicht. Das Geld geht ja auf deinem Konto ein und könnte nachgeprüft werden können. Letztlich scheißt man sich dann man nur selbst, wenn man etwas unter den Tisch fallen lässt, es kommt mit Sicherheit raus, wenn eine steuerliche Prüfung durchgeführt wird. Zum anderen würde ich es lächerlich finden, wenn man einerseits über genau ist und ein Gewerbe für etwas anmeldet, was ich gar nicht tun würde, andererseits aber bei den Umsätzen versucht etwas zu verschleiern. Aber das musst du selber wissen.   Zum Umsatz zählt alles was überwiesen wurde, auch enthaltene Versandkosten oder ähnliches.  

Erfassung der Ausgaben

Ausgaben sind alle Dinge die Im Rahmen des Gewerbes ausgegeben worden. Dazu zählen zum Beispiel Reisekosten, Porto, Telefonkosten (hier muss einer private Korrektur durchgeführt werden) Werkzeuge oder Kleingeräte, Miete usw.

Was alles als Betriebsausgabe möglich ist, verrät dir das Lexikon der Betriebsausgaben unter www.betriebsausgabe.de  

Hier gibt es auch ein Forum unter www.betriebsausgabe.de/forum/ wo detailliert gefragt werden kann und in der Regel von einem Steuerberater geantwortet wird.  

Was natürlich auch zu den Ausgaben zählt und für dich besonders wichtig ist, denn es scheint die größte Position zu sein, ist die Ware, die verkauft wird. Genau das ist aber in deinem Fall etwas komplizierter als bei normalen Unternehmern, die Aufrechnungsware kaufen, um sie später teurer weiterzuverkaufen. Du hast richtig festgestellt, du hast gar keine Rechnungen mehr, die Ware ist auch teilweise schon sehr alt. In diesem Fall kannst du nur noch einen so genannten Teilwert bestimmen, der dann die Ausgaben für deine Ware darstellen. Der Teilwert ist der Wert, der im Allgemeinen von einem fremden Dritten für die Ware gezahlt wurde.

Wie man den ermittelt: das ist auch wieder schwierig und wurde am besten über eBay funktionieren. Da du aber dort vielleicht selber genau dieses Stück verkaufen möchtest, würde der anzusetzenden Wert sich mit dem Wert decken, den du ja sicherlich beim Verkauf bekommst. Da es viele kleine Einzelstücke sind, würde ich die auch zusammenfassen und mit einem pauschalen Wert berücksichtigen. Das sind dann deine Ausgaben, du musst also keine einzelnen Stücke bewerten.

Auch wenn du für 100 Euro mehrere Kleidungsstücke in einer Position kaufst, ist das eine Ausgabe insgesamt. Wenn du die einzelnen Stücke wieder verkaufst und insgesamt 200 Euro dafür bekommst, hast du rein rechnerisch unterm Strich 100 Euro Gewinn gemacht. Es ist also gar nicht so kompliziert wie du denkst. So würde ich das dem Finanzamt vorstellen und von denen einfach absegnen lassen. Wenn die das nämlich genauso sehen, kannst du es auch so machen. Hast dann für die Zukunft die Gewähr, alles richtig gemacht zu haben und kannst dich immer auf Datum Ort und Bearbeiter beim Finanzamt berufen.  

Wie wird erfasst?

Viele nutzen einfach eine Tabelle, handschriftlich oder mit Excel und schreiben dort ein Datum, einen Namen und die entsprechenden Umsätze rein. Jeweils nach einem Monat kann man einer Zwischenabrechnung machen, für das Finanzamt ist der Gewinn oder Verlust (Einnahmen minus Ausgaben) am Jahresende relevant, denn das sind dann die Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die in der privaten Einkommensteuererklärung als Einkünfte angegeben werden müssen. Man kann natürlich auch eine Software kaufen und die nutzen. Dazu mal hier weiterlesen.

Mein persönlicher Eindruck:

Was du vor hast ist Zeitverschwendung, wirklich Geld kannst du damit bestimmt nicht verdienen, es sei denn du suchst dir gerade eine interessante Beschäftigung und möchtest dafür noch ein paar Euro bekommen. Dann hat das aber wiederum nichts mit Unternehmertum und Einnahmenerzielungsabsicht zu tun, sondern wird eindeutig unter einem Hobby bei einer späteren Prüfung gesehen und damit als Liebhaberei eingestuft. Trotzdem wünsche ich dir viel Glück bei der ganzen Aktion.   

Sicher hast du die letzten Beiträge von ZDF WISO gesehen, wo private Verkäufer bei eBay abgemahnt wurden, weil sie ihre privaten Dinge verkauft haben. Diesem Bericht habe ich nämlich auch gesehen und finde das natürlich erschreckend, so dass die privaten Leute durch derartige Praktiken von Rechtsanwälten in die gewerblichen Tätigkeiten getrieben werden. Man darf ja nicht vergessen, wenn man keine Ahnung von Buchführung und Gewinnermittlung hat, muss man wegen der paar Euro Umsatz extra zum Steuerberater gehen und die Einkünfte für die Steuererklärung ermitteln lassen. Das wiederum kostet doch ein paar Euro, die in der Regel die paar Euro Umsatz mehr als auffressen. Da sage ich dann nur "gute Nacht und kein Bett" liebes Deutschland.

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