Frage von Marcus am 29.04.09

Mutterschaftsurlaub, freiberufliche Tätigkeit - was muss bei der Krankenversicherung beachtet werden?

Hallo zusammen,

Ich bin bei meiner Suche nach diversen Informationen zum Thema freiberufliche Nebentätigkeit auf dieses Forum gestossen und hoffe das mir hier vielleicht jemand helfen kann.

Für alle Bemühungen bedanke ich mich schonmal Smile

Und jetzt zu meiner Frage(n):

Meine Frau arbeitet nebenberuflich (Kleinunternehmerregelung) als freie Dozentin für verschiedene Bildungsträger (IHK, etc.)

Jetzt ist es so das sie im 4 Monat schwanger ist und im September '09 in den Mutterschutz gehen wird. Soweit so gut.

Nur möchte sie ab Januar '10 wieder als freie Dozentin arbeiten. Dies bedeutet das sie nach aktuellem Stand gut und gerne 6.000 bis 8.000€ (200 bis 270 Unterrichtseinheiten à 45min) im Jahr 2010 verdienen (in rechnungstellen) dürfte. In ihren "normalen" Beruf als Angestellte im öffentlichen Dienst möchte sie frühestens nach einem Jahr, eventuell 1 1/2 Jahren zurückkehren. Und dann auch nur auf einer 20% Basis (dürften dann so ca. 650,00 € im Monat sein).

Dies alles stellt erstmal kein wirkliches Problem dar. Aber wie sieht es mit der Krankenversicherung aus? Kann sie in der Zeit des Mutterschutzes selbst mit ihrem Einkommen aus der freiberuflichen Tätigkeit bei mir in der GKV mitversichert bleiben? Denn sollte sie in eine PKV wechseln müssen würde das natürlich die "Gewinn-Seite" ihrer freiberuflichen Tätigkeit extrem mindern!

Und wenn sie je in die PKV wechseln muss und sich dort privat versichern müsste, kann sie dann bei Wiedereintritt in das Angestelltenverhältnis die GKV in Anspruch nehmen?

Als freie Dozentin in einem Bereich mit weiterführender Abschlussprüfung darf sie im Jahr 2.000€ steuerfrei verdienen. Gelten diese 2.000 € aber auch für die Bemessung der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Krankenkassenform? Oder werden diese unabhängig von der Steuer betrachtet? Denn wenn die 2.000€ die Krankenkasse nicht tangieren würden, dann könnte sie eventuell sogar den Unterricht so einrichten das sie 350,00 € verdienen würde und so unter die Geringverdienerregelung fallen könnte. Wären dann immerhin mit den 2.000€ zusammen auch über 200 Unterrichtseinheiten im Jahr.

Und wenn sie dann später z. B. in einem Angestelltenverhältnis 650€ verdient, aber im Nebenberuf z.B. 850€, ist denn dann der Nebenberuf überhaupt noch ein Nebenberuf oder gilt er dann als hauptberufliche Tätigkeit?


Sorry das ich so viele Fragen stelle, aber die Dame der Krankenversicherung war mit dieser Fragestellung komplett überfordert. Und ein mir bekannter Steuerfachmann ebenfalls. Dem hat glaube ich komplett der Kopf gedreht als ich mit meinen Ausführungen fertig war.

Als nächster Schritt bleibt uns natürlich der Weg zu einem entsprechenden Anwalt, aber ob die auch dieses Umfassende Wissen besitzen um diese Fragestellung beurteilen zu können? Ich habe keine Ahnung wie ich da einen "echten" Spezialisten für dieses Gebiet finden soll. Denn Anwälte für Existenzgründer gibt es wie Sand am Meer.


Viel Spaß beim enträtseln dieser Fragen, ich selbst habe die Befürchtung das wenn ich mir mein "Wissen" weiter zusammen stückel am Ende nur gefährliches Halbwissen in meinem Kopf rum spukt.

Grüße,

Marcus, the_IMP

Antwort von

ohje,

jetzt bin ich mir nicht ganz sicher, ob meine Frage in diesem Unterforum überhaupt richtig ist. Ich würde fast sagen sie gehört eher in den Bereich Nebenberufliche Tätigkeit.

Sorry!

Antwort von

Hallo,

also Ihr Problem mit der Krankenversicherung sollten Sie einfach direkt mit Ihrer Krankenkasse klären. Es liegen ja noch keine Tatsachen vor, sondern Sie wollen sich ja nur erkundigen zum dem "was wäre wenn".

Eine Steuerfreigrenze oder -freibetrag für Dozentinnen von 2000 Euro pro Jahr ist mir nicht bekannt. Wäre interessant wo Sie das erfahren oder ergoggelt haben.

Steuer und Krankenversicherung sind aber grundsätzlich zwei verschiedene Rechtsgebiete, die auch in aller Regel unterschiedliche Grenzwerte haben. Also, direkt bei Krankenkasse nachfragen - die beißen nicht. Dann können Sie mit der auch direkt die Frage der Haupt- und Nebenberuflichkeit und deren Folge für die Krankenversicherung stellen.

Antwort von

Hallo,

Danke für die Antwort.

Das mit dem 2.000€ Freibetrag steht in den Unterlagen über die Anmelde und Steuerpflicht die meine Frau im Verlauf einer Schulung bei der IHK erhalten hat. Dort wurde auch explizit auf diesen Umstand mehrfach hingewiesen.

Dieser Betrag gilt jedoch nur für Dozenten die in einer Einrichtung ihre Tätigkeit ausüben die darauf ausgelegt ist Beruflicheweiterbildungen mit anerkanntem Abschluss zu erreichen. Scheinbar hat man da versucht in diese Tätigkeit eine Art "Dienst an der Gesellschaft" rein zu bauen um es aktraktiver zu machen.

Die "Vergütung" die meine Frau bei der IHK im Prüfungsausschuss erhält ist ja auch Steuerfrei (Ecke ehrenamtlich).

Warum das mit den 2.000 € so ist kann ich jetzt nicht genau sagen, wurde aber letztes Jahr auch vom Finanzamt klaglos anerkannt.

Das mit der KH is so eine Sache, die sind da selbst überfragt. Ich hatte ja schon dort (besser wir) vorgesprochen. Aber die Dame dort war vollkommen mit der Konstelation überfordert.


Echt nicht einfach in diesem Fall das zu "entknoten".

Grüße,

Marcus

p.s.: bin echt gespannt ob wir da noch eine erschöpfende "Gesamtauskunft" erhalten. Kommende Woche werde ich mal einen Termin bei einem Steuerberaterbüro machen. Hoffe ich finde eines das sich mit so Zeugs gut auskennt.

Antwort von

Hallo zum zweiten,

also die Sache mit dem steuerlichen Freibetrag hat sich geklärt:

Nach § 3 Nr. 26 EStG sind steuerfrei,Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen Tätigkeiten, aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder der nebenberuflichen Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen im Dienst oder im Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts ... bis zur Höhe von insgesamt 2.100 Euro im Jahr.

In Puncto Krankenkasse sind Ihre Erfahrungen leider keine Seltenheit. In solchen Fällen hartnäckig bleiben und schön immer eine Stelle höher mit seinen Fragen nerven. Die Krankenkasse hat schließlich auch die Entscheidung zu treffen, wenn die geplanten Vorgänge zu realen Tatsachen werden.

Für die Familienversicherungsgrenze von monatlich 360 Euro im Jahr 2009 (bei Minijob-Tätigkeit 400 Euro) ist das sozialversicherungsrechtliche Gesamteinkommen maßgeblich. Nach § 16 SGB IV ist Gesamteinkommen die Summe der Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts; es umfasst insbesondere das Arbeitsentgelt und das Arbeitseinkommen.

Da steuerfreie Einnahmen nicht in der einkommensteuerlichen Summe der Einkünfte enthalten sind, gehören sie auch nicht zum Gesamteinkommen im sozialversicherungsrechtlichen Sinne. Sie sind sozialversicherungsrechtlich unerheblich.

Antwort von

Hallo, nochmals vielen DANK für die Antworten.

Und jetzt habe ich tatsächlich alle Infos zusammen, denn die KK hat kompetent geantwortet. (Auf eine Mail-Anfrage hin, bin schwer beeindruckt!)

Da sicherlich auch andere Menschen "Probleme" meiner / unserer Art haben möchte ich mit meinen Infos nicht hinterm Berg halten.

Daher, die Antwort der KK:

Ihre Frau bleibt während der in Anspuch genommenen Elternzeit (egel wie lange diese dauert, maximal aber 3 Jahre) weiterhin über Ihren

Arbeitgeber der ---- bei der (KK) angemeldet. Die Mitgliedschaft bleibt während dieser Zeit erhalten und besteht beitragsfrei fort.

Eine Familienversicherung oder gar eine private Versicherung sind nicht nötig.

Das Beschäftigungsverhältnis darf aber von Seiten Ihrer Frau nicht vorher gekündigt werden.

Die Höhe der Einkünfte aus der selbständigen Tätigkeit während der Elternzeit spielt für die beitragsfreie Weiterversicherung keine Rolle,

sofern Sie nicht über 30 Stunden wöchentlich für Ihre selbständige Tätigkeit aufwendet.

Sollte Sie mehr als 30 Stunden wöchentlich arbeiten, fällt die beitragsfreie Versicherung weg und Sie müsste sich freiwillig krankenversichern.

Die Einkünfte aus der selbständigen Tätigkeit könnten aber eventuell das Elterngeld mindern. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie bei der (X)-Bank,

die für die Berechnung und Auszahlung des Elterngeldes zuständig ist, unter der kostenfreien Telefonnummer 0000/000000

Sämtliche Änderungen in den Einkommensverhältnissen müssen Sie dieser Stelle unverzüglich mitteilen, damit das Elterngeld richtig berechnet werden kann.

Wenn Ihre Frau nach der Elternzeit nach einem oder 1 1/2 Jahren zu Ihrem Arbeitgeber zurückkehrt und nur noch etwa 600 Euro verdient, ist eine neue versicherungsrechtliche Beurteilung vom Arbeitgeber durchzuführen. Dabei wird überprüft, welche der beiden Tätigkeiten überwiegt, dass heißt zum

Beispiel wo der Haupterwerb herkommt, welche Beschäftigung zeitlich überwiegt und noch einige weitere Punkte.

Sollte sich dabei herausstellen, dass die selbständige Tätigkeit überwiegt, wäre Ihre Frau in der Beschäftigung bei der --- nicht mehr kranken- und pflegeversicherungspflichtig. Sie müsste sich dann freiwillig versichern als Selbständige, kann aber weiterhin Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben.

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen und Sie konnten meine Erläuterungen nachvollziehen und verstehen.

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