Frage von Marcus am 21.03.10

Komplizierte Situation betreffs Förderung durch Arbeitsamt, wie vorgehen?

Hallo,

Meine Frau und ich möchten uns gerne Selbstständig machen. Wir haben etwas speziellere Fragen zu den Förderungsmöglichkeiten der Arbeitsagentur. Natürlich kann ich auch gleich dort Nachfragen, aber manchmal bleibt dort die Kompetenz auf der Strecke ...oder man sagt Dinge, die einem zum Nachteil gereichen können...

Weiterhin habe ich natürlich auch kein Interesse, andere Fördergelder (die natürlich auch erst noch zu beantragen sind) in der Anlauf-/ Überbrückungsphase für den privaten Lebensunterhalt zu verbrauchen (was ja auch zum Teil untersagt ist), sondern für Investitionen...

Mit der Förderung steht und fällt ja die beste Idee, daher scheint es mir sehr wichtig diese Punkte zuerst zu prüfen, da wir über keine finanziellen Rücklagen verfügen, sonder ganz im Gegenteil, mir noch einige Probleme ins Haus stehen. Die Geschäftsidee an sich ist konzeptionell klar, das nächste ist der Business- Plan usw., dass aber an anderer Stelle.

Hier der Hintergrund mit der Bitte um Rat:

Meine Frau

Meine Frau ist zurzeit als Sprachtrainerin ohne feste Anstellung/Freiberuflich tätig, d.h. ohne eigene Firma. Ihr Einkommen ist aber kriesen- bedingt sehr gering (ca. 300,-). Bis Mitte 2009 hatte Sie eine Festanstellung, wurde danach Arbeitslos und hat bis Dezember 09 Arbeitslosengeld I bezogen, aber noch kein Arbeitslosengeld II beantragt oder bezogen.

Nun stellt sich die Frage, wie es sich mit einer Förderung durch das Arbeitsamt verhält. Kompliziert für mich auch daher, da Sie EU Staatsbürgerin

mit unbeschränkter Aufenthaltsgenehmigung ist und wir nun überlegen ob eine Förderung als (EU-) Migrantin in Frage kommt oder es besser wäre,

eine deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen (falls dies der Förderung

ebenfalls dienlich wäre...). Oder schadet es gar mehr als es hilft?

Zu meiner Person

Halbtags arbeite ich in einer Firma, die jedoch aufgelöst wird und meine Beschäftigung somit am 31.03.10 endet. Ein weiterer Halbtags- Job endet ebenfalls am 31. März, so das erst nach der Meldung der Arbeitslosigkeit, frühestens also im April eine offizielle Anfrage zur Existenzgründung möglich wäre. (Wenn ich das richtig sehe.)

Somit müsste ich eigentlich ebenfalls für eine Förderung in Frage kommen, sofern ich entsprechende Informationen der Arbeitsagentur im Internet

richtig verstanden habe. Allerdings habe ich vor Jahren einen Privatkredit

aufgenommen, dessen Rückzahlung ich aber in den nächsten Monaten wahrscheinlich nicht mehr nachkommen kann (deutlich absehbar). Zu Alledem würde ich aufgrund des notwendigen Arbeitsaufwandes unserer Firma nicht noch woanders arbeiten können -ist es daher möglich das wir beide gefördert werden bzw. ich als Angestellter in der Firma integriert bin?

Daher befürchte ich, dass ich die neue Existenzgründung zu sehr belasten / gefährden würde bzw. könnte ich auch nicht als Geschäftsführer / Inhaber tätig sein, falls es zu einer Eidesstattlichen Versicherung oder Privatinsolvenz kommen würde.

Daher kommt eigentlich nur meine Frau für die Existenzgründung in Frage, sofern ich alles richtig beurteile? Und wenn ja, was ist jetzt das beste Vorgehen?

Was meint Ihr dazu?

Viele Grüße

MarcX

Antwort von

Hallo Marc,

Zunächst zu deiner Frau:

hundertprozentig kann ich es leider nicht sagen, da ich mit dem Thema Migration bisher noch nicht konfrontiert wurde. Fakt ist jedoch, wer Anspruch auf Arbeitslosengeld in dem Fall ALG 1 besitzt, tatsächlich welches bezieht, hat auch Anspruch auf den Gründungszuschuss.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass noch mindestens 90 Tage Rechtsanspruch bestehen müssen, sonst wird leider mit dem Gründungszuschuss auch Nix.

Andere Fördermöglichkeiten sind von Bundesland zu Bundesland verschieden, sicher eine gute Idee, eine Migration extra zu fördern. Bedenkt bitte nur, das ist alles zusätzliche Bürokratie, die von der Zeit der Gründungsvorbereitung abgeht. Ich würde die FörderDatenbank des Bundes empfehlen, zusätzlich eine Beratung durch die IHK.

Amtswege und Behördengänge auch für Onlinehändler

Behördenwegweiser, mit diesem Onlinerechner kannst du verschiedene Behörden in verschiedenen Städten suchen, Adressen Telefonnummern Öffnungszeiten usw.:

www.gruenderlexikon.de/aemtersuche.php

zu dir:

Hier gilt das gleiche, sofern du arbeitslosengeld eins bekommst, hast Du Anspruch auf Gründungszuschuss. Auch hier gilt die 90 Tage Regelung. Ich würde jedoch nicht gleich nach der ersten Woche nicht selbstständig machen, sondern erstmal die Arbeitslosigkeit ausnutzen, um alles vorzubereiten, einzukaufen usw.

das Dumme ist nämlich, wenn du selbständig bist, wird parallel dazu dein noch bestehender Anspruch auf Arbeitslosengeld verbraucht. Ich kann dazu nur in 10, die freiwillige Arbeitslosenversicherung abzuschließen. Das muss vor der Existenzgründung geschehen und kann zusammen mit dem Antrag auf Gründungszuschuss gemacht werden.

wollt Ihr das Geschäft zusammen betreiben? Oder soll jeder einzeln für sich ein Einzelunternehmen starten?

Antwort von

Hallo Torsten,

erst mal danke für Deine AW und die guten Links.

EU Migrationsförderung

Betreffs der EU Migrationsförderung werde ich mich dann direkt mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzen. Sofern erwünscht, werde ich unsere Erfahrungen hier mitteilen.

Bürokratie

...Das Zeitmanagement ist auch nicht ohne - welche Dinge ggf. auslassen oder doch mehr Zeit darin investieren? Wird kein Geld verdient, weil man sich verzettelt, stolpert man über die eigenen Füße - Da hast Du recht, dass sollte ich bedenken.

Geschäft(-sform)

Ja, das Geschäft wollen wir (faktisch) zusammen betreiben - allerdings, wie man es nach außen darstellt, kann ja eine ganz andere Frage sein, die mich sehr Beschäftigt... Also betreffs unserer Fähigkeiten ist die Ergänzung perfekt,

es würde quasi gar nicht ohne den Anderen funktionieren, das heisst aber eben auch, dass beide zu 100 Prozent dabei sein müssen. Es soll eben auch kein Nebenbei- Shop werden, sondern eine Handelsplattform mit sehr guten Einkaufsquellen, die zum Glück auch schon real existieren und keine Wunschträume sind - ich muss es eben "nur" schaffen, den Motor anzuwerfen... Und von der Finanzierung hängt es ab, ob ich "klein" oder "sehr klein" anfange... Sechs-stellige Beträge sind nicht gemeint.

Ich hatte bisher über die Formen GbR (relativ geringer Gründungsaufwand) und einer UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG nachgedacht, wobei besonders letzteres aus diversen Gründen (Haftung, Kapitalbeschaffung und offenbar eingeschränktes Mitspracherecht von Gesellschaftern) sehr interessant zu sein scheint. Allerdings ist hier der Gründungsaufwand höher und natürlich muss man Bilanzen vorlegen et ctr. also auch der administrative Verwaltungsaufwand wird höher sein, inwiefern auch steuerlich Zusatzkosten und andere Erschwernisse hinzukommen, kann ich mangels Wissen noch gar nicht abschätzen.

Aber wie gesagt, scheint eben diese Geschäftsform interessante Möglichkeiten zu bieten. Gekommen bin ich eigentlich darauf, als ich etwas über die Absicherung von Förderkrediten durch Bekannte/Privatpersonen über Bürgschaften (5.000,- hier, 3.000,- da...) gelesen habe, welches die Bewilligung bei nicht vorhandenen Eigenmitteln erleichtern kann.

Das sieht aber für den Geber recht unattraktiv aus und funktioniert über den persönlichen Bekanntenkreis recht schlecht - dehnt man man aber dieses Konzept aus und überträgt es auf eine Kommandit- Gesellschaftsform, sieht das schon solider und auch seriöser aus - und hat für beide Seiten auch Vorteile. Das Ganze dann in gedruckter und gebundener Form könnte ganz andere Türen aufmachen denke ich mir.

Allerdings ist hier wohl recht viel zu beachten (Nachteile gibt es ja auch) - wenn Du zu UG & Co. KG auch Rat weisst...

Bei einer GmbH - Firma habe ich von einer sehr bösen Geschichte gehört, die letztendlich durch später hinzugekommene Gesellschafter zu Fall gekommen ist -das soll es auf gar keinen Fall werden.

Du sagtest auch noch ob jeder von uns ein Einzelunternehmen startet - daran habe ich bis jetzt noch gar nicht gedacht...

Vor allen Dingen habe ich dabei nicht an mich gedacht, weil mir ja eine Eidesstattliche Versicherung droht - findest Du in diesem Fall eine Gründung von zwei Einzelunternehmen richtig? Darüber weiss ich noch zu wenig.

Gibt es möglicherweise Besonderheiten (Förderung durchs Arbeitsamt) für Ehepaare, wenn man gemeinsam Selbstständig werden will?

Überhaupt, bin ich mir bei der Geschäftsform noch gar nicht sicher und weiss auch noch viel zu wenig.

Was würdest Du mir Empfehlen?

Grüße,

Marc

Antwort von

In punkto Geschäftsform kann ich nur raten, einen Rat oder eine Erstberatung bei einem Rechtsanwalt einzuholen. Auch die Industrie- und Handelskammer ist diesbezüglich eine gute Adresse.

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