Frage von Anonym am 24.01.15

Hilfe bei Unternehmensform: Zulassungspflichtiges Handwerk oder Kunst?

Guten Abend,

 

kurz zu meinem Vorhaben:

Ich möchte Nebenberuflich ein Unternehmen aufbauen und die kommenden 6 Jahre nebenbei betreiben. Wenn alles gut läuft, möchte ich in 6 Jahren dann als Selbstständiger davon gut leben können.

Ich habe eine technische Methode entwickelt, die es ermöglich Fugen und "Spalten" mittels elektrischer Illumination homogen und organisch zum leuchten zu bringen.

Ich habe bereits Pilotprojekte gestartet und gebaut, baue und designe gerade auch ein Möbelstück.

Und nein, nachträgliche leuchtet natürlich nichts, ein Fliesenspiegel oder Tisch oder Wand/Boden etc. müssen gebaut werden.

Die Designs und Produkte richten sich an die "oberen 10.000".

Bis jetzt läuft alles gut, die Homepage ist fast fertig, Firmenname und Logo kreiert und entworfen. Werkzeug, Raum und know how sind auch vorhanden, allerdings ist noch nichts veröffentlicht oder beworben. Finanziert wird das ganze durch meinen Hauptberuf.

 

Jetzt mein eigentliches Problem:

Ich ver/bearbeite Kunststoff, Fliesen, Holz, Elektrik und Licht, Harze, Silikon, Lacke..eigentlich alles.

Ich designe Unikate, keine Serienproduktion, Arbeit nach Maß und Kundenwunsch oder wie es meiner Fantasie entspringt. Mal einen Tisch, mal ein Sideboard, mal eine Wand, Duschkabine, Firmenschild oder Fliesenspiegel in der Küche.

Wie ordne ich das im deutschen Gewerbe jetzt zu?

Für mich persönlich ist es Kunst, Kreativität gepaart mit hochwertigster Verarbeitung und einzigartigen Design.

Auf Nachfrage bei dem örtlichen Gewerbeamt wurde ich in meiner Vermutung es sei "bildende Kunst" bestätigt, jedoch weiß ich nicht in wie weit ich mich auf eine Email bei der Wahl der Unternehmensform stützen soll.

Es ist ja eine Art Mix aus Innenausbau, Möbelbau, Bodenleger, Elektriker...was auch immer.

Ich möchte es richtig machen und frage daher um Rat.

Ich hoffe ich konnte begreiflich machen um was es geht, ich selbst habe einen kaufmännischen Beruf und daher dient mir hier leider kein weiteres Branchenwissen.

 

Vielen Dank

Antwort von

Hallo Roberto,

 

 

es ist zwar nebensächlich, aber wieso wieso muss ihr Geschäft in genau sechs Jahren stehen?

 

 

 

Nun zu ihrem eigentlichen Problem:

 

Ihr Problem hat erst einmal nichts mit der Rechtsform zu tun, die ist, egal ob sie Künstler sind oder nicht, als Einzelunternehmen anzusehen. Wenn Sie nicht gerade eine weitere Person mit in das Geschäft einbringen, ändert sich daran auch nichts.

 

 

 

Die Frage ist eigentlich: Sind Sie als Künstler (und damit als Freiberufler, Unterschied Freiberufler und Gewerbetreibender) einzuordnen und in diesem Fall beim Finanzamt der Anmeldung einer Tätigkeit zu unterziehen oder sind sie als Handwerker (und damit als Gewerbetreibender) einzuordnen und in diesem Fall beim Gewerbeamt der Anmeldung eines Gewerbes zu unterziehen?

 

 

 

Kurz und knapp kann ich dazu sagen: versuchen Sie als Künstler und damit als Freiberufler aufzutreten, denn die Freiberuflichkeit und die Anmeldung beim Finanzamt ruft weniger Bürokratie nach sich, darüber hinaus sind Sie auch nicht der Handwerksordnung und der Handwerkskammer unterstellt.

 

 

 

Wenn Sie dagegen der Handwerkskammer unterstellt sind, müsste hier zunächst geprüft werden, ob sie die von Ihnen beschriebenen Tätigkeiten überhaupt ohne Meister oder Ausübungsberechtigung (ich weiß leider nicht, was im Einzelnen bei Ihnen vorliegt) ausüben dürfen. Genau das ruft sehr viel Aufwand und eine extreme Zeitverzögerung nach sich. Daher kann ich Ihnen nur empfehlen, das ganze als künstlerische Tätigkeit zu deklarieren, was es ja augenscheinlich auch ist, wenn sie Einzelstücke, hochpreisige Unikate, Auftragsarbeiten erstellen und keine tatsächliche Produktpalette vorweisen können. Darüber hinaus besteht bei der Arbeit als Künstler Versicherungsmöglichkeiten der Künstlersozialkasse, wo die Krankenversicherung mit Sicherheit etwas günstiger ist, als eine konventionelle Krankenversicherung.

 

 

 

Sollten Sie richtig gut verdienen, hat die Arbeit als Künstler und damit als Freiberufler auch den Vorteil, dass sie keine Gewerbesteuererklärung und damit keine Gewerbesteuer an die zuständige Stadt oder Gemeinde ihres Firmensitzes abführen müssen. Es spart also auch noch Geld, wenn Sie viel Gewinn machen.

 

 

 

Das sind ersteinmal meiner persönlichen Eindrücke, die mir spontan einfallen. Ich bitte Sie trotzdem einen Steuerberater aufzusuchen, der Ihnen dahingehend weitere Beratung und damit auch eine gewisse Rechtssicherheit bieten kann.

 

 

 

Etwas neugierig bin ich auch: ich verstehe nicht ganz den Vorteil, warum Fugen und Ecken leuchten sollen? Darüber hinaus könnte man das doch auch mit LEDs Stribes viel günstiger erledigen? Eins noch: Glauben Sie nicht, wenn Ihre Zielgruppe die oberen 10.000 der Bevölkerung sein sollen, dass diese Gruppe ihr Geld einfach so zum Fenster hinausschmeißt. Gerade diese Leute gucken auf jeden Cent und drehen diesen noch dreimal rum, bevor Sie etwas ausgeben. Sie sollten eine genaue Zielgruppenanalyse und auch eine genaue Marktanalyse durchführen, bevor Sie starten.

 

 

 

Wie Sie sich auch immer entscheiden, ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

 

 

 

PS.: Ich finde im großen und ganzen ihre Idee gut, sie muss eben noch richtig rund gefeilt werden. Mir sind derartige Geschäftsideen lieber, als der 25. Büroservice oder der 38. Hausmeisterdienst um die Ecke ;-)

 

 

 

Ihr Torsten vom

 

Gründerlexikon

 

 

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