Frage von Matt am 04.09.08

Kleinunternehmer hauptberuflich?

Hallo,

ich bin 21 und habe meine Ausbildung aus gesundheitlichen Problemen beendet und beziehe derzeit überhaupt kein Einkommen (auch kein Sozialgeld - wegen Kindergeld wird gerade nachgehakt) und überlege, mich im Bereich Webdesign als Einzelperson selbständig zu machen/versuchen.

Dabei möchte/muss ich jedoch erst einmal klein einsteigen, da mehr wegen meines Gesundheitzustandes sowieso nicht möglich ist.

Trotz viel Recherche im Internet, blieben mir manche Dinge noch unklar.

Welch Glück, dass ich auf dieses tolle Forum stieß.

Nun zu diesen Unklarheiten:

- - -

1) Ab welcher Einnahmehöhe (= Umsatz) muss ich mich als Selbständiger/ Freiberufler (zähle in dem Falle wohl als Künstler) überhaupt beim Finanzamt melden [d.h. gelte womöglich nicht mal als Kleinunternehmer]?

- - -

2) Wobei ich längerfristig, bei gesundheitlicher Besserung, monatliche Einnahmen von 1200 EUR anvisiere (=14400 EUR im Jahr), womit ich unter der 17.500 EUR-Grenze liege.

Gilt diese Grenze nur für das erste Jahr, da ja stets von den voraussichtlich max. 50.000 EUR im Folgejahr gesprochen wird? Oder bleibt die 17.500er-Grenze für alle Folge-Jahre erhalten? Wenn letzteres zutrifft, welchen Sinn hat diese Regelung, wenn dann bsp. 25.000 EUR eingenommen wird, überhaupt?


2.1) Derzeit bin ich über meine Eltern familienversichert, wenn ich mich selbständig mache, falle ich da gewiss heraus. Ist eine Krankenversicherung als selbständiger überhaupt Pflicht? (Dass ich zwischen gesetzl. und privater wählen darf, ist mir bekannt - aber ob überhaupt eine nötig?)


2.2) Wie sieht das dann auf den von mir geschriebenen Rechnungen wegen der Umsatzsteuerbefreiung aus? Das muss ja irgendwie in einem Satz erwähnt werden schätze ich? Ist ein bestimmter Satzlaut vorgeschrieben bzw. üblich?


2.3) Da ich das ganze hauptberuflich ohne weitere Verdienste machen möchte, gehen mich die max. 15Std. die Woche nichts an?


2.4) Bürokratie: Mehr als eine formlose Einnahmeermittlung einmal im Jahr an das Finanzamt ist nicht notwendig? So kann ich mir wohl viel Bürokratie und dadurch einen Steuerberater ersparen.

Oder welche Kleinigkeiten für's Finanzamt fallen sonst noch an?


2.5) Da ich sowieso keine Umsatzsteuer ausweise, ist das Finanzamt an meinen Ausgaben in der Regel sowieso nicht interessiert?


2.6) Kann ich das Kleinunternehmen, sofern es mir nicht zusagen sollte, ohne sonderlichen gebundenen Zeitregelungen einfach wieder abmelden?

- - -

3) Dürfte (da ich bei Google keine Suchergebnisse finde) keine Probleme geben, wenn ich mich einfach als "Grubi Webdesign" bezeichne.

Klar, auf Rechnungen wird mein Name, etc. auch noch aufgeführt, aber Selbständige können sich wohl nennen wie es ihnen beliebt, solange keine geschützten Namen Verwendung finden? Oder ist der Name Pflicht? "Grubi Webdesign - Peter Gruber" klingt natürlich nicht sonderlich ansprechend.

- - -

Gruß

grubi

Antwort von

grubi

 


1) Ab welcher Einnahmehöhe (= Umsatz) muss ich mich als Selbständiger/ Freiberufler (zähle in dem Falle wohl als Künstler) überhaupt beim Finanzamt melden [d.h. gelte womöglich nicht mal als Kleinunternehmer]?



Bin nun doch noch auf die Antwort dieser Frage gestoßen, wie ich jedenfalls meine - andernfalls korrigiert mich.



 


[...]

Eine unbeschränkte Steuerpflicht besteht für denjenigen, der seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Ist dies der Fall, besteht eine Pflicht zur Abgabe einerSteuererklärung dann, wennEinkünfte ohne Lohnsteuerabzug von mehr als 410 Euro oder Lohnersatzleistungen (z. B. Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Mutterschutzgeld ) von mehr als 410 Euro bezogen wurden. Nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen beispielsweise Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit. Zwar gehört auch der in Deutschland lebende Arbeitnehmer zum Personenkreis der unbeschränkt Steuerpflichtigen, jedoch wurde dessen Steuer ja bereits in Form der Lohnsteuer abgeführt. Somit ist er grundsätzlich von der Pflicht befreit, eineEinkommensteuererklärung abzugeben.

[...]

Quelle: www.banktip.de/rubrik2/17195/Steuerpflichtigkeit.html



Sind also 410 EUR. :-)

Antwort von

Lies Dich mal durch verschiedene Beiträge..... glaub mir das wirkt Wunder.

Wenn man sich ein bischen Zeit nimmt findet man hier im Forum sehr viele Antworten.....

Bei jedem Finanzamt gibt es auch eine Broschüre die sich "Steuertips für Existenzgründer" nennt.

Guck da mal rein.... ist sehr interessant und hilft auch weiter.

Ich bin zwar keine Expertin auf dem Gebiet des Steuerwesens aber wenn ich das alles so lese was Du das schreibst.... weia

Machs wie ich.... geh zum Steuerberater und lass Dich ausführlich beraten

Antwort von

focusine

 


Machs wie ich.... geh zum Steuerberater und lass Dich ausführlich beraten



Nunja, mag wie jeder Geld sparen.

Mit welchen Kosten kann ich denn bei so einem Gespräch rechnen? Oder werden solche Erstgespräche üblicherweise kostenlos angeboten, um Kunden für Steuererklärungen, etc... zu angeln?

Antwort von

zu 3)

Kleingewerbetreibende müssen Vor- wie Nachnamen angeben.
Freiberufler müssen zumindest den Nachnamen irgendwie angeben (jedoch nicht zwangsweise direkt beim/im Logo [ Werbung]).

Antwort von

zu 2.2) "Im ausgewiesenen Betrag ist gemäß § 19 UStG keine Umsatzsteuer enthalten."

www.existenzgruender.de/DE/Gruendung-vorbereiten/Gruendungswissen/Steuern/inhalt.html

Antwort von

grubi

 


[quote=focusine]

Machs wie ich.... geh zum Steuerberater und lass Dich ausführlich beraten



Nunja, mag wie jeder Geld sparen.

Mit welchen Kosten kann ich denn bei so einem Gespräch rechnen? Oder werden solche Erstgespräche üblicherweise kostenlos angeboten, um Kunden für Steuererklärungen, etc... zu angeln?

[/quote]

Es gibt teilweise kostenfreie Erstgespräche.... allerdings ist es manchmal sehr schwierig Steuerberater zu verstehen.... vor allem wenn Du noch nie was mit sowas zu tun gehabt hast. Die haben Ihren Job ja nicht umsonst Jahre gelernt.

Wegen der Namensgebung und dem Logo... ich hab mir erst mal nen Firmennamen überlegt, dann ein Logo entworfen. Auf der Gewerbeanmeldung die Du machst muß ja kein Firmenname eintragen werden....

Das mit dem §19 UStG funktioniert aber nur dann wenn Du beim Finanzamt die
Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst.

Was Du auf jeden Fall machen mußt ist eine Ein-/Ausgaben Rechnung......

Wie gesagt da gibts ne Broschüre vom Finanzamt für Existenzgründer.. besorg Dir die mal....

Antwort von

Hallo,

also, als gelernter Experte mit fast 30 Jahren Berufserfahrung im Steuerrecht möchte ich mal den Wirrwarr der Beiträge von grubi und focusine auflösen.

 

 

1) Ab welcher Einnahmehöhe (= Umsatz) muss ich mich als Selbständiger/ Freiberufler (zähle in dem Falle wohl als Künstler) überhaupt beim Finanzamt melden [d.h. gelte womöglich nicht mal als Kleinunternehmer]?


Als Alleinstehender mit ausschließlich Einkünften aus selbständiger oder gewerblicher Tätigkeit entsteht Einkommensteuer erst ab einem Gewinn (Einnahmen abzüglich Ausgaben) von mindestens 7.664 EUR jährlich.

Umsatzsteuerpflicht besteht ab einer jährlichen Einnahmenhöhe von 17.500 EUR.

Liegen Ihre Daten darunter, besteht keine Verpflichtung einer Anmeldung beim Finanzamt.



 

2) Wobei ich längerfristig, bei gesundheitlicher Besserung, monatliche Einnahmen von 1200 EUR anvisiere (=14400 EUR im Jahr), womit ich unter der 17.500 EUR-Grenze liege. Gilt diese Grenze nur für das erste Jahr, da ja stets von den voraussichtlich max. 50.000 EUR im Folgejahr gesprochen wird? Oder bleibt die 17.500er-Grenze für alle Folge-Jahre erhalten? Wenn letzteres zutrifft, welchen Sinn hat diese Regelung, wenn dann bsp. 25.000 EUR eingenommen wird, überhaupt?


Die Grenze von 17.500 EUR gilt für jedes Jahr:

- Umsatz im Vorjahr unter 17.500 EUR und im laufenden Jahr voraussichtlich unter 50.000 EUR = Kleinunternehmerregelung

- Umsatz im Vorjahr unter 17.500 EUR und im laufenden Jahr voraussichtlich über 50.000 EUR = keine Kleinunternehmerregelung

- Umsatz im Vorjahr über 17.500 EUR = keine Kleinunternehmerregelung



 

2.1) Derzeit bin ich über meine Eltern familienversichert, wenn ich mich selbständig mache, falle ich da gewiss heraus. Ist eine Krankenversicherung als selbständiger überhaupt Pflicht? (Dass ich zwischen gesetzl. und privater wählen darf, ist mir bekannt - aber ob überhaupt eine nötig?)


Wenn Ihr Gewinn monatlich über 350 EUR liegt, fallen Sie aus der Familienkrankenversicherung Ihrer Eltern heraus. Sie können, müssen zwar nicht, sollten sich aber - wie Sie selbst schreiben sind Sie ja schon krank - krankenversichern. Bei einer bestehenden Krankheit empfiehlt sich eine freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung.



 

2.2) Wie sieht das dann auf den von mir geschriebenen Rechnungen wegen der Umsatzsteuerbefreiung aus? Das muss ja irgendwie in einem Satz erwähnt werden schätze ich? Ist ein bestimmter Satzlaut vorgeschrieben bzw. üblich?


Keine gesetzliche Vorgabe, mein Vorschlag

"Kein Umsatzsteuerausweis, da umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer nach § 19 UStG."



 

2.3) Da ich das ganze hauptberuflich ohne weitere Verdienste machen möchte, gehen mich die max. 15Std. die Woche nichts an?


So ist es.



 

2.4) Bürokratie: Mehr als eine formlose Einnahmeermittlung einmal im Jahr an das Finanzamt ist nicht notwendig? So kann ich mir wohl viel Bürokratie und dadurch einen Steuerberater ersparen.

Oder welche Kleinigkeiten für's Finanzamt fallen sonst noch an?


Formlose Einnahmen-Ausgaben-Überschussrechnung nebst Einkommensteuererklärung.



 

2.5) Da ich sowieso keine Umsatzsteuer ausweise, ist das Finanzamt an meinen Ausgaben in der Regel sowieso nicht interessiert?


Doch, da diese zur Ermittlung des Gewinns erforderlich sind, Einnahmen abzüglich Ausgaben gleich Gewinn.



 

2.6) Kann ich das Kleinunternehmen, sofern es mir nicht zusagen sollte, ohne sonderlichen gebundenen Zeitregelungen einfach wieder abmelden?


Wie gegründet - so beendet.



 

3) Dürfte (da ich bei Google keine Suchergebnisse finde) keine Probleme geben, wenn ich mich einfach als "Grubi Webdesign" bezeichne.


Auf allen Rechnungen und Geschäftspapieren, Website, etc. ist zusätzlich Ihr Vor- und Zuname anzugeben. "Grubi Webdesign" ist nur ein Werbeslogan, kein Firmenname.



 

Klar, auf Rechnungen wird mein Name, etc. auch noch aufgeführt, aber Selbständige können sich wohl nennen wie es ihnen beliebt, solange keine geschützten Namen Verwendung finden? Oder ist der Name Pflicht? "Grubi Webdesign - Peter Gruber" klingt natürlich nicht sonderlich ansprechend.


Nein, Selbständige können sich nicht óhne weiteres nennen wie sie wollen. Soweit keine Handelsregistereintragung erfolgt, ist der Vor- und Nachname anzugeben. Ins Handelsregister kann allerdings fast jeder Name eingetragen werden. Achtung - ist ein Unternehmen im Handelregister eingetragen, ergeben sich zusätzliche gesetzliche Verpflichtungen.



 

Mit welchen Kosten kann ich denn bei so einem Gespräch rechnen? Oder werden solche Erstgespräche üblicherweise kostenlos angeboten, um Kunden für Steuererklärungen, etc... zu angeln?


Die Kosten für ein Erstberatungsgespräch bei einem Steuerberater sind gesetzlich begrenzt auf maximal 180 EUR.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de

Hinweis: Die in diesem Forum enthaltenen Beiträge zu den einzelnen Themen sind nach bestem Wissen und Kenntnisstand verfasst worden. Sie dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine qualifizierte Beratung in konkreten Fällen. Eine Haftung für den Inhalt dieser Beiträge kann daher nicht übernommen werden.

Für eine umfassende Beratung stehen wir gerne zur Verfügung.

Antwort von

Hallo Herr Kexel, vielen Dank für das Einbringen von Klarheit von ihrer Seite.

Ein paar kleine Details sind mir jedoch noch nicht gänzlich klar geworden, bzw. ich mag prüfen, ob ich alles in Ihrem Sinne richtig aufgefasst habe.

Kexel

 


Als Alleinstehender mit ausschließlich Einkünften aus selbständiger oder gewerblicher Tätigkeit entsteht Einkommensteuer erst ab einem Gewinn (Einnahmen abzüglich Ausgaben) von mindestens 7.664 EUR jährlich.

Umsatzsteuerpflicht besteht ab einer jährlichen Einnahmenhöhe von 17.500 EUR.

Liegen Ihre Daten darunter, besteht keine Verpflichtung einer Anmeldung beim Finanzamt.




Kexel

 


Die Grenze von 17.500 EUR gilt für jedes Jahr:

- Umsatz im Vorjahr unter 17.500 EUR und im laufenden Jahr voraussichtlich unter 50.000 EUR = Kleinunternehmerregelung

- Umsatz im Vorjahr unter 17.500 EUR und im laufenden Jahr voraussichtlich über 50.000 EUR = keine Kleinunternehmerregelung

- Umsatz im Vorjahr über 17.500 EUR = keine Kleinunternehmerregelung



D.h. also auch, wenn ich beispielsweise 2009 einen Umsatz von 10.000 EUR tätige, und voraussichtlich im nächsten (2010) mit 40.000 EUR (nicht für 2010 rückwirkend zum Unternehmer gewandelt und es gilt dann erst automatisch ab 2011 die Unternehmerregelung?

Bzw. das Finanzamt wird in einem solchen Fall (über 50.000 EUR) bei Verdacht nachforschen, inwieweit die voraussichtliche Schätzung unangemessen war? [gerade wenn über 100.000 EUR und mehr würde das FA wohl noch hellhöriger werden]

Kexel

 


Keine gesetzliche Vorgabe, mein Vorschlag

"Kein Umsatzsteuerausweis, da umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer nach § 19 UStG."



Sofern ich wie bei obigsten Zitat erwähnt, unter den beiden dortigen Grenzen bleibe und mich deswegen nicht beim Finanzamt melde, erhalte ich ja auch keine Steuernummer bzw. Steueridentifikationsnummer.

Muss auf das nichtige Vorhandensein dieser sodann auch auf Rechnungen hingewiesen [oder diese überhaupt angegeben] werden?

Kexel

 


2.4) Bürokratie: Mehr als eine formlose Einnahmeermittlung einmal im Jahr an das Finanzamt ist nicht notwendig? So kann ich mir wohl viel Bürokratie und dadurch einen Steuerberater ersparen.

Oder welche Kleinigkeiten für's Finanzamt fallen sonst noch an?


Formlose Einnahmen-Ausgaben-Überschussrechnung nebst Einkommensteuererklärung.



Diese wären jedoch, wenn ich unter den erstgenannten Grenzen bleibe, vollkommen freiwillig, d.h. es ist nicht einmal nötig, beim Finanzamt mich irgendwie bemerkbar zu machen? [Möchte mir den Anfang der Selbstständigkeit möglichst bürokratisch unbeschwert gestalten]

Wochenendgrüße

Grubi

zurück
Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!